Veraltete Kernsysteme bringen in großen Unternehmen reihenweise KI-Projekte zu Fall: 84 Prozent von 945 befragten IT-Chefs stoppten laut einer Studie von GFT Technologies schon mindestens ein KI-Vorhaben wegen ihrer Altsysteme. Der Stuttgarter IT-Dienstleister verdient selbst an der Modernisierung solcher Systeme, seine Zahlen decken sich aber mit einer Gartner-Prognose aus dem Jahr 2025.

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Die neue KI-Studie von GFT Technologies benennt den häufigsten Grund für abgebrochene KI-Projekte in Konzernen: die IT von gestern. Das Marktforschungsunternehmen Wakefield Research befragte dafür vom 11. bis 31. August 2026 insgesamt 945 CIOs und CTOs in 19 Ländern, alle aus Unternehmen mit mindestens rund 435 Millionen Euro Jahresumsatz.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • 84 Prozent der befragten IT-Chefs stoppten mindestens ein KI-Projekt wegen Einschränkungen ihrer Altsysteme.
  • 93 Prozent fürchten, dass nicht modernisierte Systeme eine unternehmensweite Sicherheitskrise auslösen.
  • Nur 20 Prozent meinen, dass Vorstand und Aufsichtsrat die Sicherheitsrisiken vollständig verstehen.
  • Banken und Versicherer in der EU müssen ihre Altsysteme nach DORA ohnehin jährlich auf Risiken prüfen.

Was hat GFT herausgefunden?

Floppy-Disk mit USB-C-Stecker und Zettel
84% der Befragten mussten KI-Projekte abbrechen wegen Altsystem-Einschränkungen. 93% rechnen mit Sicherheitskrisen durch fehlende Modernisierung

84 Prozent der Befragten gaben an, dass Einschränkungen ihrer Altsysteme ihr Unternehmen zum Abbruch eines KI-Pilotprojekts oder KI-Projekts zwangen. 93 Prozent erwarten, dass fehlende Modernisierung am Ende eine unternehmensweite Sicherheitskrise auslöst.[1]

Beim Nutzen bleiben die IT-Chefs skeptisch: 89 Prozent befürchten, dass die weltweiten KI-Investitionen schneller wachsen als der geschäftliche Ertrag. 42 Prozent tendieren dazu, KI-Infrastruktur selbst aufzubauen, statt sie bei externen Anbietern einzukaufen.[1]

Auch die eigene Karriere spielt mit. 89 Prozent fürchten, dass eine falsche Personalentscheidung beim Ausbau von KI ihren Arbeitsplatz kostet. GFT-Chef Marco Santos sagt: „Der Druck, mit KI schnell Ergebnisse zu liefern, ist real.“ Ein Tempo über den Möglichkeiten der eigenen Infrastruktur verlagere die Risiken laut Santos lediglich nach hinten.[1]

Warum scheitern KI-Projekte an Altsystemen?

KI-Anwendungen brauchen aktuelle Daten über Schnittstellen, oft in Echtzeit. Viele Kernsysteme in Banken, Versicherungen und Industrie verarbeiten ihre Daten dagegen in nächtlichen Stapelläufen, halten sie in getrennten Silos und bieten keine sauberen Programmierschnittstellen.

Gartner nannte diese Integrationsprobleme schon im Juni 2025 als einen Grund für die Prognose, dass bis Ende 2027 mehr als 40 Prozent aller Projekte mit agentischer KI eingestellt werden. KI-Agenten in Altsysteme einzubinden, sei technisch komplex, störe Arbeitsabläufe und erfordere teure Anpassungen.[2]

Die Sicherheitsfrage folgt aus demselben Mechanismus. Ein KI-Agent mit Zugriff auf ein Kernsystem braucht Berechtigungen. Ältere Systeme kennen oft nur grobe Rollen statt fein abgestufter Rechte, und jede nachträglich gebaute Schnittstelle vergrößert die Angriffsfläche.

KI-Projekte gegen Altsysteme: die Kernzahlen
Was 945 IT-Chefs großer Unternehmen im August 2026 über ihre Infrastruktur sagten
945
befragte CIOs und CTOs in 19 Ländern, Fehlermarge 3,2 Prozentpunkte
> 40 %
der Projekte mit agentischer KI werden laut Gartner-Prognose bis Ende 2027 eingestellt
1 × jährlich
prüfen Finanzunternehmen nach DORA ihre Alt-IKT-Systeme, zusätzlich bei jeder neuen Anbindung

Anteil der Befragten, die zustimmen

Altsysteme erzwangen den Abbruch eines KI-Projekts84 %
Fehlende Modernisierung löst eine Sicherheitskrise aus93 %
KI-Investitionen wachsen schneller als der Ertrag89 %
KI-Infrastruktur lieber selbst aufbauen42 %
Vorstand und Aufsichtsrat verstehen die Risiken vollständig20 %

Befragt wurden IT-Chefs von Unternehmen mit mindestens rund 435 Millionen Euro Jahresumsatz, vom 11. bis 31. August 2026.

Eine KI arbeitet nur so aktuell wie die Datenbank, aus der sie liest. Konzerne, die ihre Kernsysteme seit Jahrzehnten nur flicken, zahlen jetzt mit gestoppten KI-Projekten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet die Studie für Unternehmen im DACH-Raum?

Für Banken und Versicherer in der EU ist die Prüfung ihrer Altsysteme Pflicht: Der Digital Operational Resilience Act (DORA) verlangt seit dem 17. Januar 2025 mindestens einmal im Jahr eine eigene Risikobewertung aller Alt-IKT-Systeme, zusätzlich vor und nach jeder Anbindung neuer Technologien, Anwendungen oder Systeme.[3]

Ausgenommen sind nur Kleinstunternehmen. Für alle anderen Finanzunternehmen löst eine KI-Anwendung am alten Kernsystem damit eine Pflichtprüfung aus. Die Deutsche Bank modernisiert ihr Kernbankensystem mit GFT als Partner.

Beim Absender der Studie lohnt ein zweiter Blick: GFT verdient an genau dieser Modernisierung. Die KI-Plattform Wynxx des Dienstleisters kam Ende März 2026 auf einen beeinflussten Vertragswert von 104 Millionen Euro. Der Marktforscher Gartner verkauft dagegen keine Modernisierungsprojekte und kam schon 2025 zum selben Befund.

Vor dem nächsten KI-Pilotprojekt lohnen sich zwei Prüfungen:

  • Klären Sie, welche Daten der geplante KI-Einsatz braucht und ob das Quellsystem diese Daten per Schnittstelle aktuell liefert, nicht erst nach dem nächtlichen Lauf.
  • Legen Sie für jeden KI-Agenten fest, welche Rechte er im Altsystem erhält, und protokollieren Sie jeden schreibenden Zugriff.

Quellen

[1] GFT Technologies: „Neue KI-Studie von GFT Technologies: 84 Prozent der CIOs haben bereits ein KI-Projekt aufgrund veralteter Legacy-Systeme gestoppt“

[2] Gartner: „Gartner Predicts Over 40% of Agentic AI Projects Will Be Canceled by End of 2027“

[3] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2022/2554 über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor (DORA), Artikel 8 Absatz 7“

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