ServiceNow hat am 13. Juli Patches für eine kritische Lücke in seiner AI Platform ausgeliefert. Vier Tage später haben Angreifer sie erstmals ausgenutzt, über einen anderen Weg als den öffentlich dokumentierten. Für selbst gehostete Instanzen zählt jetzt jede Stunde.

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Die ServiceNow-Sicherheitslücke CVE-2026-6875 trägt einen CVSS-Wert von 9,5 und erlaubt Codeausführung ohne jede Anmeldung. Bemerkenswert ist weniger die Bewertung als der Zeitabstand: Zwischen Patch und ersten beobachteten Angriffen sind vier Tage vergangen.

Das Wichtigste in Kürze

  • CVE-2026-6875: Ausbruch aus der Skript-Sandbox der ServiceNow AI Platform, CVSS 9,5.
  • Searchlight Cyber hat die Lücke am 1. April offengelegt, die Patches für selbst gehostete Instanzen kamen am 13. Juli.
  • Defused hat ab dem 17. Juli Angriffe beobachtet, die denselben Endpunkt über eine andere Ausbruchskette treffen.
  • ServiceNow erklärt weiterhin, keine Angriffe auf eigene Instanzen zu kennen.

Was steckt hinter CVE-2026-6875?

Trotz Vorhängeschloss mit Patch-Zettel greifen Handschuhe durch eine offene Klappe im Tor
Unauthentizierter Angreifer bricht aus ServiceNow-AI-Sandbox aus und führt Code auf der Plattform aus. CVSS-Score 9,5

Ein nicht angemeldeter Angreifer bricht aus der Skript-Sandbox der ServiceNow AI Platform aus und führt Code auf der Plattform selbst aus. ServiceNow bewertet die Lücke mit CVSS 9,5 und ordnet sie als Code-Injection ein.

Die Sandbox soll KI-generierten und konfigurierten Code sicher einsperren. Unter bestimmten Bedingungen hält diese Grenze nicht, und der Code landet im Kontext der Plattform.[1]

Gefunden und am 1. April offengelegt hat die Schwachstelle Searchlight Cyber, dieselbe Firma, die vergangene Woche mit einem KI-Assistenten die kritische Lücke im WordPress-Kern aufgespürt hat.

Warum schützt der Patch nicht dauerhaft?

Der Patch schließt eine konkrete Ausbruchskette, nicht den Zugang dahinter. Die beobachteten Angriffe erreichen denselben unauthentifizierten Endpunkt und dieselbe Codeausführung über eine zweite, bislang undokumentierte Kette.

Genau dieser Mechanismus unterscheidet die Meldung von einem gewöhnlichen Patchday. Ein Sandbox-Ausbruch ist selten ein einzelner Fehler, sondern eine Kette aus Bausteinen, die einzeln harmlos wirken.

Solange ein Endpunkt ohne Anmeldung Skriptcode entgegennimmt, bleibt die Angriffsfläche bestehen. Laut Defused zielen die Payloads auf genau diesen Endpunkt, erreichen den Ausbruch aber anders als der veröffentlichte Machbarkeitsnachweis.

Dasselbe Muster hat sich vergangene Woche bei Fortinet gezeigt, als Angreifer die FortiSandbox als Einfallstor benutzt haben. Schutzkomponenten mit tiefen Rechten sind dabei besonders lohnend.

Vier Tage vom Patch zum Angriff

CVE-2026-6875 in der ServiceNow AI Platform: die Kennzahlen im Überblick

Warnsymbol Schwachstellenbewertung
9,5

CVSS-Wert nach Angaben von ServiceNow, Einstufung kritisch

Uhrsymbol Zeitraum bis zum Angriff
4 Tage

zwischen dem Patch für selbst gehostete Instanzen und den ersten beobachteten Angriffen

Symbol für zwei Angriffswege
2 Wege

Ausbruchsketten führen zum selben Endpunkt und zur selben Codeausführung

Offenes Schloss für fehlende Authentifizierung
0

Anmeldedaten sind für den Angriff erforderlich

Der Ablauf
1. April 2026

Searchlight Cyber legt die Schwachstelle offen. ServiceNow sichert die gehosteten Instanzen ab.

13. Juli 2026

ServiceNow veröffentlicht die Patches für selbst gehostete Instanzen: Australia Patch 2, Yokohama Patch 13, Zurich Patch 9 und Brazil GA.

17. Juli 2026

Die Threat-Intelligence-Firma Defused beobachtet die ersten Angriffe im Netz, über eine andere Ausbruchskette als der veröffentlichte Machbarkeitsnachweis.

Was Sie jetzt prüfen sollten

Betreiben Sie eine selbst gehostete Instanz, gilt der Patchstand vom 13. Juli als Mindestanforderung. Werten Sie die Zugriffe auf den betroffenen Endpunkt rückwirkend bis zum 17. Juli aus und halten Sie den Meldeweg nach NIS2 bereit, der eine erhebliche Sicherheitsverletzung binnen 24 Stunden verlangt.

Ein Patch, der eine Ausbruchskette entfernt, verschafft Zeit und beseitigt kein Risiko. Entscheidend ist die Frage, warum ein Skript-Interpreter überhaupt ohne Anmeldung erreichbar sein muss.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was müssen Unternehmen in der DACH-Region jetzt tun?

Zuerst klären, ob die Instanz gehostet oder selbst betrieben wird. Gehostete Instanzen hat ServiceNow abgesichert, selbst gehostete brauchen die Patches vom 13. Juli.[2]

ServiceNow steuert in vielen Konzernen und Behörden das IT-Servicemanagement, also Tickets, Zugriffsrechte und Freigaben. Eine kompromittierte Instanz gibt Angreifern damit nicht nur Daten, sondern die IT-Prozesse selbst preis.

Unter NIS2 kommt eine harte Frist dazu: Eine erhebliche Sicherheitsverletzung muss binnen 24 Stunden gemeldet werden. Wie schnell diese Pflicht zur Haftungsfalle wird, hat zuletzt auch die BaFin-Geldbuße gegen TeamViewer gezeigt.

  • Release-Stand prüfen und auf Australia Patch 2, Yokohama Patch 13, Zurich Patch 9 oder Brazil GA heben.
  • Zugriffe auf den Endpunkt rückwirkend in den Webserver-Logs auswerten.
  • Den Zugang von außen einschränken, solange die Prüfung läuft.
  • Meldeweg nach NIS2 vorbereiten, bevor ein Befund vorliegt.

Die Lücke reiht sich in eine Serie kritischer Schwachstellen in Unternehmensplattformen ein, zuletzt die 9,9er-Lücke im ABAP-Kern von SAP. Prüfen Sie heute Ihren Release-Stand und werten Sie die Logs bis zum 17. Juli aus.

Quellen

[1] NIST National Vulnerability Database: CVE-2026-6875

[2] ServiceNow: Sicherheitsmeldung KB3137947

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