Artikel teilen

Die elka-Holzwerke in Morbach feierten Richtfest für ihre neue Spanplattenproduktion, die Investition liegt im hohen zweistelligen Millionenbereich und damit über dem Jahresumsatz des Familienbetriebs. Eine durchlaufende Presse soll drei Pressen aus den Jahren 1968, 1973 und 1990 ersetzen. Für den Rohstoff verlangt Gesellschafterin Larissa Kuntz von der Landesregierung einen Masterplan.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Eine Zeitkapsel mit dem Handelsregistereintrag von 1906 und einem Muster der firmeneigenen Bauplatte soll im Fundament der neuen Spanplattenanlage in Morbach einbetoniert werden.[1] Larissa Kuntz und Ministerpräsident Gordon Schnieder legten die Kapsel am 5. Oktober beim Richtfest in einen Grundsteinkubus. Mit dem Neubau stemmt der Holzverarbeiter aus dem Hunsrück die größte Investition seiner 120-jährigen Firmengeschichte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Herzstück ist eine rund 165 Meter lange Form- und Pressenstraße des Maschinenbauers Dieffenbacher.
  • Ende 2027 soll eine Biomasse-Energieanlage mit knapp 20 Megawatt Wärmeleistung in Betrieb gehen.
  • Bis 2028 will elka die Spanplattenproduktion umgebaut haben und den CO2-Ausstoß am Standort um rund 40 Prozent senken.

Was baut elka in Morbach?

Betonkubus mit grünem Etui, Anhänger „MORBACH“ und Tannenkranz vor weißem Hintergrund
Richtfest für neue Pressenstraße, Niedertemperaturtrockner und geschlossene Lager bei laufender Produktion seit Programmbeginn 2022

Das Richtfest fällt in die Bauphase eines Programms, das 2022 begann. Seitdem nahm elka ein Zuschnittzentrum, eine Messerring-Zerspanung sowie eine erneuerte Sichtung und Beleimung in Betrieb, während die Produktion weiterlief.[1] Jetzt entstehen die Pressenstraße, ein Niedertemperaturtrockner und geschlossene Lager für Sägespäne und Hackschnitzel.

Den Auftrag für Presse und Kesselhaus vergab der Holzverarbeiter im Juni an Dieffenbacher aus Eppingen.[2] Die Montage beginnt um den Jahreswechsel, im Sommer 2027 soll die erste Platte von der neuen Linie laufen. Eine genaue Summe und mögliche Fördergelder nennt das Unternehmen nicht.

Warum steckt ein Familienbetrieb mehr als einen Jahresumsatz in eine Presse?

Die alte Anlage bot laut Gesellschafter Karl-Robert Kuntz „keine wirtschaftliche Perspektive mehr“.[1] In den drei Einetagenpressen entsteht jede Platte einzeln, Takt für Takt. Eine durchlaufende Presse verdichtet dagegen ein Endlosband aus beleimten Spänen, das erst danach auf Format gesägt wird. Elka erwartet davon mehr Formatvielfalt und eine bessere Plattenqualität. Larissa Kuntz nannte 2025 im Fachmagazin WBPI das Ziel, die Spanplattenproduktion auf 250.000 Kubikmeter im Jahr zu verdoppeln.

Das neue Kesselhaus verbrennt frische Biomasse sowie Altholz und erzeugt die Wärme für Trockner und Presse.[2] Späne und Hackschnitzel stammen aus einer integrierten Kette am Standort: Das eigene Sägewerk verarbeitet jährlich rund 300.000 Festmeter Fichte und Douglasie aus regionalen Wäldern.[3] Rund 220 Beschäftigte arbeiten in Morbach.

elka in Morbach: der Umbau der Spanplattenproduktion
Was der Familienbetrieb baut und wann die neuen Anlagen laufen sollen
hoher zweistelliger Mio.-Betrag
Investitionssumme in Euro, höher als der Jahresumsatz des Unternehmens
165 m
misst die neue Form- und Pressenstraße als Ersatz für drei Pressen von 1968 bis 1990
knapp 20 MW
Wärmeleistung der Biomasse-Anlage für Trockner und Presse
rund 40 %
weniger CO2-Ausstoß am Standort peilt elka nach dem Umbau an
Wo das Projekt heute steht
2022
Die Modernisierung beginnt bei laufender Produktion.
Juni 2026
Dieffenbacher erhält den Auftrag für Presse und Kesselhaus.
5. Oktober 2026
Elka feiert Richtfest.
Sommer 2027
Die neue Spanplattenlinie soll anlaufen.
Ende 2027
Die Energieanlage soll folgen, der Umbau bis 2028 abgeschlossen sein.

In Morbach entscheidet das Holz vor der Haustür über den Standort, keine Förderrunde aus Berlin.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Was verlangt elka von der Landespolitik?

Ministerpräsident Schnieder zählte in Rheinland-Pfalz rund 7.500 Betriebe aus Forst, Holz und Papier. Zusammen beschäftigen die Betriebe 54.000 Menschen und setzen mehr als zehn Milliarden Euro um.[1] Den Holzbau will die Landesregierung laut Koalitionsvertrag stärker fördern. Larissa Kuntz verlangte mehr: einen Masterplan, der Waldumbau, Rohstoffstrategie und Holzbau zusammenführt. Förderprogramme, die Kommunen Geld für stillgelegte Waldflächen zahlen, will die Familie Kuntz abschaffen.

Mit dem Neubau setzt elka trotz der Standortdebatte auf das Inland, wie zuletzt Claas in Paderborn oder die TII Group in Pfedelbach. Im rheinland-pfälzischen Wissen investiert Kleusberg 50 Millionen Euro in den Modulbau. Miele dagegen baut in den USA aus und warnt vor dem Standort Deutschland.

Für Zimmerer und Holzbauplaner kommen ab 2027 neue Plattenformate aus Morbach. Planen Sie größere Holzbauprojekte für 2028, fragen Sie gerne früh nach Maßen und Lieferzeiten. Wie viel Holz der Hunsrück dafür langfristig liefert, entscheidet die Waldpolitik in Mainz mit.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. elka-Holzwerke120 Jahre Mut zum Wandel: elka investiert in die Zukunft des Standorts Morbach07.10.2026
  2. Dieffenbacherelka modernizes particleboard plant with new CEBRO production line and energy plant from DIEFFENBACHER12.06.2026
  3. elka-HolzwerkeUnternehmensseite (abgerufen am 12.10.2026)

Mehr Newshunger?

4,1 14 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?