Das deutsche Textilgesetz soll bis zum 17. Juni 2027 die erweiterte Herstellerverantwortung für Textilien verbindlich machen, doch der Referentenentwurf lässt auf sich warten. Olaf Dechow von der Otto Group rechnet mit denselben Verzögerungen, die schon die EU-Verpackungsverordnung PPWR geprägt haben. Für jeden Händler, der Kleidung in Deutschland verkauft, verkürzt jeder Monat ohne Gesetz die Vorbereitungszeit.

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Auf den Punkt brachte Dechow das Problem am 9. September auf einer Fachtagung des Vereins VERE in Hamburg. Gemeint ist die sogenannte EPR, die jeden Anbieter von Kleidung in die Finanzierungspflicht für Sammlung und Recycling nimmt. Anbieter, die online oder stationär Textilien verkaufen, sollten die Mechanik verstehen, bevor der Gesetzestext den Takt vorgibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Richtlinie (EU) 2025/1892 verpflichtet Deutschland, bis zum 17. Juni 2027 eine erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien einzuführen.
  • Betroffen ist jeder, der Kleidung, Heim- und Haustextilien erstmals auf den deutschen Markt bringt, ausdrücklich auch Onlinehändler und Anbieter aus Nicht-EU-Staaten.
  • Das Bundesumweltministerium legte im März 2026 ein Eckpunktepapier vor, ein Referentenentwurf fehlt bislang.
  • Olaf Dechow von der Otto Group warnt vor Verzögerungen wie bei der EU-Verpackungsverordnung PPWR.

Was das Textilgesetz von Händlern verlangt

Gefalteter grauer Wollpullover mit Recycling-Etikett und Aufschrift EPR 2027 auf Weiß
Hersteller und Importeure tragen künftig die Kosten für Alttextilentsorgung, nicht mehr Kommunen und Gebührenzahler

Herstellerverantwortung bedeutet: Nicht mehr Kommunen und Gebührenzahler tragen die Kosten der Alttextilentsorgung, sondern die Unternehmen, die die Ware in Verkehr bringen. Die Richtlinie (EU) 2025/1892 verpflichtet jeden Produzenten, Importeur und Händler, sich in ein nationales Herstellerregister einzutragen, einer Herstellerverantwortungsorganisation beizutreten und die Sammlung wie auch das Recycling ausgedienter Textilien zu finanzieren.[1]

Die Höhe der Gebühr richtet sich nach dem Ökodesign des Produkts. Für langlebige, reparierbare und gut recycelbare Kleidung fällt der Beitrag niedriger aus, für kurzlebige Wegwerfmode höher. Das Modell folgt genau der Logik, die deutsche Onlinehändler seit dem Verpackungsgesetz kennen, bei dem Lidl inzwischen für seine Eigenmarken haftet.

Warum die Frist trotz Verzug nicht wackelt

Den Zeitplan bestimmt die EU-Ebene, der deutsche Gesetzgeber setzt ihn nur um. Die Richtlinie trat am 16. Oktober 2025 in Kraft, bis zum 17. Juni 2027 muss Deutschland sie in nationales Recht überführt haben.[2] Diese Frist bleibt bestehen, egal wie lange der Gesetzgeber für seinen Entwurf braucht.

Das Muster ist nicht neu. Frankreich führte bereits 2007 als erster EU-Staat eine Herstellerverantwortung für Textilien ein und zeigt, wie ein funktionierendes Sammel- und Sortiersystem aussieht. Auch die jüngste französische Abgabe gegen Wegwerfmode, die Shein und Temu mit einem Ökomalus belegt, speist sich aus derselben Idee, wonach hohe Abfallmengen die Verursacher stärker belasten.

Das Textilgesetz verschiebt die Entsorgungskosten dorthin, wo die Produktentscheidung fällt. Händler, die erst 2027 anfangen zu rechnen, zahlen den Aufschlag für ihre Verspätung doppelt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was Onlinehändler jetzt vorbereiten sollten

Der fehlende Entwurf ist keine Atempause, sondern Planungsrisiko. Je später das Gesetz kommt, desto kürzer die Frist, in der Händler ihre Sortimente, Lieferantenverträge und Datenprozesse anpassen können. Das Eckpunktepapier des Umweltministeriums peilt eine Sammelquote von 70 % und eine Recyclingquote von 85 % an, der konkrete Referentenentwurf steht weiter aus.

Sinnvoll ist zunächst, das eigene Sortiment nach Materialzusammensetzung zu dokumentieren und die künftigen Herstellerverantwortungsorganisationen zu sondieren. Als Blaupause dienen die Prozesse aus dem Verpackungsregister, die viele Händler ohnehin kennen. Die Otto Group, die ihre Lieferkette bereits weitgehend automatisiert hat, stellt sich früh darauf ein. Kleinere Anbieter, für die sich schon die Verpackungspflichten im Onlineshop als teure Falle erwiesen, sollten nicht auf den Gesetzestext warten, zumal mit steigenden Entsorgungskosten auch die Rechnung für den Zweitmarkt neu ausfällt.

Das Textilgesetz in Zahlen

Was die EU-Herstellerverantwortung für Textilien von Händlern verlangt

17.06.2027
Frist, bis zu der Deutschland die EPR-Pflicht in nationales Recht umsetzen muss
70 %
angepeilte Sammelquote für Alttextilien laut Eckpunktepapier des Umweltministeriums
85 %
angepeilte Quote für Wiederverwendung und Recycling der gesammelten Textilien
Die Pflicht trifft jeden, der Kleidung, Heim- oder Haustextilien erstmals auf den deutschen Markt bringt, ausdrücklich auch Onlinehändler und Anbieter aus Nicht-EU-Staaten. Der deutsche Referentenentwurf lag im September 2026 noch nicht vor.

Quellen

[1] EUR-Lex: Richtlinie (EU) 2025/1892 zur Änderung der Abfallrahmenrichtlinie 2008/98/EG (Herstellerverantwortung für Textilien)

[2] Europäische Kommission: „Revised Waste Framework Directive enters into force“ (16.10.2025)

Was ist die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien?

Die erweiterte Herstellerverantwortung, kurz EPR, verpflichtet Unternehmen, die Textilien in Verkehr bringen, für Sammlung, Sortierung und Recycling ihrer Produkte zu zahlen. Damit wandern die Kosten der Alttextilbewirtschaftung von den Kommunen zu Produzenten, Importeuren und Händlern.

Ab wann gilt das Textilgesetz in Deutschland?

Die Richtlinie (EU) 2025/1892 gibt den 17. Juni 2027 als Frist vor, bis zu der Deutschland die EPR-Pflicht in nationales Recht umsetzen muss. Ein deutscher Referentenentwurf lag im September 2026 noch nicht vor, weshalb der genaue Startzeitpunkt offen ist.

Welche Unternehmen sind vom Textilgesetz betroffen?

Betroffen ist jedes Unternehmen, das Kleidung, Heim- oder Haustextilien erstmals auf den deutschen Markt bringt. Ausdrücklich eingeschlossen sind Onlinehändler und Anbieter aus Nicht-EU-Staaten. Soziale Sammler gebrauchter Textilien sind von den Gebühren ausgenommen.

Was kostet die EPR-Pflicht für Textilien?

Die Höhe der Gebühr richtet sich nach dem Ökodesign: Langlebige, reparierbare und recycelbare Kleidung zahlt weniger, kurzlebige Wegwerfmode mehr. Die konkreten Sätze legt die deutsche Herstellerverantwortungsorganisation zusammen mit dem Gesetz fest.

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