Kontron und das amerikanische Engineering-Unternehmen MedAcuity bündeln ihre Kompetenzen, um Medizintechnik-Herstellern komplette, zertifizierungsfähige Systeme aus einer Hand anzubieten. Statt einzelne Hardware-Komponenten selbst zu einem MDR-konformen Gesamtsystem zusammenzusetzen, entsteht ein vorintegrierter Stack aus Embedded-Hardware und regulatorisch abgesicherter Software.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Kontron liefert zertifizierte Embedded-Hardware nach ISO 13485, MedAcuity steuert die Software-Entwicklung für regulierte Medizinprodukte bei
  • Ziel ist ein vollständig dokumentiertes System, das MDR- und FDA-Anforderungen bereits im Auslieferungszustand erfüllt
  • Kleinere MedTech-Hersteller sparen sich damit den Aufbau eigener Regulatory-Affairs-Kapazitäten
  • Die Partnerschaft reiht sich in einen Trend zu vertikaler Spezialisierung bei Embedded-Anbietern ein

Warum reicht Hardware allein nicht mehr aus?

Geöffneter grauer Koffer mit hellblau umrandeter Leiterplatte und Aufkleber „GEPRÜFT“ darin
Kontron und MedAcuity kooperieren: Hardware nach ISO 13485 und Software nach IEC 62304 für zertifizierte Medizinprodukte

Ein Embedded-Board ist erst dann ein Medizinprodukt, wenn Software und Dokumentation den gesamten Nachweis tragen. Die Kooperation setzt genau an diesem Punkt an: Kontron bringt seine seit Jahren nach ISO 13485 zertifizierten Hardware-Plattformen ein, MedAcuity ergänzt die Software-Architektur für sicherheitskritische Anwendungen nach IEC 62304. Ein Medical-OEM erhält damit kein Einzelteil mehr, sondern ein Gesamtsystem, dessen technische Dokumentation von Anfang an auf eine Zulassung ausgelegt ist.

Der eigentliche Engpass liegt nicht in der Technik, sondern im Aufwand der Zulassung selbst. Die EU-Medizinprodukteverordnung 2017/745 und das amerikanische Pendant FDA 21 CFR Part 820 verlangen klinische Bewertung, Risikomanagement und lückenlose Post-Market-Surveillance. Viele mittelständische Hersteller können diesen Aufwand mit eigenen Entwicklungsteams schlicht nicht mehr wirtschaftlich stemmen. Sie weichen auf vorzertifizierte Partnerlösungen aus.

Medizintechnik & Regulatorik
Vom Einzelteil zum zertifizierungsfähigen System

Wie Kontron und MedAcuity Hardware und Software zu einem MDR-konformen Gesamtpaket verbinden – und was das für Medical-OEMs bedeutet.

Die Kooperation im Überblick
Kontron
Embedded-Hardware
  • Zertifiziert nach ISO 13485
  • Langzeitverfügbare Plattformen
  • Robuste Embedded-Systeme
+
MedAcuity
Software & Regulatory
  • Entwicklung nach IEC 62304
  • Sicherheitskritische Architektur
  • Zulassungsreife Dokumentation
Vorintegrierter Gesamtstack

Ein dokumentiertes System, das MDR- und FDA-Anforderungen bereits im Auslieferungszustand erfüllt – ohne eigene Regulatory-Affairs-Kapazitäten aufzubauen.

Diese Anforderungen deckt der Stack ab
EU-MDR 2017/745

Klinische Bewertung, Risikomanagement und Post-Market-Surveillance

FDA 21 CFR Part 820

Amerikanisches Pendant zur MDR mit eigenem Qualitätssystem

IEC 62304

Software-Lebenszyklus für sicherheitskritische Medizinprodukte

Kein Einzelfall: Vertikale Spezialisierung als Branchenmuster

Zertifizierungsaufwand und Haftungsrisiko steigen schneller als die Skaleneffekte einzelner Komponentenanbieter. Hardwarehersteller binden deshalb gezielt Nischenpartner mit tiefer Zulassungsexpertise an sich.

„MDR-Konformität wird zur eigentlichen Handelsware.“

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
3 Schritte für Entscheider in der MedTech-Zulieferkette
1

Prüfen Sie, ob eigene Produktentwicklungen auf vorzertifizierte Plattformen umgestellt werden können.

2

Sichern Sie Lieferketten-Abhängigkeiten von einzelnen Systemintegratoren vertraglich ab.

3

Überprüfen Sie Ihre technische Dokumentation auf MDR-Übergangsfristen und IEC-62304-Konformität.

Ist das ein Einzelfall oder ein Branchenmuster?

Die Allianz zwischen einem Hardware-Konzern und einem Software- und Regulatory-Spezialisten ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Konsolidierungstrends im Embedded-MedTech-Segment. Immer öfter binden Hardwarehersteller gezielt Nischenpartner mit tiefer Zulassungsexpertise an, statt selbst in jedem regulierten Marktsegment eigene Software-Teams aufzubauen.

Der Grund liegt in der Kostenkurve: Zertifizierungsaufwand und Haftungsrisiko steigen schneller als die Skaleneffekte, die ein einzelner Komponentenanbieter noch erzielen könnte. Vertikale Spezialisierung ersetzt zunehmend die horizontale Produktbreite, die früher als Wettbewerbsvorteil galt.

Für deutsche und europäische Hersteller verschärft die vollständige Anwendung der EU-MDR die Anforderungen an klinische Bewertung und technische Dokumentation kontinuierlich. Gerade kleinere OEMs ohne eigene Regulatory-Affairs-Abteilung geraten dadurch unter Druck, während vorzertifizierte Systempartnerschaften zum echten Wettbewerbsvorteil werden. Wer frühzeitig auf solche Stacks setzt, verkürzt Zulassungszeiten spürbar.

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