Der Umweltausschuss des Europaparlaments hat am 4. November mit 48 Ja-Stimmen, 30 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen revidierte CO2-Ziele für neue Pkw und Transporter angenommen.[1][2] Als federführender Ausschuss folgt er dem Industrie- und dem Verkehrsausschuss, die am 22. Oktober zugestimmt hatten.
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Im Dezember entscheidet das Plenum, danach der Rat. Der Text lässt 2035 weiterhin Neuzulassungen von Verbrennern und Hybriden zu.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Pkw sollen 2035 den Ausstoß um 95 statt 100 Prozent senken, mit CO2-armem EU-Stahl genügen 87,5 Prozent.
- Für Transporter sinkt das Ziel 2030 von 50 auf 35 Prozent, 2035 von 100 auf 80 Prozent.
- Das Plenum stimmt voraussichtlich im Dezember ab, danach muss der Rat mit qualifizierter Mehrheit zustimmen.
- Merz und Macron wollen dagegen 90 Prozent ohne Kompensation.
Was hat der Umweltausschuss beschlossen?

Hinter dem Text steht die Mitte-Plattform aus EVP, S&D und Renew Europe. Für Pkw soll der CO2-Ausstoß 2035 gegenüber 2021 um 95 Prozent sinken. Kommt CO2-armer Stahl aus der EU zum Einsatz, darf das Ziel um 7,5 Prozentpunkte niedriger liegen, also bei 87,5 Prozent.[2] Die Kommission hatte Ende 2025 90 Prozent vorgeschlagen, das wären 11 Gramm CO2 je Kilometer statt null.[2]
Bei Transportern fällt die Lockerung deutlicher aus. Für 2030 sieht der Text 35 Prozent vor, die Kommission wollte 40, geltendes Recht verlangt 50. Bis 2035 sollen es 80 statt 100 Prozent werden.[2] Der EVP-Abgeordnete Massimiliano Salini sagt: „Unsere Einigung markiert einen Wendepunkt für die europäische Automobilindustrie.“[2]
Warum bleibt der Verbrenner trotz Grenzwert im Angebot?
Der Flottengrenzwert gilt für den Durchschnitt aller Neuwagen eines Herstellers, nicht für jedes einzelne Auto. Je kleiner die Minderungsquote, desto mehr Verbrenner und Hybride dürfen im Mix bleiben. Nach 2035 bleibt deshalb laut electrive Spielraum für Neuzulassungen von Verbrennern.[2]
Der Vergleich mit Berlin und Paris zeigt, wie eng es wird. Ohne Stahl-Gutschrift wäre das Parlament mit 95 Prozent strenger als die deutsch-französische Linie von 90 Prozent, mit voller Gutschrift läge es bei 87,5 Prozent darunter. Die Gegenüberstellung ist eine eigene Rechnung. Entscheidend wird, ob der Rat die Stahl-Gutschrift mitträgt.
Dort braucht es mindestens 15 Länder mit zusammen 65 Prozent der Bevölkerung. Deutschland drängt laut electrive mit sechs weiteren Staaten auf Abschwächung, alle mit geringem Elektroanteil an den Neuzulassungen. Frankreich hat die Seiten gewechselt und erhält dafür nach Angaben aus Brüssel Unterstützung bei den „Buy European“-Vorgaben.[2]
Das Verbrenner-Aus verschwindet nicht per Beschluss, sondern per Gutschrift: Jede neue Rechenregel macht das Ziel weicher.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Käufer und Flotten im DACH-Raum?
Bis zur Entscheidung gilt das bisherige Recht, es verlangt 100 Prozent. Der Markt liegt ohnehin vorn: Elektroautos erreichten im Oktober in Deutschland 37 Prozent der Neuzulassungen, EU-weit lag der Anteil im September bei knapp 30 Prozent. Auch bei Firmenflotten und Plug-in-Hybriden verschiebt das Paket die Regeln.
Flottenentscheider sollten Beschaffung bis 2030 nach Gesamtkosten und Restwert planen, nicht nach der Zielmarke in Brüssel. Ob der Verbrenner nach 2035 neu zugelassen werden darf, entscheiden Plenum und Rat erst in den kommenden Monaten, der Kompromiss des Parlaments steht seit dieser Woche aber fest.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Europäisches ParlamentCO2 emissions: adjusted targets, more incentives for clean vehicles (Pressemitteilung)
- electrive.netEU-Parlament: Auch Umweltausschuss stimmt für Aufweichung der CO2-Regeln
Mehr Newshunger?
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