Excel speichert im Beta-Kanal erstmals mehrere Werte in einer einzigen Zelle. Microsoft verabschiedet sich damit von einer Regel aus 40 Jahren Excel-Geschichte. Pivot-Tabellen und Power Query lesen die neuen Listen vorerst nicht.

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Für mehrere Werte in einer Excel-Zelle kannten Anwender bisher nur einen Behelf: „Carlos, Henrietta, Jacob“ stand als Textkette in der Zelle und ließ sich nicht nach einzelnen Namen filtern. Microsoft macht daraus nun ein eigenes Format, die Liste.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Listen speichern mehrere Einträge in einer Zelle und lassen sich nach jedem Eintrag filtern.
  • Arrays passen erstmals in eine Zelle und dürfen weitere Arrays enthalten.
  • Verschachtelte Arrays verlangen die Compatibility Version 3, Excel 2024 kennt nur Version 1.
  • Die Vorschau läuft ab Windows-Version 2610 und Mac-Version 16.114 im Beta-Kanal.

Was können Listen und Arrays in einer Zelle?

Ein geöffneter Eierkarton mit acht weißen Eiern und drei Wachteleiern. Ein Zettel mit der Aufschrift „Liste“ ist am Karton befestigt
Liste über Einfügen oder Strg + J erstellen. Einträge durch Komma oder Semikolon trennen, im Filter auswählen

Eine Liste entsteht über Einfügen > Liste oder die Tastenkombination Strg + J. Die Einträge trennt je nach Regionaleinstellung ein Komma oder ein Semikolon. Im Filter wählen Sie danach einzelne Einträge aus.[1]

Die Listen gehören zu einem größeren Umbau: Arrays existieren erstmals als Wert in einer Zelle. Bisher verteilten dynamische Arrays ihr Ergebnis über mehrere Zellen, geschweifte Klammern um eine Formel halten den Rückgabewert künftig in einer Zelle zusammen. Arrays dürfen weitere Arrays enthalten. Neu sind die Funktionen FLATTEN, HAS, HASANY und HASALL.[1]

Warum rechnet dieselbe Datei nicht überall gleich?

Für die meisten Berechnungen mit verschachtelten Arrays verlangt Excel die Compatibility Version 3. Die Stufe gilt je Arbeitsmappe und lässt sich unter Formeln > Berechnungsoptionen einstellen. Microsoft warnt selbst, dass einige bestehende Formeln unter Version 3 andere Ergebnisse liefern.[1]

Das Prinzip kennt Excel seit Version 2, in der LÄNGE viele Emojis als ein Zeichen statt als zwei zählt. Excel 2024 kommt über Version 1 nicht hinaus, und in den Update-Kanälen für Unternehmen startet jede neue Arbeitsmappe mit Version 1.[2] Eine Datei aus dem Beta-Kanal trifft deshalb auf Installationen, die Version 3 nicht kennen.

Mehrere Werte in einer Excel-Zelle
Was die Beta von Microsoft 365 mitbringt und welche Excel-Installationen mitrechnen
40 Jahre
lang nahm jede Excel-Zelle genau einen Wert auf
4 Funktionen
kommen neu hinzu: FLATTEN, HAS, HASANY und HASALL
Version 3
der Kompatibilitätsstufe braucht Excel für die meisten verschachtelten Arrays
Version 1
bleibt die höchste Stufe in Excel 2024 und älteren Kaufversionen

Mit dieser Stufe legt Excel neue Arbeitsmappen an

Beta und Preview
Version 2, Version 3 folgt mit den Arrays in Zellen
Current Channel
Version 2, Standard seit April 2026
Monthly Enterprise
Version 1, Version 2 lässt sich von Hand wählen
Semi-Annual Enterprise
Version 1, Version 2 lässt sich von Hand wählen

Ab diesen Builds läuft die Vorschau

Windows
Version 2610, Build 20520.20000 oder neuer, im Beta-Kanal
Mac
Version 16.114, Build 26092111 oder neuer, im Beta-Kanal

Wo stoßen Listen in Zellen an Grenzen?

Die Beta hat bekannte Lücken: Pivot-Tabellen lesen Arrays nicht als Quelldaten, Power Query lädt keine Spalten mit Arrays.[1]

Datenbanken und ERP-Systeme folgen einem anderen Grundsatz: ein Wert pro Feld, in der Datenbanklehre die erste Normalform. Beim Export in solche Systeme muss eine Excel-Liste mit drei Projektverantwortlichen deshalb wieder in drei Datensätze zerfallen.

Wie fehleranfällig die automatische Deutung von Zellinhalten ist, zeigt die Genforschung: Bei Standardeinstellungen wandelt Excel Gen-Namen in Datumsangaben um. Mark Ziemann und Kollegen fanden 2016 solche Fehler in rund einem Fünftel der untersuchten Fachaufsätze mit Excel-Genlisten im Anhang.[3] Mit Listen entscheidet Excel zusätzlich, wo ein Eintrag endet.

Listen in Excel-Zellen lösen ein Problem, das Controller seit Jahren mit Kommas und Hilfsspalten umschiffen. In Power Query und in Pivot-Tabellen beginnt die alte Handarbeit trotzdem von vorn.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was sollten IT-Leiter und Controller jetzt klären?

Microsoft rät vom Einsatz in wichtigen Arbeitsmappen ab, solange die Vorschau läuft.[1] Für einen ersten Test genügt die Kopie einer echten Tabelle, etwa aus der Liquiditätsplanung. Vor den breiten Einsatz gehören diese Punkte:

  • Halten Sie fest, welche Rechner Excel 2024 oder einen Update-Kanal für Unternehmen nutzen.
  • Klären Sie, ob geteilte Arbeitsmappen Listen enthalten dürfen, solange Empfänger mit Version 1 rechnen.
  • Prüfen Sie Abläufe, die Excel-Daten an Power Query oder ein ERP-System weiterreichen.
  • Testen Sie Listen mit Dezimalzahlen, denn in deutschen Installationen steht das Komma für Nachkommastellen.

Ob LibreOffice oder Euro-Office die neuen Zellen darstellen können, lässt Microsofts Ankündigung offen. Tabellen für Kunden und Partner sollten deshalb vorerst bei einem Wert pro Zelle bleiben.

Quellen

[1] Microsoft 365 Insider Blog: „Put multiple values in one cell with lists and arrays in Excel“, Jake Armstrong, 24. September 2026

[2] Microsoft Support: „Compatibility Versions“

[3] Genome Biology: „Gene name errors are widespread in the scientific literature“, Mark Ziemann, Yotam Eren, Assam El-Osta, 23. August 2016

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