Solarmodule reinigen bringt messbar mehr Ertrag, allerdings deutlich weniger, als die Anbieter von Reinigungsdiensten nahelegen. Der Entwickler James Stanley hat an seiner eigenen Anlage einen sauberen Versuch aufgesetzt und kommt auf 2 bis 5 Prozent zusätzliche Leistung. Interessanter als die Zahl ist allerdings die Methode dahinter.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEine Anlage, zwei Bänke, eine Kontrollgruppe

Die Anlage besteht aus 16 Modulen, verschaltet als zwei Bänke zu je acht. Der Wechselrichter meldet die Leistung beider Bänke getrennt, und daraus ergibt sich ein selten gutes Versuchsdesign für den Hausgebrauch.
Gereinigt wurde nur eine Bank, ausgewertet wurde anschließend nicht die absolute Leistung, sondern das Verhältnis beider Bänke zueinander. Damit fallen wechselnde Bewölkung und wandernder Sonnenstand aus der Rechnung heraus. Der Versuchsbericht weist die verbleibende Unsicherheit offen aus, weil beide Bänke räumlich getrennt liegen.
Der Ertrag schmilzt über die Jahre
Umgerechnet auf ein Jahr landet der Zugewinn bei rund 60 bis 150 Pfund, also grob 70 bis 175 Euro. Diese Rechnung gilt allerdings nur einmal, denn der Effekt fällt über einige Jahre wieder auf null, sobald sich die alte Verschmutzung erneut aufbaut.
Damit steht der Aufwand knapp auf der Kippe. Eine Reinigung durch einen Dienstleister kostet in Deutschland je nach Anlagengröße einen dreistelligen Betrag, was bei Aufdachanlagen im Flachwinkel oder unter Bäumen eher aufgeht als bei steilen, gut regenumspülten Dächern.
Die größere Frage steckt im Alter der Anlage
Der Autor rechnet im gleichen Zug weiter. Seine rund 15 Jahre alte Anlage liefert 3,7 Kilowatt Spitzenleistung aus 16 Modulen, moderne Module brächten etwa 60 Prozent mehr bei rund 5.000 Pfund Investition. Rein rechnerisch amortisiert sich der Tausch in etwa drei Jahren.
Gegen diesen scheinbaren Selbstläufer steht die alte Einspeisevergütung, die an die bestehende Anlage gebunden bleibt. Ein solcher Bestandsschutz kippt viele Modernisierungsrechnungen, und exakt diese Prüfung fehlt in fast jedem Angebot.
Zwei bis fünf Prozent klingen nach Rundungsfehler, sind aber eine belastbare Messung mit echter Kontrollgruppe. Genau das trennt diesen Versuch von den Prozentversprechen der Reinigungsbranche, die ihre Vergleichsbasis nie offenlegt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
So prüfen Sie die eigene Anlage
Sehen Sie zuerst in die Betriebsdaten Ihres Wechselrichters und vergleichen Sie den aktuellen Sommerertrag mit dem der Vorjahre. Bleibt die Kurve stabil, spart die Reinigung nichts. Wie sich kleine Anlagen im städtischen Umfeld sonst optimieren lassen, zeigt unser Ratgeber zu Balkonkraftwerken, und welche Rohstoffe hinter der Modulproduktion stehen, ordnet der Wegweiser durch die Rohstoffklassen ein.
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