Ottobock trennt sich von seiner Rollstuhlsparte und übergibt das komplette Human-Mobility-Geschäft an den Käufer DHCare. Der Prothesen-Weltmarktführer aus Duderstadt bündelt sein Kapital damit auf bionische Gliedmaßen und Neuro-Orthetik. Der Rollstuhl galt lange als Aushängeschild des Konzerns, für die Rendite wiegt die Bionik nun schwerer.

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Die Rollstuhlsparte von Ottobock wechselt den Besitzer: Anfang August 2026 unterzeichnete der Konzern den Verkauf seines gesamten Human-Mobility-Bereichs an DHCare, ein Medizintechnikunternehmen im Besitz des Finanzinvestors Rhône.[1] Zehn Monate nach dem Börsengang schärft der Weltmarktführer für Prothesen damit sein Portfolio.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ottobock verkauft das komplette Rollstuhlgeschäft „Human Mobility“ an DHCare, der Abschluss ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant.
  • Der Konzern konzentriert sich künftig auf Prothetik und Neuro-Orthetik, seine margenstärksten Kernbereiche.
  • Im ersten Quartal 2026 stieg der Kernumsatz auf 378,4 Mio. €, die bereinigte Core-EBITDA-Marge auf 22,3 Prozent (Stichtag 31.3.2026).
  • Für 2026 peilt Ottobock eine Marge von über 26,5 Prozent an.

Warum trennt sich Ottobock von der Rollstuhlsparte?

Prothese und Mini-Rollstuhl mit „Verkauft“-Schild vor weißem Hintergrund
Rollstuhlverkauf freisetzt Kapital für profitablere bionische Prothesen wie myoelektrische Handprothesen und mikroprozessorgesteuerte Kniegelenke

Das Rollstuhlgeschäft bindet Kapital in einem Segment mit niedrigeren Margen als die bionische Prothetik. Manuelle und elektrische Rollstühle stehen im harten Preiswettbewerb, während myoelektrische Handprothesen und mikroprozessorgesteuerte Kniegelenke wie das C-Leg höhere Deckungsbeiträge liefern. Mit dem Verkauf löst der Konzern gebundenes Kapital und steckt die Mittel in die stärker wachsenden Bereiche.

Käufer ist DHCare, hinter dem der Finanzinvestor Rhône steht. Der Bereich Human Mobility umfasst auch den niederländischen Kinderrollstuhl-Spezialisten veldink4Kids sowie die Fertigung im thüringischen Königsee. Vorstandschef Oliver Jakobi nennt die Sparte ein „technologisch führendes Geschäft mit hoher klinischer Glaubwürdigkeit“, das bei einem neuen Eigentümer bessere Wachstumschancen finde.

Was bringt der Bionik-Fokus für die Marge?

Die Zahlen zeigen, worauf Ottobock zielt. Im ersten Quartal 2026 stieg die bereinigte Core-EBITDA-Marge auf 22,3 Prozent, ein Plus von 1,5 Prozentpunkten (Stichtag 31.3.2026).[2] Für das Gesamtjahr peilt der Konzern über 26,5 Prozent an, getragen von Prothetik und Neuro-Orthetik. Der Kernumsatz kletterte im Quartal auf 378,4 Mio. €.

Der Schritt reiht sich in ein Muster ein. Der Konzern kaufte zuvor das Norwegen-Geschäft von Blatchford und baute mit dem Start-up Fesia die Neuro-Orthetik aus, seither richtet Ottobock sein Angebot auf mechatronische Hilfsmittel aus. Den margenschwächeren Rollstuhl gibt der 2025 an die Börse gegangene Anbieter nun ab.

Der Rollstuhl liefert Ottobock verlässlichen Umsatz, die Rendite aber steckt in der Bionik. Mit dem Verkauf setzt der Konzern sein Kapital konsequent auf mechatronische Gliedmaßen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Ottobock schärft das Portfolio
Verkauf des Rollstuhlgeschäfts, Fokus auf bionische Prothetik (Stand: August 2026)
Umsatz
378,4 Mio. €
Kernumsatz im ersten Quartal 2026, organisch plus 5,1 Prozent
Marge
22,3 %
bereinigte Core-EBITDA-Marge Q1 2026, Ziel für 2026: über 26,5 Prozent
Mitarbeitende
9.300
Mitarbeitende weltweit, Hauptsitz in Duderstadt
Käufer
DHCare
Käufer des Rollstuhlgeschäfts, Abschluss im zweiten Halbjahr 2026

Gibt Ottobock ab

Human Mobility: manuelle und elektrische Rollstühle, Kinderrollstuhl-Marke veldink4Kids, Standort Königsee.

Behält Ottobock als Kern

Prothetik und Neuro-Orthetik: myoelektrische Handprothesen, mikroprozessorgesteuerte Kniegelenke, mechatronische Gelenke.

Was heißt der Umbau für den deutschen Hilfsmittelmarkt?

Für den deutschen Markt verschiebt sich ein Schwergewicht. Ottobock beschäftigt rund 9.300 Menschen weltweit und prägt die Versorgung mit Prothesen und Orthesen. Die tragbare Robotik boomt zugleich an anderer Stelle, etwa mit Exoskeletten von German Bionics für Industrie und Pflege.

Kliniken, Sanitätshäuser und Kostenträger sollten die Neuausrichtung im Blick behalten, denn der Rollstuhl-Service wandert zu DHCare, während Ottobock seine Entwicklung auf mechatronische Gelenke bündelt. Zugleich treibt die EU-Medizinprodukteverordnung die Zertifizierungskosten und begünstigt fokussierte Anbieter. Eine Einordnung, welche Robotik sich im Alltag wirklich lohnt, liefert unser Ratgeber. Auch Zulieferer wie Schaeffler drängen mit humanoiden Aktoren in dieses Feld.

FAQ: Ottobock verkauft die Rollstuhlsparte

Wer kauft das Rollstuhlgeschäft von Ottobock?

Das gesamte Human-Mobility-Geschäft von Ottobock geht an DHCare, ein Medizintechnikunternehmen im Besitz des Finanzinvestors Rhône. Der Abschluss der Transaktion ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant.

Was ist der Unterschied zwischen Prothetik und Bionik bei Ottobock?

Prothetik ersetzt fehlende Gliedmaßen, die Bionik steuert künstliche Gliedmaßen elektronisch. Myoelektrische Hände und mikroprozessorgesteuerte Kniegelenke wie das C-Leg reagieren auf Muskelsignale. Diese margenstarke Mechatronik bildet künftig den Kern von Ottobock.

Warum ist Ottobock an der Börse?

Ottobock ging am 9. Oktober 2025 zu einem Ausgabepreis von 66 Euro an die Börse. Mit dem frischen Kapital und dem Verkauf des Rollstuhlgeschäfts finanziert der Konzern den Ausbau seiner bionischen Kernbereiche.

Was ändert sich für Rollstuhlnutzer nach dem Verkauf?

Für Nutzerinnen und Nutzer läuft die Versorgung zunächst weiter, der neue Eigentümer DHCare übernimmt Produkte, Standorte und Service. Ottobock beschreibt den Übergang als geordnet und verlässlich für Kunden und Partner.

Quellen

[1] Ottobock: Newsroom (Verkauf des Human-Mobility-Geschäfts an DHCare)

[2] Ottobock Investor Relations: Quartalsmitteilung und Kennzahlen 2026

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