Kontrons 5G-Modul aus deutscher Fertigung hat erstmals einen europäischen Autobauer als Kunden gefunden. Rund 150.000 Funkmodule liefert der Konzern zunächst, mit der Aussicht auf ein Vielfaches. Hinter dem Auftrag steckt mehr als ein Liefervertrag: die Frage, wer die Vernetzung im Auto kontrolliert.

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Das 5G-Modul im Auto verbindet das Fahrzeug mit dem Mobilfunknetz, spielt Software-Updates ein und meldet Diagnosedaten zurück. Genau dieses Bauteil bezieht ein führender europäischer Autobauer künftig von Kontron, gefertigt in Düsseldorf statt in Asien. Für den Augsburger Konzern zählt der Auftrag als erster Serieneinsatz in einer europäischen Fahrzeugplattform.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein führender europäischer Autobauer bestellt bei Kontron rund 150.000 5G-Module, der Wert liegt im zweistelligen Millionenbereich.
  • Übernimmt der Hersteller die Technik in weitere Baureihen, kann sich das Volumen mehr als verdreifachen.
  • Entwickelt werden die Module in Berlin, gefertigt seit dem 13. Juli 2026 in Düsseldorf.
  • Kontron bezeichnet sich als weltweit einzigen Anbieter, der 5G-Automotive-Module komplett in Europa entwickelt und in Deutschland baut.

Was hat der Autobauer bestellt?

Ein USB-Stick mit Schloss und Warnhinweis
Kontron liefert 150.000 5G-Module an europäischen Autohersteller, Auftragswert zweistellig Millionen, Potenzial zur Verdreifachung bei Einsatz in weiteren Baureihen

Den Kern des Auftrags bilden 150.000 5G-Module für die Fahrzeugplattform eines namentlich nicht genannten europäischen Herstellers.[1] Kontron beziffert den Wert auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Übernimmt der Autobauer die Technik in weitere Baureihen, sieht der Konzern das Potenzial, die Liefermenge mehr als zu verdreifachen.

Gefertigt werden die Module im neuen Düsseldorfer Werk, das die Produktion am 13. Juli aufgenommen hat. Wie der Konzern dort eine eigene europäische Modulfertigung hochzieht, haben wir bereits zum Start der Serienfertigung beschrieben. Die Entwicklung sitzt in Berlin, die Endmontage am Rhein.

Warum wird das Funkmodul zur Sicherheitsfrage?

Das sogenannte Network Access Device ist im softwaredefinierten Auto die Schleuse nach außen. Über dieses Modul laufen Over-the-Air-Updates und die Ferndiagnose, künftig auch die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Umfeld. Der Zulieferer dieses Bauteils kontrolliert damit eine sicherheitskritische Schnittstelle mitten im Fahrzeug.

Bislang liegt der Weltmarkt für solche Mobilfunkmodule fest in der Hand chinesischer Anbieter wie Quectel und Fibocom. Genau diese Abhängigkeit gerät in die Kritik: In den USA ist chinesische und russische Vernetzungstechnik in Neuwagen für kommende Modelljahre bereits untersagt. Welche Kontrollrechte in vernetzter Hardware stecken können, zeigt der Blick auf die Killswitch-Debatte.

Ein Modul aus Deutschland verspricht kurze Lieferketten und eine prüfbare, vertrauenswürdige Herkunft. Vorstandschef Hannes Niederhauser sieht darin ein Signal: „Dieser Auftrag zeigt, dass europäische OEMs und ihre Zulieferer zunehmend Wert auf technologische Unabhängigkeit, Cybersicherheit und widerstandsfähige Lieferketten legen.“ So bekommt die Standort-Entscheidung eine strategische Ebene.

Kontron verkauft hier kein Funkmodul, sondern die Gewissheit, dass niemand in Fernost die Datenschleuse im Auto kontrolliert. Genau diese Gewissheit wird für europäische Hersteller gerade zum Kaufargument.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Kontrons 5G-Auftrag im Überblick
Der erste europäische Autobauer setzt auf ein Funkmodul aus deutscher Fertigung.
150.000
5G-Module im Erstauftrag
> 3×
mögliche Menge bei Ausbau auf weitere Baureihen
zweistellig
Auftragswert im Millionenbereich
1
Anbieter weltweit fertigt 5G-Automotive-Module komplett in Deutschland
Wertschöpfung im Inland
Berlin
Entwicklung der Module
Düsseldorf
Fertigung seit 13.07.2026

Was bedeutet das für deutsche Unternehmen?

Für Entscheider im Fahrzeugumfeld verschiebt sich die Beschaffungslogik. Die seit Juli 2024 für alle Neuzulassungen verbindliche UN-Regelung R155 verlangt ein Cybersicherheits-Managementsystem über den gesamten Lebenszyklus. Herkunft und Prüfbarkeit eines Funkmoduls sind damit keine Fußnote mehr, sondern Teil der Typgenehmigung.

Pikant bleibt die eigene Lage des Konzerns: Um Kontron selbst wirbt derzeit eine Foxconn-Tochter, wie das laufende Pflichtangebot zeigt. Der europäische Souveränitäts-Champion steht also selbst im Zugriff eines asiatischen Großaktionärs.

Für Zulieferer und Flottenbetreiber lohnt der prüfende Blick auf die eigene Vernetzungshardware: Woher stammt das Modul, und hält die Lieferkette dahinter einem Sicherheits-Audit stand? Kontrons Auftrag deutet darauf hin, dass Antworten darauf bald mit über Aufträge entscheiden.

Quelle

[1] Kontron AG (EQS-News): „Kontron secures a new European customer for 5G automotive modules manufactured in Germany“

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