RWE zieht sich komplett aus dem US-Offshore-Wind zurück und erhält dafür 1,06 Milliarden Euro vom US-Innenministerium. Die Pachtrechte vor New York, Kalifornien und Louisiana gehen an den Staat zurück, das frei werdende Kapital fließt stattdessen in Gas und Flüssiggas. Hinter dem Vergleich steckt eine Methode, die europäische Energieplaner aufhorchen lässt.

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Der Energiekonzern RWE beendet sein gesamtes Offshore-Wind-Geschäft in den USA und bekommt für den Rückzug 1,06 Milliarden Euro. Gezahlt wird die Summe ausgerechnet von der Regierung, die den Ausbau der Windkraft seit Monaten ausbremst. Ein Konzern gibt eine Zukunftstechnologie auf und verdient am Ausstieg mehr, als er zuvor investiert hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • RWE gibt die Offshore-Wind-Pachten vor New York, Kalifornien und Louisiana zurück. Dafür erhält der Konzern 1,06 Milliarden Euro vom US-Innenministerium.
  • Das Projekt Canopy vor Kalifornien war auf 1,6 Gigawatt schwimmende Windkraft ausgelegt. Zuvor hatte RWE über 870 Millionen Euro in Pacht und Entwicklung gesteckt.
  • Der Deal ist bereits der fünfte Rückkauf des Ministeriums mit einem Windentwickler, zusammen über 3,4 Milliarden Euro.
  • Statt in Wind investiert RWE künftig in US-Gas: rund 780 Millionen Euro in ein Louisiana-Flüssiggasprojekt sowie Turbinen für neue Gaskraftwerke.

Warum zahlt Washington für stillgelegte Windprojekte?

Modell-Windrad aus Metall mit „VERKAUFT“-Schild und Figur eines Hundes mit Helm davor
RWE gibt Offshore-Windprojekte in den USA zurück, da die Trump-Administration Genehmigungen blockiert und das Pentagon Prüfungen durchführt

Der Deal folgt einem klaren Kalkül der US-Regierung. Präsident Trumps Behörden blockieren neue Offshore-Windprojekte seit Monaten über Genehmigungsstopps und eine Prüfung durch das Pentagon. RWE zog daraus den Schluss, dass sich die Anlagen auf absehbare Zeit nicht genehmigen lassen, und nahm das Angebot zur Rückgabe an.[1] Andere Hersteller wie Nordex trotzen dem US-Förderabbau bislang noch.

Statt selbst zu bauen, kauft das Innenministerium die Pachtrechte zurück und wandelt grüne Investitionen so in Planungssicherheit für fossile Vorhaben um. Für RWE rechnet sich der Rückzug doppelt. Der Konzern bekommt mehr zurück, als in Pacht und Projektentwicklung geflossen war, und entgeht zugleich dem Risiko einer teuren Abschreibung, wie sie den Konkurrenten Ørsted bereits traf.

Wohin lenkt RWE das frei gewordene Kapital?

Der Rückzug ist kein Einzelfall, sondern der fünfte Vergleich dieser Art. Zuvor gaben bereits TotalEnergies, Duke Energy und das Joint Venture Ocean Winds ihre Lizenzen zurück, zusammen kommen die Rückkäufe auf über 3,4 Milliarden Euro. Aus der einstigen Aufbruchstimmung der US-Offshore-Branche ist ein geordneter Ausverkauf geworden.

RWE lenkt das Geld direkt in das Gegenteil der aufgegebenen Technologie. Rund 780 Millionen Euro fließen in einen Anteil von 16 Prozent an einem Flüssiggasprojekt in Louisiana, weitere 260 Millionen Euro sichern Turbinen für neue Gaskraftwerke. Insgesamt will der Konzern über sechs Jahre etwa 17 Milliarden Euro in den USA investieren und seine dortige Kapazität von 13 auf 22 Gigawatt ausbauen. In Deutschland schob RWE zugleich das Klimaziel nach hinten.

Dass eine Regierung dafür bezahlt, dass Windräder nicht gebaut werden, hätte vor zwei Jahren niemand geglaubt. RWE macht daraus ein Geschäft und zeigt europäischen Versorgern, wie schnell eine politische Großwetterlage eine ganze Investitionsstrategie kippt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
RWE und der US-Offshore-Rückzug in Zahlen
Was der Konzern zurückgibt und wohin das Kapital fließt
1,06 Mrd. €
Entschädigung vom US-Innenministerium für die Rückgabe der Leases
3
Pachtgebiete zurückgegeben: New York, Kalifornien, Louisiana
5.
Rückkauf-Deal des Ministeriums, zusammen über 3,4 Mrd. €

Raus aus Wind

  • über 870 Mio. € bereits in Pacht und Entwicklung investiert
  • Projekt Canopy vor Kalifornien: 1,6 Gigawatt schwimmende Windkraft, jetzt gestrichen

Rein in Gas

  • rund 780 Mio. € für 16 Prozent an einem Louisiana-Flüssiggasprojekt
  • rund 260 Mio. € für Turbinen neuer Gaskraftwerke
  • US-Ausbau von 13 auf 22 Gigawatt bis 2031, etwa 17 Mrd. € geplant

Was heißt der Rückzug für Europas Energiewende?

Für deutsche Planer ist der Vorgang ein Warnsignal. Deutschland hält im Windenergie-auf-See-Gesetz an 30 Gigawatt Offshore-Leistung bis 2030 und 70 Gigawatt bis 2045 fest, doch schon die Offshore-Auktion 2026 fiel mangels Geboten aus. Versorger wie EnBW fordern längst, die Ziele auf 55 Gigawatt zu senken.

Der Fall RWE zeigt, wie stark der Offshore-Wind von stabiler Förderung abhängt. Zieht ein Staat die Zusagen zurück, wird aus dem Vorzeigeprojekt schnell eine Belastung in der Bilanz. Immerhin liefern Wind und Solar in Deutschland inzwischen mehr Strom als die fossilen Kraftwerke, ein Rückschritt wie in den USA wäre hier teuer erkauft.

Europäische Entscheider sollten Projekte mit langer Genehmigungsdauer daher gegen politische Kehrtwenden absichern und ihre Standorte breiter streuen. Warum Offshore-Ausfälle sofort auf den Strompreis durchschlagen, erklärt der Ratgeber zum deutschen Stromnetz.

Quelle

[1] RWE: „RWE U.S. Offshore reaches settlement agreement with U.S. Department of Interior on offshore wind leases“

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