Elf Kraftwerksprojekte mit zusammen rund 5.160 Megawatt reduzierter Leistung haben in der ersten Auktion für Langzeitkapazitäten einen Zuschlag erhalten. Drei gehen an RWE in Nordrhein-Westfalen, sieben an die Leag in Brandenburg, Sachsen und Bayern. Der Staat zahlt im Schnitt 155.296 Euro je Megawatt und Jahr, ein gutes Drittel unter dem Höchstwert.
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Die Bundesnetzagentur hat am 3. November die Ergebnisse der ersten Ausschreibung nach dem Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) veröffentlicht. Ausgeschrieben waren 4.500 reduzierte Megawatt (rMW), 41 Gebote mit rund 11.958 rMW gingen ein.[1] Bei Gaskraftwerken zählen nur 85 Prozent der installierten Leistung.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Elf von 41 Geboten erhalten einen Zuschlag. Die Summe liegt über 4.500 rMW, weil das Gebot, das die Grenze überschritt, noch mitgenommen wurde.
- RWE bekommt Voerde, Weisweiler und Werne mit zusammen rund 2.100 rMW. Der Bau des ersten Kraftwerks soll laut RWE in wenigen Wochen beginnen.
- Nach Berechnungen der zfK gehen 99 Prozent der Menge an RWE und die Leag, das Bundeskartellamt wollte die Menge deckeln.
- Der Durchschnitt der Zuschlagswerte liegt bei 155.296 Euro je rMW und Jahr, der Höchstwert bei 244.000 Euro.
Welche Kraftwerke bekommen den Zuschlag?

RWE gewinnt drei wasserstofffähige Neubauten in Nordrhein-Westfalen: Voerde mit rund 730 rMW, Weisweiler und Werne mit je rund 700 rMW. Die Anlagen sollen einspringen, wenn Wind und Sonne über längere Zeit nicht genug liefern.[2] RWE betreibt in Deutschland bereits Gaskraftwerke mit rund 4,2 Gigawatt und will bis 2031 rund 9 Milliarden Euro in flexible Erzeugung, Batteriespeicher und Wasserstoff investieren.[2]
Die übrigen Zuschläge entfallen auf die Leag mit Jänschwalde, Boxberg und Leipheim sowie auf die Stadtwerke Karlsruhe mit einem Heizkraftwerk von 53 Megawatt.[3] Nach Ländern führt Nordrhein-Westfalen mit rund 2.118 rMW vor Brandenburg mit rund 1.819 rMW und Sachsen mit rund 910 rMW. Auf Bayern entfallen rund 269 rMW, auf Baden-Württemberg rund 45 rMW.[1] Das EnBW-Projekt RDK9 mit 850 Megawatt ist damit nicht berücksichtigt. Auch Uniper taucht unter den Gewinnern nicht auf. Die Leag modernisiert dafür bestehende Braunkohle-Standorte.
Was zahlt der Staat für das Bereithalten?
Bezahlt wird nicht der Strom, sondern die Verfügbarkeit. Die bezuschlagten Werte reichen laut zfK von rund 130.000 bis knapp 190.000 Euro je rMW und Jahr.[3] Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller führt die vergleichsweise niedrigen Werte auf den Wettbewerb zwischen Kraftwerken und Speichern zurück.[1] Wie weit Batteriespeicher gegenüber Gasturbinen inzwischen aufgeholt haben, zeigt eine Analyse von Wood Mackenzie.
Rechnerisch ergeben 5.160 rMW zum Durchschnittswert rund 800 Millionen Euro im Jahr und über die 15 Jahre Laufzeit rund 12 Milliarden Euro. Diese Rechnung stammt von der Redaktion und setzt den Durchschnitt für alle elf Zuschläge an.
Das Bundeskartellamt sah bei RWE und der Leag zwischen Mai 2024 und April 2025 eine marktbeherrschende Stellung und wollte die Zuschlagsmenge je Unternehmen auf zehn Prozent begrenzen. Das Amt konnte sich damit nicht durchsetzen.[3] Der Verband kommunaler Unternehmen nennt die Marktkonzentration keine gute Nachricht für den Wettbewerb.[3]
Der Staat bezahlt künftig das Bereithalten von Kraftwerken. Fast die gesamte Bestellung geht an zwei Konzerne.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet die Auktion für Unternehmen im DACH-Raum?
Für Energieverantwortliche zählt zunächst die Kostenseite. Laut zfK dürften niedrige Gebote die künftige Stromumlage senken, eine Zahl nennt die Quelle nicht.[3] Aus dem Süden kommt Kritik. Aus Baden-Württemberg nennt Thekla Walker das Ergebnis ein „fatales Signal“, aus Bayern sagt Hubert Aiwanger, der Zuschlag für Leipheim könne „nur der Anfang“ sein.[3]
Die nächste Runde steht bereits an: Die Bundesnetzagentur will am 10. November den zweiten Gebotstermin bekannt geben.[1] Betriebe mit hohem Stromverbrauch sollten langfristige Festpreise erst vereinbaren, wenn die Kosten der Kapazitätszahlung beziffert sind. Bis dahin lohnt der Blick in die Lieferverträge auf Preisgleitklauseln.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- BundesnetzagenturStromVKG: Ergebnisse der ersten Ausschreibung für Langzeitkapazitäten
- RWE AGBillions to be invested in security of supply: Following success at auction, RWE set to build three new hydrogen-compatible power stations in Germany
- Zeitung für kommunale Wirtschaft (zfK)Neue Gaskraftwerke: Überblick über Gewinner, Standorte, Preise
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