Die deutsche Offshore-Windenergie steckt fest. Zum ersten Mal setzt die Bundesregierung eine geplante Ausschreibung für Nordsee-Flächen komplett aus und verschiebt sie auf 2027.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Beim Ausbau der Offshore-Windenergie klafft 2026 eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Im August 2025 ging für zwei große Nordsee-Flächen kein einziges Gebot ein, ein Novum in Deutschland. Die Politik zieht jetzt die Reißleine.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Bundeskabinett beschloss am 28. Januar 2026, die für 2026 geplanten Offshore-Wind-Ausschreibungen auszusetzen und auf 2027 zu verschieben.
  • Betroffen sind die Nordsee-Flächen N-10.1 und N-10.2 mit zusammen 2,5 Gigawatt, für die im August 2025 kein Bieter ein Gebot abgab.
  • Ende 2025 waren rund 9,75 Gigawatt Offshore-Leistung am Netz, im Jahresverlauf kamen nur 518 Megawatt neu hinzu.
  • Das gesetzliche Ziel von 30 Gigawatt bis 2030 rückt damit in weite Ferne.

Warum gab niemand ein Gebot ab?

Ein Auktionshammer aus Holz mit einem Anhänger mit der Aufschrift „Keine Gebote“
Auktionsdesign für Windkraft überholt: Gestiegene Kosten bei hohen Staatsabgaben führen zu fehlenden Geboten bei Flächenversteigerung August 2025

Das bisherige Auktionsdesign trägt unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr. Gestiegene Kosten für Turbinen und Netzanbindung treffen auf ein Modell, das hohe Zahlungen an den Staat verlangt. Bei der Versteigerung der Flächen N-10.1 und N-10.2 zum 1. August 2025 blieb deshalb jedes Gebot aus.

Ohne die Verschiebung hätte die Bundesnetzagentur die Verfahren erneut starten müssen. Mit der Änderung des Flächenentwicklungsplans vom 30. Januar 2026 wandern die Flächen nun ins Auktionsjahr 2027. Branchenverbände begrüßen den Schritt, weil eine Wiederholung unter alten Vorzeichen wenig Aussicht auf Erfolg gehabt hätte.

Was bedeutet das für das 30-Gigawatt-Ziel?

Oranger Helm mit Aufschrift „OFFSHORE-AUKTION 2026“ neben Gabelstapler mit „AUSFALL“-Paket
Offshore-Windpark wächst 2025 um nur 518 Megawatt auf 9,75 Gigawatt. Bis 2030 ist eine Verdreifachung auf 30 Gigawatt nötig

Die Bilanz für 2025 fällt mager aus. Mit 518 Megawatt neu angeschlossener Leistung wuchs der Offshore-Park auf rund 9,75 Gigawatt. Bis 2030 müssten daraus 30 Gigawatt werden, also mehr als eine Verdreifachung in fünf Jahren. Während die Photovoltaik im ersten Quartal 2026 Rekorde meldet, bleibt der Wind auf See zurück.

Den nötigen Sprung soll künftig ein anderes Erlösmodell tragen. Im Gespräch sind zweiseitige Differenzverträge, die Betreibern stabile Preise sichern. Als frühester Termin für die nachgeholten Auktionen gilt Mitte 2027.

Eine leere Auktion ist ein Alarmsignal, kein Betriebsunfall. Solange das Erlösmodell nicht zu den realen Baukosten passt, hilft auch die schönste Zielmarke nicht weiter.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Projektierer, die auf günstigen Offshore-Strom aus neuen Flächen kalkulieren, setzen das Lieferdatum besser auf 2027 oder später an. Bei der Vertragsgestaltung lohnt der Blick auf die neuen Differenzvertrags-Modelle, sobald deren Eckpunkte feststehen.

Mehr Newshunger?

4,3 13 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?