Während die Konkurrenz generative KI in jede Tabellenkalkulation drückt, meldet LibreOffice 26.8 mit 1.031.162 Downloads in sieben Tagen den größten Erstwochen-Ansturm seiner Geschichte. Die Document Foundation erklärt das Fehlen von KI kurzerhand zum Feature. Der eigentliche Hebel dahinter ist kein Technikverzicht, sondern ein Datenschutz-Versprechen, das eine Prüfung übersteht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenLibreOffice erscheint in Version 26.8 ohne eine einzige generative KI-Funktion, und genau diesen Verzicht rückt die Document Foundation ins Zentrum ihrer Kommunikation. Kein Bestandteil der Suite spricht mit einem entfernten Server oder braucht eine Internetverbindung. Für Entscheider in regulierten Branchen wird dieser Verzicht schnell zur Compliance-Frage.
Das Wichtigste in Kürze
- LibreOffice 26.8 erschien am 26. August 2026 und kam in der ersten Woche auf 1.031.162 Downloads, den höchsten Erstwochen-Wert aller Versionen.
- Die Document Foundation nennt sechs Bedingungen für ein eingebautes KI-Feature. Kein aktuelles Angebot erfüllt alle.
- Der Kern ist Local-first: Die Daten verlassen den Rechner nicht, damit Datenschutz in einer Prüfung beweisbar bleibt.
- In Schleswig-Holstein laufen Stand Ende 2025 rund 80 % der Arbeitsplätze auf LibreOffice, bei über 15 Mio. € gesparten Lizenzkosten.
Warum feiert die Document Foundation das Fehlen von KI?

Am 3. September 2026 folgte auf den Downloadrekord ein Blogbeitrag mit dem Titel „Yes, no AI is now a feature“.[2] Die Stoßrichtung ist ungewöhnlich: Statt einen KI-Assistenten nachzurüsten, macht die Stiftung dessen Abwesenheit zum Verkaufsargument.
Dahinter steht kein pauschales Nein, sondern ein Bedingungskatalog. Sechs Kriterien muss ein eingebautes KI-Feature erfüllen: nutzergesteuerte Ausführung, keine Inhaltsübertragung ohne Freigabe, keine Telemetrie, keine Bindung an einen einzelnen Anbieter, eine Ausgabe im offenen ODF-Format und die vollständige Abschaltbarkeit.[2] Kein aktuelles Angebot am Markt erfüllt alle sechs.
Der Grund ist juristisch, nicht ideologisch. Kanzleien und Arztpraxen müssen belegen können, wohin Mandanten- und Patientendaten fließen. Das einzige Versprechen, das eine Prüfung übersteht, lautet: Die Daten verlassen die Maschine nie.
Bricht der Rekord wirklich wegen des KI-Verzichts?
Der Zusammenhang ist verlockend, aber unbewiesen. Die Downloadzahlen von LibreOffice steigen seit Jahren, jeder neue Rekord fällt also in einen ohnehin steigenden Trend. Die 1.031.162 Downloads zählt die Document Foundation zudem nur auf der eigenen Seite; Aktualisierungen über Linux-Paketquellen tauchen darin nicht auf.[1]
Mehrere Kräfte wirken parallel. Der Linux-Desktop wächst, und einzelne Verwaltungen tauschen Windows komplett gegen Linux. Teurer werdende Microsoft-365-Abos verstärken den Frust. Nach Alternativen jenseits amerikanischer Anbieter suchen ohnehin immer mehr Organisationen. Den KI-Verzicht als alleinige Ursache zu verkaufen, wäre unredlich. Als Positionierung trifft er trotzdem einen Nerv.
Kein Häkchen bei KI ist die ehrlichste Produktzusage, die ein Office-Anbieter 2026 geben kann. Bleiben die Daten lokal, ersetzt ein technischer Beweis das Vertrauen in eine fremde Cloud.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Entscheider im DACH-Raum?
Der Fall reicht über ein einzelnes Open-Source-Projekt hinaus. Schleswig-Holstein hat bis Ende 2025 rund 80 % seiner Arbeitsplätze außerhalb der Steuerverwaltung auf LibreOffice umgestellt und Microsoft Office vielerorts deinstalliert.[3] Das Land beziffert die gesparten Lizenzkosten auf über 15 Mio. €, denen rund 9 Mio. € Einmalinvestition für 2026 gegenüberstehen.[3]
Für die eigene Tool-Auswahl lohnt sich eine nüchterne Prüfung des Datenwegs. „KI eingebaut“ ist kein Qualitätssiegel. Läuft die Funktion lokal, und lässt sie sich vollständig abschalten? Wohin die erzeugten Inhalte fließen, gehört in jedes Lastenheft. Unter DSGVO und EU AI Act bleibt die Verantwortung dafür beim Betreiber, nicht beim Anbieter.
Für die nächste Software-Entscheidung gilt eine einfache Reihenfolge: erst den Datenweg klären, dann die KI-Funktion bewerten. Betriebe mit Vertraulichkeitspflichten gewinnen mit lokaler Verarbeitung mehr als mit dem nächsten Assistenten. LibreOffice 26.8 liefert dafür eine unbequeme, aber saubere Blaupause.
FAQ: LibreOffice ohne KI
Enthält LibreOffice 26.8 wirklich keine KI?
LibreOffice 26.8 bringt keine eingebaute generative KI mit. Kein Bestandteil sendet Inhalte an einen entfernten Dienst, und keine Funktion setzt eine Internetverbindung voraus. KI lässt sich nur über freiwillige Erweiterungen von Drittanbietern nachrüsten.
Warum lehnt die Document Foundation eingebaute KI ab?
Die Stiftung lehnt KI nicht grundsätzlich ab, sondern nennt sechs Bedingungen: lokale Ausführung, keine Inhaltsübertragung ohne Freigabe, keine Telemetrie, keine Anbieterbindung, ODF-Ausgabe und volle Abschaltbarkeit. Kein heutiges Angebot erfüllt alle sechs.
Ist LibreOffice mit Microsoft-Office-Dateien kompatibel?
LibreOffice öffnet und speichert Word-, Excel- und PowerPoint-Formate, arbeitet standardmäßig aber im offenen ODF-Format. Bei komplexen Layouts oder Makros aus Microsoft Office sind Abweichungen möglich, weshalb Behörden solche Fälle gesondert prüfen.
Was ist neu im LibreOffice-26.8-Update?
Wichtigste Neuerung ist der Paragraph Composer, ein Algorithmus, der die Wortabstände über mehrere Zeilen hinweg statt Zeile für Zeile berechnet und so den Textsatz verbessert. Dazu kommen Detailverbesserungen in Writer, Calc und Impress.
Quellen
[1] The Document Foundation: „One week of LibreOffice 26.8 – The stats!“
[2] The Document Foundation: „Yes, no AI is now a feature“
[3] Land Schleswig-Holstein: „LibreOffice ersetzt Microsoft: Schon fast 80 Prozent der Arbeitsplätze umgestellt“
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