Artikel teilen

Dreißig Beschäftigte und Anwohner zweier Kupfer-Kobalt-Minen im Kongo haben bei den deutschen Töchtern von CATL eine Beschwerde nach dem Lieferkettengesetz eingereicht. Sie berichten von Schichten bis zu 14 Stunden, Löhnen unter dem Mindestlohn und Staub über ihren Dörfern. CATL hält über eine Tochter knapp ein Viertel am Minenbetreiber CMOC und beliefert Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz mit Batteriezellen.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen
Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was werfen die Beschwerdeführer den Minen vor?
  2. Wie hängt CATL mit den Minen zusammen?
  3. Was folgt daraus für CATL und die Autohersteller?
  4. Mehr Newshunger?

Bis zu 26 Tage am Stück arbeiten manche Beschäftigte der Kisanfu-Mine im Süden der Demokratischen Republik Kongo, berichten sie in ihrer Beschwerde.[1] Manche bekommen nach eigener Angabe 5 bis 6 US-Dollar am Tag, umgerechnet rund 4,40 bis 5,20 Euro und damit weniger als der kongolesische Mindestlohn.[1] Am 28. Oktober ging die Beschwerde nach Thüringen, an die deutschen Töchter des weltgrößten Herstellers von Batterien für Elektroautos.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • 21 Beschäftigte und 9 Anwohner der Minen Kisanfu und Tenke Fungurume fordern CATL Deutschland auf, die Missstände anzugehen.
  • Beide Minen betreibt der chinesische Bergbaukonzern CMOC, an dem CATL indirekt 24,91 Prozent hält.
  • Nach dem Lieferkettengesetz muss CATL Deutschland begründeten Hinweisen auf Verstöße bei mittelbaren Zulieferern unverzüglich nachgehen.
  • CMOC und die Minen haben ähnliche Vorwürfe früher zurückgewiesen, CATL hat eine Verbindung zu Zwangsarbeit früher bestritten.

Was werfen die Beschwerdeführer den Minen vor?

Batterie und Erzbrocken auf weißem Grund, mit orangefarbenem Faden verbunden
Minenarbeiter berichten von Kündigungsdrohungen bei Überstundenablehnung, mangelnder Schutzausrüstung gegen Staub und Chemikalien sowie eingeschränktem Zugang zu ärztlicher Versorgung

Die 21 Beschäftigten arbeiten direkt bei den Minen oder bei Subunternehmen. Sie berichten von Kündigungsdrohungen, sobald jemand Überstunden ablehnt, von Staub und Chemikalien ohne ausreichende Schutzausrüstung und von eingeschränktem Zugang zu ärztlicher Versorgung.[1] Die sechs unterstützenden Organisationen, darunter die britische Organisation RAID und die kongolesische Afrewatch, sehen darin Anzeichen für mögliche Zwangsarbeit.[1]

Neun Anwohner der Mine Tenke Fungurume klagen über Husten, Nasenbluten und Atemnot. Messungen der Umweltorganisationen EIA und PremiCongo vom März 2026 ergaben nahe der Verarbeitungsanlage Schwefeldioxidwerte über den Richtwerten der Weltgesundheitsorganisation.[1] Laut den Organisationen nahm die Polizei im Mai elf Anwohner fest, die gegen ihre Umsiedlung protestiert hatten, acht von ihnen erhielten Haftstrafen.[1]

Die Gegenseite verweist auf Prüfungen: Der Menschenrechtsbericht 2025 der Kisanfu-Mine stellt nach eigener Darstellung keine wesentlichen Hinweise auf Zwangsarbeit fest, nennt aber Risiken bei Subunternehmen.[1] CATL erklärte in früheren Stellungnahmen, Prüfungen bei 54 Lieferanten hätten weder Zwangs- noch Kinderarbeit ergeben.[1] Eine öffentliche Antwort von CATL auf die neue Beschwerde lag bis Freitagmittag nicht vor.

Wie hängt CATL mit den Minen zusammen?

Über die Tochter Luoyang Times Resources hielt CATL Ende Juni 24,91 Prozent an CMOC und ist damit zweitgrößter Aktionär. Zwei CATL-Manager sitzen im Verwaltungsrat, einer als stellvertretender Vorsitzender.[1] An der Kisanfu-Mine ist CATL zusätzlich direkt beteiligt: Die gemeinsame Holding gehört zu 75 Prozent CMOC und zu 25 Prozent CATL und hält 95 Prozent der Mine, den Rest besitzt der kongolesische Staat.[1]

Zwei Lieferverträge vom Dezember 2024 regeln, dass Kupfer, Kobalt, Nickel und Lithium aus der CMOC-Gruppe an CATL gehen. Anschlussverträge gelten bis Ende 2028.[1] In einem Rundschreiben vom Juli räumt CMOC ein, dass das an CATL verkaufte Metall nicht zwingend aus Kisanfu stammt. Laut demselben Schreiben übersteigt der erwartete Kobaltbedarf von CATL die Exportquote, die der Kongo der Mine zugesteht.[1] Die Organisationen folgern daraus, dass auch Kobalt aus Tenke Fungurume bei CATL ankommt.

