Die US-Regierung könnte bald Anteile an den größten KI-Konzernen halten. Donald Trump und Bernie Sanders ziehen dabei erstaunlicherweise am selben Strang. Hinter dem Schulterschluss steckt ein heikler Rollenwechsel.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEine Staatsbeteiligung an OpenAI, Anthropic und xAI hat Präsident Trump am vergangenen Freitag offen ins Spiel gebracht. Der Staat würde damit vom Schiedsrichter zum Mitspieler. Genau darin liegt das Problem.
Das Wichtigste in Kürze
- Schulterschluss: Trump bringt Beteiligungen an OpenAI, Anthropic und xAI ins Spiel, Sanders fordert von links sogar 50 Prozent.
- Kein Steuergeld: OpenAI soll Anteile spenden statt verkaufen und so einen „Public Wealth Fund“ speisen.
- Kein Einzelfall: Washington hält laut Cato Institute bereits an rund 20 Firmen Anteile, darunter etwa 10 Prozent an Intel.
- Anthropic zögert: Das Unternehmen verhandelt nicht mit, nach einem Zerwürfnis Anfang 2026.
Was an dem Modell wirklich neu ist

Der Clou steckt in der Konstruktion. Nicht der Staat kauft sich ein, sondern OpenAI spendet Anteile, die einen staatlichen Fonds speisen. So fließt kein Steuergeld, und trotzdem hängt die Regierung plötzlich an Bewertungen, die zuletzt alle Rekorde sprengten. Der Preis dieser eleganten Lösung ist eine neue Nähe zwischen Aufsicht und Aktionär.
Damit vereint Washington drei Rollen in einer Hand. Der Staat schreibt die KI-Regeln, ist über Behördenverträge zugleich Großkunde und würde künftig auch als Miteigentümer an Gewinnen verdienen. Eine Aufsicht, die am Erfolg der Beaufsichtigten beteiligt ist, prüft selten unbequem.
Neu ist die Richtung nicht. Mit rund 10 Prozent an Intel, goldenen Aktien bei Chipfirmen und einer 15-Prozent-Abgabe auf Nvidias und AMDs China-Geschäft betreibt die Regierung längst eine Form von Staatskapitalismus. Ausgerechnet jenes Modell, das Washington jahrelang an China und den Golfstaaten kritisierte, hält nun im Silicon Valley Einzug.
Ein Staat, der seine KI-Konzerne reguliert, beliefert und besitzt, kann kaum noch neutral urteilen. Aus dem Schiedsrichter wird ein Spieler mit Trikot.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Warum das Europa unter Druck setzt

Für Europa ist das eine unbequeme Nachricht. Das EU-Beihilferecht untersagt Mitgliedstaaten genau solche Stützungen, also kann Brüssel seine KI-Hoffnungen wie Mistral oder Aleph Alpha nicht im selben Stil absichern. Während die USA ihre Champions unterfüttern, bleibt der europäische Werkzeugkasten klein.
Für deutsche Entscheider verschärft sich damit eine alte Frage. Eine quasi-staatlich gestützte US-KI im Maschinenraum des eigenen Unternehmens bedeutet mehr geopolitische Abhängigkeit. Prüfen Sie deshalb, wo Sie auf europäische oder quelloffene Alternativen ausweichen können, und behandeln Sie die Modellwahl als strategische, nicht nur technische Entscheidung.
Beschlossen ist noch nichts, die Gespräche laufen seit über einem Jahr. Klar ist nur die Richtung: Der Abstand zwischen Staat und KI-Industrie schrumpft, in den USA schneller als irgendwo sonst.
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