E.ONs Netztochter Westnetz hat den Smart-Meter-Rollout erstmals über 5G RedCap laufen lassen: einen durchgängigen Test von der Zählerbox bis ins Backend, gefunkt im 700-MHz-Band. Für Netzbetreiber und Stadtwerke entscheidet die Wahl der Funktechnik, ob die Millionen Pflicht-Zähler bis 2032 stabil und bezahlbar ans Netz kommen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen5G RedCap soll die Funklücke schließen, an welcher der deutsche Smart-Meter-Rollout seit Jahren hängt. Telefónica Deutschland, E.ON Grid Solutions, Westnetz und der Gateway-Spezialist Power Plus Communications haben die neue Mobilfunkvariante gemeinsam im Live-Netz erprobt. Die Frage dahinter reicht über einen Techniktest hinaus: Welche Funktechnik trägt die intelligente Messung der nächsten fünfzehn Jahre?
Das Wichtigste in Kürze
- Die vier Partner prüften ein 5G-RedCap-fähiges Smart-Meter-Gateway von PPC im 700-MHz-Netz von Telefónica, von der Zählerbox bis ins Backend des Messstellenbetreibers.
- 5G RedCap ist eine abgespeckte 5G-Variante für das Internet der Dinge: bis zu 75 Mbit/s, geringer Stromverbrauch und günstigere Funkmodule als volles 5G.
- Die Prototypen liefen in der Infrastruktur von Westnetz, dem größten Verteilnetzbetreiber Deutschlands mit rund 175.000 Kilometern Stromnetz.
- Bis 2032 müssen die Netzbetreiber Millionen konventioneller Zähler durch intelligente Messsysteme ersetzen.
Warum hakt der Smart-Meter-Rollout an der Funktechnik?

Smart-Meter-Gateways stecken meist im Keller oder im Zählerschrank, wo Funksignale schwer hinkommen. Das 700-MHz-Band arbeitet mit einer niedrigen Frequenz, großer Reichweite und guter Gebäudedurchdringung, deshalb erprobten die Partner RedCap genau dort.
Bisher laufen die Gateways über LTE. Doch die älteren Mobilfunkgenerationen werden nach und nach abgeschaltet, und ein Gateway bleibt fünfzehn Jahre und länger im Feld. RedCap dient als Brückenstandard von der LTE-Welt in die 5G-Ära, ohne die volle Komplexität und den Stromhunger eines regulären 5G-Moduls.
Was kann 5G RedCap besser als klassisches 5G?
RedCap steht für „Reduced Capability“, also bewusst reduzierte 5G-Technik für das Internet der Dinge. Statt der vollen Bandbreite genügen einige Megabit pro Sekunde, dafür sinken Modulkosten und Energiebedarf deutlich.[1]
Im Test wanderten die Daten vom RedCap-Gateway über das Mobilfunknetz bis in die Systeme des Messstellenbetreibers, also die komplette Kommunikationskette unter realen Bedingungen. So lässt sich eine große Zahl von Zählern stabil anbinden, ohne für jedes Gerät ein teures Vollausstattungs-Modem zu verbauen.
5G RedCap ist kein Tempo-Upgrade, sondern eine Kostenfrage. Erst wenn das Funkmodul im Zähler billig und langlebig genug ist, rechnet sich der Rollout für Netzbetreiber und am Ende für die Stromkunden.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Test für Netzbetreiber im DACH-Raum?
Für Westnetz geht es um Masse. Der E.ON-Netzbetreiber verantwortet ein Stromnetz von rund 175.000 Kilometern und muss bis 2032 Millionen Haushalte auf intelligente Messsysteme umstellen, damit sich steuerbare Verbraucher wie Wärmepumpen und Wallboxen sauber ins Netz einbinden lassen. Diese Skalierung gelingt nur mit einem Funkmodul, das billig und langlebig zugleich ist.
Die Wahl der Funktechnik ist damit eine strategische Weichenstellung, nicht nur für E.ON. Stadtwerke und andere Verteilnetzbetreiber sollten die RedCap-Fähigkeit bei der Gateway-Beschaffung mitdenken und den Weg neben Alternativen wie dem behördeneigenen 450-MHz-Funk prüfen. Ein heute verbautes LTE-Modul zwingt in wenigen Jahren zum nächsten Austausch.
Quelle
[1] Power Plus Communications: „5G RedCap for Smart Meter Rollout: E.ON Grid Solutions, Westnetz, Telefónica Deutschland, and PPC Test New Mobile Communication Technology“ (3. September 2026)
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