Wi-Fi 8 hebt die Spitzenrate nicht an. Der Standard IEEE 802.11bn zielt stattdessen auf ein Viertel weniger Latenz im 95. Perzentil und ein Viertel weniger verlorene Datenpakete. Im Lager und im Großraumbüro entscheidet genau diese Rechnung über den Nutzen.

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Kanalbreite und Modulation bleiben bei Wi-Fi 8 exakt auf dem Stand von Wi-Fi 7. Neu ist allein die Absprache benachbarter Access Points, die bislang um dieselbe Sendezeit konkurrieren. Genau daran hängt, ob der Handscanner im Regalgang die Verbindung hält.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wi-Fi 8 trägt die Kennung IEEE 802.11bn. Die maximale Übertragungsrate bleibt auf dem Niveau von Wi-Fi 7.
  • Benachbarte Access Points stimmen sich erstmals untereinander ab, statt einzeln um Sendezeit zu konkurrieren.
  • Broadcom, MediaTek und Qualcomm liefern längst Chips nach Entwurfsstand, obwohl die Norm erst 2028 endgültig freigegeben wird.
  • Dem WLAN bleiben in Europa 480 MHz im 6-GHz-Band. Die europäische Frequenzpolitik hat das Oberband dem Mobilfunk zugesprochen.

Was ändert sich gegenüber Wi-Fi 7?

Ein Tachometer bei 50 km/h mit einem Schild „TÜV: Abgelehnt!“
IEEE 802.11bn konzentriert sich auf Ultra High Reliability statt maximale Datenraten in gleicher Funkschicht

Gleiche Funkschicht. Breitere Kanäle und dichtere Modulation stehen in IEEE 802.11bn nicht mehr auf dem Programm. Im Projektnamen steht das neue Ziel: Ultra High Reliability, also die verlässliche Verbindung anstelle der höchsten Laborzahl.[2]

Zeitplan bis 2028. Der Entwurf D2.0 steckt seit Juli 2026 im Letter Ballot der Arbeitsgruppe, die abschließende Freigabe steht für Mai 2028 an.[1] Broadcom stellte die erste Chip-Familie schon im Oktober 2025 vor. MediaTek folgte auf der CES 2026, Qualcomm im März 2026 auf dem Mobile World Congress.

Warum stimmen sich die Access Points untereinander ab?

Koordination statt Konkurrenz. Im heutigen WLAN horcht jeder Access Point für sich in den Funkkanal und sendet, sobald er dort keine fremde Übertragung hört. In dichten Umgebungen schwankt dadurch die Wartezeit auf den Kanal unvorhersehbar. Multi-AP-Koordination erlaubt benachbarten Geräten, Sendeleistung und Strahlformung abzustimmen, statt jede Übertragung einzeln zu erkämpfen.

Simulierte Gewinne. Ein Autorenteam um Francesc Wilhelmi hat die Verfahren im Juni 2026 durchgerechnet. Koordinierte Strahlformung hob den Durchsatz auf 378 Mbit/s, gegenüber 190 bis 230 Mbit/s im heutigen Zugriffsverfahren. Bei koordinierter Wiederverwendung des Funkraums sank die Wartezeit auf den Kanal um bis zu 95 Prozent.[2]

Ein Netz, das im Mittel schnell läuft und im schlechtesten Moment abreißt, kostet mehr Geld als eines mit halber Spitzenrate. Mit Wi-Fi 8 rückt erstmals genau diese Rechnung in den Mittelpunkt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wi-Fi 8 in Zahlen
IEEE 802.11bn, Entwurfsstand August 2026

Die Zielmarken gegenüber Wi-Fi 7

+25 %
Durchsatz, Mindestziel des Amendments
−25 %
Latenz im 95. Perzentil, also im schlechtesten Zwanzigstel
−25 %
verlorene MAC-Pakete gegenüber dem Vorgänger

Frequenzraum und Fahrplan

6-GHz-Band in Europa

  • 480 MHz frei für WLAN, von 5945 bis 6425 MHz
  • 6585 bis 7125 MHz vorrangig für den Mobilfunk empfohlen
  • 160 MHz dazwischen bleiben Schutzabstand bis zur Weltfunkkonferenz 2027

Weg zur fertigen Norm

  • Entwurf D2.0 seit Juli 2026 in der Abstimmung, D3.0 im Januar 2027
  • abschließende Freigabe im Mai 2028 geplant

Wie viel Frequenzraum bleibt in Europa?

480 MHz. Die Bundesnetzagentur gab das Band von 5945 bis 6425 MHz mit der Allgemeinzuteilung Vfg. 76/2025 für WLAN frei und setzte damit den EU-Durchführungsbeschluss 2021/1067 um.[3] In diese 480 MHz passt genau ein 320-MHz-Kanal, daneben bleibt Platz für einen 160-MHz-Kanal.

Oberband an den Mobilfunk. Die Radio Spectrum Policy Group der EU empfahl am 12. November 2025, das Band von 6585 bis 7125 MHz vorrangig dem Mobilfunk zuzuweisen. Die 160 MHz darunter bleiben bis zur Weltfunkkonferenz 2027 Schutzabstand für das bestehende WLAN.[4] Zusätzliche Kanäle bekommt Wi-Fi 8 in Europa damit nicht, der Zugewinn muss aus der Koordination kommen. In den USA stehen dagegen 1200 MHz offen.

Was sollten Sie jetzt einplanen?

Kein Kaufstopp. Auf den fertigen Standard zu warten, lohnt sich nicht, weil bis Mai 2028 mehrere Gerätezyklen vergehen. Wichtiger ist die Firmware-Pflege, denn Netzwerktechnik verliert ihre Patches oft vor dem Gerätetausch, wie das vorgezogene Support-Ende bei Arista zeigt.

Roaming zuerst. Viele Aussetzer im Bestandsnetz stammen nicht aus der Funktechnik, sondern aus abgeschalteten Roaming-Erweiterungen nach 802.11k, 802.11v und 802.11r. Ein sauberer Zellwechsel gelingt auch ohne neuen Standard, wie die Telekom mit dem nahtlosen Wechsel zwischen zwei Flugzeugen vorgeführt hat.

Ausschreibung schärfen. Nehmen Sie Multi-AP-Koordination und eine verbindliche Update-Zusage gerne ausdrücklich in die nächste Ausschreibung auf. Achten Sie zusätzlich auf die Anbieterlage, denn im Unternehmens-WLAN teilen sich wenige Hersteller den Markt, wie der Kartellvergleich zwischen HPE und Juniper gezeigt hat.

Quellen

[1] IEEE 802.11 Task Group bn: „Status of Project IEEE 802.11bn“

[2] Francesc Wilhelmi u. a.: „A Tutorial on IEEE 802.11bn Multi-AP Coordination for Wi-Fi 8“

[3] Bundesnetzagentur: „Allgemeinzuteilung von Frequenzen im Bereich 5945 MHz bis 6425 MHz, Vfg. 76/2025“

[4] Radio Spectrum Policy Group: „Opinion on a long-term vision for the upper 6 GHz band“ (RSPG25-031, 12. November 2025)

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