Ein US-Chipkonzern und Chinas größter Mobilfunkanbieter haben die erste 6G-Funkverbindung im U6G-Band aufgebaut. Qualcomm steuerte das Endgerät bei, China Mobile die Basisstation. Für den nächsten Mobilfunkstandard zählt dabei nicht der Rekord, sondern die Frage, wer seine Regeln schreibt.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Beim Sprung zu 6G gilt das obere 6-Gigahertz-Band als Schlüssel für mehr Kapazität. Genau dort koppelten Qualcomm und China Mobile am 20. September 2026 erstmals eine Basisstation und ein Endgerät verschiedener Hersteller, konform zur jüngsten 3GPP-Definition.[1] China Mobile nennt den Versuch den weltweit ersten seiner Art.

Das Wichtigste in Kürze

  • Qualcomm (Endgerät) und China Mobile (Basisstation) koppelten erstmals zwei Geräte verschiedener Hersteller im U6G-Band von 6425 bis 7125 Megahertz.
  • Die Prüfstrecke bündelte 400 Megahertz im Download und 200 Megahertz im Upload, gestützt auf eine 128-Kanal-Antenne auf der Netzseite.
  • Der Standard 6G entsteht erst: Das 3GPP friert die erste Fassung (Release 21) bis Anfang 2029 ein, Netze starten frühestens um 2030.
  • Für Europa entscheidet sich im selben 6-Gigahertz-Band, ob die Frequenzen an den Mobilfunk oder ans WLAN gehen.

Was hat der U6G-Test wirklich gezeigt?

Zwei Konservendosen sind durch eine Schnur mit einem „6G“-Schild verbunden
Interoperabilität von Basisstationen und Endgeräten unterschiedlicher Hersteller über die 3GPP-Funkschnittstelle wird in Feldtests geprüft

Im Mittelpunkt stand das Zusammenspiel der Geräte. Eine Basisstation des einen und ein Endgerät des anderen Herstellers müssen dieselbe 3GPP-Funkschnittstelle entschlüsseln, sonst bleibt der Standard Theorie. Dass ein Netzbetreiber und ein Chipkonzern diese Kopplung gemeinsam schaffen, prüft die Norm im Feld und nicht nur in der Simulation eines einzelnen Anbieters.

Das gewählte U6G-Band zwischen 6425 und 7125 Megahertz ist der Mittelweg der Mobilfunkphysik. Mit 400 Megahertz Kanalbandbreite liefert es deutlich mehr Datenbreite als das heutige Sub-6-GHz-5G und reicht zugleich weiter als die störanfälligen Millimeterwellen. Die 128-Kanal-Antenne bündelt das Signal gezielt zum Endgerät, damit die Reichweite trotz der hohen Frequenz hält.

Warum arbeitet ein US-Konzern mit China Mobile?

Die Zusammenarbeit fällt in eine Zeit, in der die USA und China ihre Chip- und Netztechnik streng voneinander abschotten. China Mobile blieb 2019 auf Betreiben der Regulierungsbehörde FCC der US-Markt verwehrt, und Chinas Netzkonzerne gelten in Washington weiter als Sicherheitsrisiko: Ein Kongressbericht weist ihnen trotz Lizenzentzug tiefe Spuren im US-Netz nach.

Der Fall zeigt ein Muster. Unter der Entkopplung von Chips und Ausrüstung bleibt der Mobilfunkstandard ein gemeinsames Projekt, weil ein zersplittertes 6G alle Beteiligten teuer zu stehen käme. Qualcomm verdient an fast jedem Smartphone über Patente und Basisband-Chips mit und hat deshalb ein Eigeninteresse an einer weltweit einheitlichen Norm. Für China Mobile, dessen Geschäft mit klassischem Netzbetrieb seit Quartalen stagniert, ist der Vorstoß auch ein Zukunftssignal an Investoren.

Der 6G-Standard entsteht in einem Gremium ohne Grenzen, während Chips und Netztechnik längst nach Nationalität sortiert werden. Diese Lücke sollten europäische Betreiber besetzen, solange sie offen steht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
6G im U6G-Band: der erste Verbindungstest
Was Qualcomm und China Mobile am 20. September 2026 gekoppelt haben
6425–7125
Megahertz: das U6G-Mittelband, in dem der Test lief
400 / 200
Megahertz Kanalbandbreite im Download und Upload
128
Antennenkanäle der Basisstation (Massive MIMO)
2029
Erste 6G-Norm (3GPP Release 21) eingefroren
2030
Frühester Start kommerzieller 6G-Netze

Was heißt das für europäische Netzbetreiber?

Bis Endkunden 6G nutzen, vergehen Jahre. Das 3GPP will die erste 6G-Fassung, Release 21, bis Anfang 2029 einfrieren, die ersten Netze starten frühestens um 2030. Europa sitzt über die Ausrüster Nokia und Ericsson sowie das EU-Forschungsprogramm Hexa-X am selben Tisch, an dem jetzt die Endgeräte-Grundlagen entstehen, und sucht ohnehin nach mehr Eigenständigkeit, bis hin zu einem eigenen Satellitennetz gegen Starlink.

Der Streit ums Spektrum läuft parallel. Dasselbe obere 6-Gigahertz-Band ist in Europa zwischen Mobilfunk und WLAN umkämpft, und die Weltfunkkonferenz 2027 entscheidet über die Aufteilung. Betreiber und Unternehmen mit eigenen Campusnetzen verfolgen die Frequenzvergabe und die 3GPP-Meilensteine besser schon heute, denn die jetzt gesetzte Chip-Basis legt fest, welche Geräte 2030 überhaupt funken.

FAQ: Der 6G-Test von Qualcomm und China Mobile

Was ist das U6G-Band?

Das U6G-Band umfasst die Frequenzen von 6425 bis 7125 Megahertz, das obere 6-Gigahertz-Mittelband. Es gilt als Schlüsselbereich für 6G, weil es mehr Kanalbandbreite bietet als das heutige Sub-6-GHz-5G und zugleich weiter reicht als die Millimeterwellen.

Wann kommt 6G auf den Markt?

6G steckt noch in der Forschung. Das Normungsgremium 3GPP friert die erste 6G-Fassung (Release 21) bis Anfang 2029 ein. Kommerzielle 6G-Netze starten nach heutiger Planung frühestens um das Jahr 2030.

Was bedeutet Interoperabilität bei diesem 6G-Test?

Interoperabilität heißt, dass eine Basisstation und ein Endgerät verschiedener Hersteller dieselbe 3GPP-Funkschnittstelle verstehen und Daten austauschen. Erst dieser herstellerübergreifende Nachweis zeigt, dass der Standard in der Praxis trägt und nicht nur in der Simulation eines einzelnen Anbieters.

Welche Rolle spielt Europa bei 6G?

Europa sitzt über die Ausrüster Nokia und Ericsson sowie über das EU-Forschungsprogramm Hexa-X mit am 3GPP-Tisch. Zugleich steht die Frequenzfrage offen: Im 6-Gigahertz-Band entscheidet sich, ob die Bänder an den Mobilfunk oder ans WLAN gehen.

Quelle

[1] China News Service (中新网): „China Mobile und Qualcomm schließen U6G-6G-Verbindungstest ab“, 20. September 2026.

Mehr Newshunger?

4,4 13 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?