Ab dem 1. Oktober 2026 nimmt Singapur keinen Bauantrag mehr an, der nicht als koordiniertes 3D-Modell vorliegt. Der Münchner Softwarekonzern Nemetschek reagiert nicht mit einem neuen Produkt, sondern bildet vor Ort die Fachkräfte aus, die diese Pflicht erst bedienbar machen. Der Schritt zeigt, wie eine Bauvorschrift zum Markthebel wird.

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Die 3D-BIM-Pflicht in Singapur trifft ab Oktober jeden Neubau, unabhängig von der Größe. Genau in dieses Zeitfenster legt Nemetschek zwei Ausbildungspartnerschaften und sichert sich den Nachwuchs für einen Markt, der über Nacht digital werden muss.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab dem 1. Oktober 2026 verlangt Singapurs Plattform CORENET X für jeden Neubau ein koordiniertes 3D-Modell, die bisherige Flächenschwelle fällt weg.
  • Nemetschek bildet mit zwei Instituten in Singapur BIM-, KI-Compliance- und Digital-Twin-Kompetenzen aus, statt nur Lizenzen zu verkaufen.
  • Deutschland schreibt BIM bislang vor allem im Bundesbau vor, während die kommunale Baugenehmigung meist zweidimensional bleibt.

Was ändert sich am 1. Oktober in Singapur?

Stempel mit Text und Hausmodell auf weißem Grund
CORENET X in Singapur bündelt über 20 Behördengenehmigungen in wenigen Gateways und verarbeitet Bauanträge im IFC-Standard statt PDF zentral

Singapur bündelt mit der Plattform CORENET X über 20 Genehmigungs-Kontaktpunkte zu wenigen Gateways und leitet jeden Bauantrag zeitgleich an Behörden wie die Bauaufsicht BCA, die Stadtplanung URA und die Feuerwehr SCDF.[1] Der entscheidende Bruch steckt im Format: Eingereicht wird kein PDF mehr, sondern ein koordiniertes Gebäudemodell im offenen IFC-Standard, an dem die Ämter Brandschutz, Barrierefreiheit und Planungsrecht direkt am 3D-Datensatz prüfen. Seit Oktober 2025 galt das für Großprojekte ab 30.000 Quadratmetern, ab dem 1. Oktober 2026 fällt die Schwelle komplett.

Warum bildet Nemetschek dafür erst die Fachkräfte aus?

Der eigentliche Engpass einer BIM-Pflicht ist nicht die Software, sondern das Personal, das ein prüffähiges Modell überhaupt aufsetzen kann. Genau dort setzt Nemetschek an und unterzeichnete Absichtserklärungen mit dem Institute of Technical Education und der Singapore Polytechnic, deren dreijährige Vereinbarung seit dem 1. September 2026 läuft.[2] Die Partnerschaften bringen BIM, KI-gestützte Konformitätsprüfung und digitale Zwillinge in Lehrpläne, Praktika und Dozentenschulungen. Für einen Anbieter, der 2025 gut 1,19 Milliarden Euro umsetzte und über 70 Prozent davon wiederkehrend verdient, ist die Ausbildung kein Nebenschauplatz, sondern Kundenbindung an der Wurzel.[3]

Eine 3D-Pflicht entscheidet sich nicht am besten Verkäufer, sondern an den Fachkräften, die ein Land stellt. Nemetschek verkauft in Singapur keine Lizenz, sondern die Sprache, in der dort bald jeder Bauantrag entsteht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet die 3D-BIM-Pflicht für den deutschen Bau?

Deutschland kennt eine BIM-Pflicht, aber an anderer Stelle. Der Masterplan BIM für Bundesbauten zieht die Methode stufenweise bis 2027 für alle öffentlichen Hochbauten ab 500.000 Euro Bauvolumen ein, im Bundesfernstraßenbau gilt sie bereits länger.[4] Der Unterschied zu Singapur liegt im Hebel: Der Bund bindet BIM an die eigene Beschaffung, während die kommunale Baugenehmigung für private Bauherren weiter überwiegend auf zweidimensionalen Plänen beruht. Internationale Planungsbüros und Zulieferer arbeiten damit ab Oktober in zwei Welten. Dass die deutsche Industrie den digitalen Zwilling seit Jahren nur zögerlich einsetzt, erhöht den Druck auf alle, die exportieren.

Singapurs 3D-BIM-Pflicht in Zahlen
Wie eine Bauvorschrift den Markt für Planungssoftware umbaut
1. Okt. 2026
Ab dann braucht jeder Neubau in Singapur ein koordiniertes 3D-Modell, die Flächenschwelle fällt weg
20+
Genehmigungs-Kontaktpunkte bündelt die Plattform CORENET X zu wenigen Gateways
1,19 Mrd. €
Umsatz von Nemetschek 2025, davon über 70 Prozent wiederkehrend

Singapur

3D-BIM-Pflicht direkt im Genehmigungsverfahren, verbindlich für jeden Neubau, ob privat oder öffentlich.

Deutschland

BIM-Pflicht vor allem im Bundesbau, stufenweise bis 2027 ab 500.000 Euro Bauvolumen. Die kommunale Baugenehmigung bleibt meist zweidimensional.

Für deutsche Planungs- und Bauunternehmen mit Auslandsgeschäft heißt das konkret: Prüfen Sie jetzt, ob Ihre Modelle sauber im IFC-Standard exportieren. Schulen Sie Ihr Team an der Konformitätslogik, bevor der erste Antrag in Singapur oder im nächsten Markt mit BIM-Pflicht abgelehnt wird.

Quellen

[1] CORENET X (BCA/URA), Singapur: „What is the implementation timeline for CORENET X?“

[2] Nemetschek Group: „Nemetschek Group signs MOUs with ITE and Singapore Polytechnic“

[3] Nemetschek Group: Geschäftsbericht 2025

[4] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: „Building Information Modeling (BIM) für Bundesbauten“

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