Zusammen förderten beide Minen 2025 laut den Organisationen rund 44 Prozent des weltweit abgebauten Kobalts.[1] Am europäischen Markt für Batterien von Elektroautos kam CATL im ersten Halbjahr 2026 auf 44,3 Prozent.[1] Im Werk Arnstadt in Thüringen arbeiten 1.700 Menschen, die Genehmigung erlaubt dort bis zu 2.205 Tonnen kobalthaltiges Kathodenpulver auf Lager.[1]

An dieser Beschwerde zeigt sich, was das Lieferkettengesetz leistet, während die Koalition seinen Anwendungsbereich verkleinern will.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen
Die Beschwerde gegen CATL in Zahlen
Was die Beschwerde über die Minen Kisanfu und Tenke Fungurume im Kongo vorbringt
30
Beschwerdeführer: 21 Beschäftigte der beiden Minen und 9 Anwohner
4,40 bis 5,20 €
verdienen manche Beschäftigte laut eigener Angabe am Tag, umgerechnet aus 5 bis 6 US-Dollar
24,91 %
hält CATL indirekt am Minenbetreiber CMOC, Stand 30. Juni 2026
rund 44 %
des 2025 weltweit geförderten Kobalts stammen laut den Organisationen aus den beiden Minen

Was folgt daraus für CATL und die Autohersteller?

Das Lieferkettengesetz gilt heute für Firmen ab 1.000 Beschäftigten in Deutschland, CATL Deutschland liegt mit dem Werk Arnstadt darüber.[1] Die Minen sind für die deutschen Töchter mittelbare Zulieferer. Liegen tatsächliche Anhaltspunkte für Verstöße vor, muss das Unternehmen unverzüglich eine Risikoanalyse machen, Vorbeugemaßnahmen beim Verursacher verankern und ein Konzept gegen die Verstöße umsetzen.[2] Die Beschwerdeführer erwarten binnen sechs Wochen eine begründete Antwort.[1]

Unabhängig davon können Betroffene beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einen Antrag stellen. Dafür müssen sie substantiiert darlegen, dass eine verletzte Sorgfaltspflicht ihre geschützten Rechte beeinträchtigt.[3] Am 2. Juli beschloss der Koalitionsausschuss allerdings, den Anwendungsbereich im Herbst 2026 auf Firmen ab 5.000 Beschäftigten und mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz zu beschränken.[4] CATL Deutschland fiele dann nach Einschätzung der Organisationen heraus.[1]

Ab dem 18. August 2027 greifen die Sorgfaltspflichten der EU-Batterieverordnung, die Brüssel um zwei Jahre verschoben hatte.[5] Die Verordnung verlangt dann von Unternehmen, die Batterien in der EU verkaufen, eine Prüfung der Rohstoffe, Kobalt eingeschlossen, unabhängig vom Lieferkettengesetz. Für Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz ist CATL unmittelbarer Zulieferer, die Minen stehen für sie eine Stufe früher in der Lieferkette. Einkäufer fragen deshalb am besten jetzt nach der Antwort von CATL auf die Beschwerde. Zellen ohne Kobalt, wie sie das Werk in Saragossa bauen soll, mindern das Kobaltrisiko, Kupfer steckt aber auch in ihnen.[1]

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. RAID, Afrewatch, PremiCongo, CAJJ und EIA USBeschwerde gegen Batterie-Riesen nach dem Lieferkettengesetz wegen Missständen in Minen der DR Kongo (Pressemitteilung, 28. Oktober 2026), englische Fassung: Battery giant CATL faces complaint under German supply chain law over alleged abuses at DRC mines
  2. Bundesministerium der Justiz§ 9 Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz: Mittelbare Zulieferer
  3. Bundesministerium der Justiz§ 14 Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz: Behördliches Tätigwerden
  4. BundesregierungErgebnis des Koalitionsausschusses (Punkt 29)02.07.2026
  5. Amtsblatt der Europäischen UnionVerordnung (EU) 2025/1561 zur Änderung der Verordnung (EU) 2023/1542 in Bezug auf die Pflichten der Wirtschaftsakteure hinsichtlich der Strategien für die Sorgfaltspflicht18.07.2025

Mehr Newshunger?

4,5 17 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dr. Web Newsletter

Jede Woche ein bisschen klüger.

Der Dr. Web Newsletter: die besten Artikel, Anbieter-Tipps und neue Tools, kompakt zusammengefasst, jeden Donnerstag. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.