Huawei stellt mit HarmonyOS 7 sein Smartphone-Betriebssystem auf KI-Agenten um und rückt zugleich weiter von Android ab. Der Assistent Celia steuert jetzt systemweit mehrschrittige Aufgaben. Das erste Gerät ist das dreifach faltbare Mate XT 2 ab rund 2.400 Euro. Für Entscheider im DACH-Raum zählt weniger das Falt-Display als die Frage, wie unabhängig ein kompletter Technikstapel von US-Software werden kann.

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HarmonyOS 7 ist mehr als ein Software-Update, weil Huawei das Betriebssystem selbst zur Schaltzentrale für KI-Agenten macht. Auf der Produktvorstellung am 7. September zeigte der Konzern ein System, das Nutzerabsichten deuten und Aufgaben über Apps hinweg selbst ausführen soll. Hinter dem Agenten-Versprechen steckt eine größere Verschiebung, die den chinesischen Techniksektor seit dem US-Bann von 2019 prägt.

Das Wichtigste in Kürze

  • HarmonyOS 7 positioniert das Betriebssystem als Agenten-Plattform. Der Assistent Celia erfüllt komplexe Aufgaben laut Huawei zu über 90 Prozent eigenständig.
  • Der Stapel löst sich weiter von Android: eigener Kernel, eigener App-Laden, über 400.000 native HarmonyOS-Apps.
  • Weltweit liegt HarmonyOS mit rund 5 Prozent auf Platz drei der Smartphone-Systeme, in China vor iOS.
  • In Europa laufen Huawei-Geräte seit 2019 ohne Google-Dienste, während Deutschland Huawei-Technik aus dem 5G-Netz drängt.

Was steckt in HarmonyOS 7?

Dreiteiliger Aufsteller mit Kompassmotiv, HarmonyOS 7 und Unabhängig-Schild auf Leinengrund
Huaweis HarmonyOS 7 setzt auf den KI-Assistenten Celia, der Absichten erkennt, mehrere Schritte plant und Apps steuert. Das Intelligent Agent Framework 2.0 erfüllt komplexe Anfragen zu über 90 Prozent

Huawei verkauft HarmonyOS 7 nicht als Oberflächen-Politur, sondern als Agenten-System. Der Bordassistent Celia soll Absichten erkennen, mehrere Schritte planen und dabei tiefer in Apps und Dienste eingreifen. Das dazugehörige Intelligent Agent Framework 2.0 erreicht bei komplexen Anfragen nach Herstellerangaben eine Aufgabenerfüllung von über 90 Prozent.[1]

Das erste Gerät mit dem System ist das dreifach faltbare Mate XT 2 mit neuem Kirin-Chip und einer im Display verbauten Sichtschutzschicht. Der Preis beginnt bei 19.999 Yuan, umgerechnet rund 2.400 Euro (Stand 7. September 2026, etwa 0,12 Euro je Yuan), und reicht bis rund 3.600 Euro für die größte Variante.[1]

Warum koppelt Huawei sich von Android ab?

Das Agenten-Versprechen sitzt auf einem eigenständigen Stapel. HarmonyOS trägt inzwischen einen eigenen Kernel, einen eigenen App-Laden und über 400.000 native Apps, ohne den Android-Unterbau der frühen Versionen. Ausgelöst hat den Umbau der US-Bann von 2019, der Huawei den Zugang zu Googles Mobildiensten kappte. Weltweit steht HarmonyOS laut Counterpoint mit rund 5 Prozent auf Platz drei der Smartphone-Systeme, in China vor iOS.[2]

Der Schritt folgt einem klaren Muster. Denselben Weg gehen Chinas Chipentwickler mit eigenen Prozessoren, Modellhäuser wie iFlytek, die neue Modelle ohne Nvidia trainieren, und Huaweis HarmonyOS-Desktop ohne Windows und Intel. Auch NetEase schloss zuletzt eine große App-Lücke auf HarmonyOS. Im Rennen um die Büro-KI tritt Huawei damit gegen Tencents Agenten-Plattform WorkBuddy an.

HarmonyOS 7 in Zahlen
Wie weit Huaweis eigenes Betriebssystem schon reicht
Platz 3
weltweit unter den Smartphone-Systemen, rund 5 % Anteil (Q2 2026)
24 %
Marktanteil in China, vor iOS mit 18 %
400.000+
native HarmonyOS-Apps im eigenen App-Laden
ab 2.400 €
Mate XT 2, das erste HarmonyOS-7-Gerät (19.999 Yuan)
über 90 %
Aufgabenerfüllung des Agenten-Frameworks, nach Herstellerangaben

Ein eigenes Betriebssystem samt App-Laden zeigt, wie weit sich ein Techniksektor von westlicher Software lösen kann. Genau diese Unabhängigkeit sollten europäische Entscheider als Maßstab für ihre eigene Plattformabhängigkeit nehmen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet HarmonyOS 7 für den DACH-Raum?

Für europäische Nutzer ist der Bruch mit Android nicht neu. Huawei-Smartphones laufen hier seit 2019 ohne Google-Dienste und stützen sich auf den eigenen AppGallery-Laden. HarmonyOS 7 verfestigt diese Trennung und macht aus dem Notbehelf ein durchgezogenes System.

Zugleich drängt Deutschland Huawei-Technik aus dem 5G-Netz, kritische Kernkomponenten sollen bis Ende 2026 verschwinden. Ein Betriebssystem, das Absichten quer über Apps liest, wirft dazu Datenschutzfragen auf, die unter der DSGVO zu klären sind. Damit rückt HarmonyOS 7 in dieselbe Debatte wie andere KI-Agenten, die eigenständig handeln. Für Entscheider heißt das vor allem, Geräte ohne Google-Dienste gegen die eigene Sicherheitsrichtlinie zu prüfen und die Frist für den 5G-Umbau bis Ende 2026 einzuplanen.

Quellen

[1] ifanr: „华为鸿蒙 7 发布会最全汇总“ (Bericht zur HarmonyOS-7-Vorstellung)

[2] Counterpoint Research: „Global Smartphone OS Market Share“

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