Wenn der Staat Aktionär von OpenAI wird

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Wenn der Staat Aktionär von OpenAI wird

Die US-Regierung könnte bald Anteile an den größten KI-Konzernen halten. Donald Trump und Bernie Sanders ziehen dabei erstaunlicherweise am selben Strang. Hinter dem Schulterschluss steckt ein heikler Rollenwechsel.

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Eine Staatsbeteiligung an OpenAI, Anthropic und xAI hat Präsident Trump am vergangenen Freitag offen ins Spiel gebracht. Der Staat würde damit vom Schiedsrichter zum Mitspieler. Genau darin liegt das Problem.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schulterschluss: Trump bringt Beteiligungen an OpenAI, Anthropic und xAI ins Spiel, Sanders fordert von links sogar 50 Prozent.
  • Kein Steuergeld: OpenAI soll Anteile spenden statt verkaufen und so einen „Public Wealth Fund“ speisen.
  • Kein Einzelfall: Washington hält laut Cato Institute bereits an rund 20 Firmen Anteile, darunter etwa 10 Prozent an Intel.
  • Anthropic zögert: Das Unternehmen verhandelt nicht mit, nach einem Zerwürfnis Anfang 2026.

Was an dem Modell wirklich neu ist

Pfeife, Siegelrolle und Anhänger „Miteigentümer“ an orangefarbenem Schlüsselband vor weißem Grund
OpenAI spendet Anteile an staatlichen Fonds statt direkter Staatskauf, wodurch Steuergeld gespart wird, aber die Regierung von Bewertungsgewinnen abhängig wird

Der Clou steckt in der Konstruktion. Nicht der Staat kauft sich ein, sondern OpenAI spendet Anteile, die einen staatlichen Fonds speisen. So fließt kein Steuergeld, und trotzdem hängt die Regierung plötzlich an Bewertungen, die zuletzt alle Rekorde sprengten. Der Preis dieser eleganten Lösung ist eine neue Nähe zwischen Aufsicht und Aktionär.

Damit vereint Washington drei Rollen in einer Hand. Der Staat schreibt die KI-Regeln, ist über Behördenverträge zugleich Großkunde und würde künftig auch als Miteigentümer an Gewinnen verdienen. Eine Aufsicht, die am Erfolg der Beaufsichtigten beteiligt ist, prüft selten unbequem.

Neu ist die Richtung nicht. Mit rund 10 Prozent an Intel, goldenen Aktien bei Chipfirmen und einer 15-Prozent-Abgabe auf Nvidias und AMDs China-Geschäft betreibt die Regierung längst eine Form von Staatskapitalismus. Ausgerechnet jenes Modell, das Washington jahrelang an China und den Golfstaaten kritisierte, hält nun im Silicon Valley Einzug.

Ein Staat, der seine KI-Konzerne reguliert, beliefert und besitzt, kann kaum noch neutral urteilen. Aus dem Schiedsrichter wird ein Spieler mit Trikot.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Warum das Europa unter Druck setzt

Zwei Sparschweine mit USA- und EU-Flaggen, Münzen und deutschen Beschriftungen auf Weiß
Das EU-Beihilferecht verbietet Stützungen, die Washington längst praktiziert.

Für Europa ist das eine unbequeme Nachricht. Das EU-Beihilferecht untersagt Mitgliedstaaten genau solche Stützungen, also kann Brüssel seine KI-Hoffnungen wie Mistral oder Aleph Alpha nicht im selben Stil absichern. Während die USA ihre Champions unterfüttern, bleibt der europäische Werkzeugkasten klein.

Für deutsche Entscheider verschärft sich damit eine alte Frage. Eine quasi-staatlich gestützte US-KI im Maschinenraum des eigenen Unternehmens bedeutet mehr geopolitische Abhängigkeit. Prüfen Sie deshalb, wo Sie auf europäische oder quelloffene Alternativen ausweichen können, und behandeln Sie die Modellwahl als strategische, nicht nur technische Entscheidung.

Beschlossen ist noch nichts, die Gespräche laufen seit über einem Jahr. Klar ist nur die Richtung: Der Abstand zwischen Staat und KI-Industrie schrumpft, in den USA schneller als irgendwo sonst.

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Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
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