Bilibili, Chinas Antwort auf YouTube, hat seine internationale App weltweit neu gestartet und dabei die Passpflicht fallen lassen, die ausländische Nutzer bisher aussperrte.[1] Für 376 Millionen überwiegend chinesische Mitglieder ist die Videoplattform längst Alltag, der Rest der Welt kam bislang kaum hinein.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Neustart ist Bilibilis entschlossenster Griff nach einem globalen Publikum. Doch ausgerechnet das eine Argument, das westliche Videomacher zum Wechsel bewegen würde, fehlt noch: eine verlässliche Bezahlung für ihre Arbeit.
Das Wichtigste in Kürze
- Bilibili hat seine zuvor eingestellte internationale App wieder weltweit ausgerollt und die Ausweisprüfung für ausländische Nutzer gestrichen.
- Eine englischsprachige Website ist angekündigt, die iOS-App und ein Bezahlmodell für Kreatoren fehlen noch.
- Community-Manager sucht der Konzern in Los Angeles, London, Mexiko-Stadt, São Paulo, Istanbul und Tokio, die KI-gestützte Moderation entsteht in Singapur.
- Mit 376 Millionen Nutzern bleibt Bilibili im Kern eine chinesische Plattform, global steht YouTube mit über 2,7 Milliarden Nutzern davor.
Was ändert sich beim globalen Neustart?

Bilibili öffnet die Tür, die es selbst zugehalten hatte. Bisher verlangte die internationale App eine Identitätsprüfung, die praktisch nur mit chinesischen Ausweispapieren zu bestehen war. Diese Hürde entfällt, die Android-App läuft nun weltweit ohne Anmeldeschranke. Eine englischsprachige Website ist angekündigt, dazu neues Personal in Japan, den USA und Europa.[1]
Bilibili verdient anders als YouTube. Das Geld kommt aus Mobile Games, einer Bezahlmitgliedschaft und virtuellen Trinkgeldern des Publikums, kaum aus geteilten Werbeerlösen für die Kreatoren. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Werbeumsatz zwar um 30 Prozent auf umgerechnet rund 330 Millionen Euro, unterm Strich blieben aber nur etwa 26 Millionen Euro Gewinn.[2] Genau dieses Modell erklärt die Lücke: Für den Weltmarkt fehlt das Werkzeug, mit dem YouTube seine Stars hält, ein verlässliches Honorar pro Video. (Yuan-Beträge zum Kurs von 0,127 Euro je Yuan, Stand 26. August 2026.)
Reiht sich Bilibili in Chinas Plattform-Export ein?
Bilibili folgt einem Muster, das TikTok zur Blaupause gemacht hat. Eine chinesische App erobert erst den Heimatmarkt und sucht dann das Auslandspublikum, oft mit einer eigenen, vom Mutterdienst getrennten Version. Bei Bilibili scheiterte ein erster Anlauf bereits, nun folgt der zweite.
Bilibili steht damit nicht allein. Der Modehändler Shein bereitet in Europa seinen Börsengang vor, Chinas Studios verkaufen weltweit ihre am Fließband produzierten Kurzdramen. Überall warten dieselben etablierten Anbieter. Für Videomacher entscheidet am Ende, wo sich Reichweite in Einnahmen verwandelt, wie der ehrliche Fahrplan zum Instagram-Influencer zeigt.
Bilibili öffnet die Tür zur Welt, lässt die Kasse für Kreatoren aber noch geschlossen. Ohne verlässliches Honorar bleibt der Umzug für westliche Videomacher ein Hobby, kein Geschäft.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Abstand zum Weltmarktführer
Was heißt der Vorstoß für Europa?
Für europäische Nutzer und Behörden kommt eine weitere große Plattform mit chinesischem Mutterkonzern ins Spiel. Ab 45 Millionen monatlichen Nutzern in der EU gälte Bilibili als sehr große Plattform unter dem Digital Services Act, mit Pflichten zu Moderation, Meldewegen und Transparenz. Dass der Konzern seine Inhaltsmoderation KI-gestützt in Singapur aufbaut, ändert daran nichts, denn maßgeblich ist der Sitz der Nutzer, nicht der Sitz der Technik.
Für den Datenschutz stellt sich dieselbe Frage wie bei TikToks Millionenvergleich um Kinderdaten oder bei Sheins Vorstoß nach Europa: Wohin fließen die Daten und nach welchem Recht werden sie verarbeitet. Marketing- und Content-Verantwortliche sollten den Kanal beobachten, vor einem eigenen Auftritt aber drei Punkte klären: die Bezahlbedingungen für Kreatoren, den Datenstandort und den DSA-Status der Plattform.
FAQ: Bilibili und der globale Neustart
Was ist Bilibili?
Bilibili ist eine chinesische Video- und Community-Plattform, oft als Chinas Pendant zu YouTube beschrieben. Sie lebt von langen, häufig werbefreien Videos zu Anime, Gaming und Wissensthemen und zählte im ersten Quartal 2026 rund 376 Millionen monatliche Nutzer, fast ausschließlich in China.
Ist Bilibili außerhalb Chinas nutzbar?
Ja. Bilibili hat seine internationale App weltweit neu gestartet und die frühere Pflicht zur Ausweisverifizierung gestrichen, die ausländische Nutzer aussperrte. Die Android-Version ist global verfügbar, eine iOS-App und eine englischsprachige Website sind angekündigt, aber noch nicht fertig.
Kann man auf Bilibili als Kreator Geld verdienen?
International bislang kaum. Ein Modell mit Werbebeteiligung, virtuellen Geschenken und einem Kreatoren-Marktplatz ist angekündigt, aber noch nicht ausgestaltet. Anders als YouTube teilt Bilibili seine Werbeerlöse bisher kaum mit den Videomachern.
Ist Bilibili in Deutschland verfügbar?
Die global ausgerollte Android-App lässt sich auch aus Deutschland ohne chinesische Ausweisprüfung nutzen. Eine offizielle deutschsprachige Fassung gibt es nicht. Mit wachsender Nutzerzahl greifen EU-Regeln wie der Digital Services Act und die Datenschutz-Grundverordnung.
Quellen
[1] Bilibili: die internationale App (bilibili.tv)
[2] Bilibili Inc.: „Bilibili Inc. Announces First Quarter 2026 Financial Results“
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