Mercedes-Benz hat am 3. November in Stuttgart einen Power Converter beschrieben, der die Hochvolt-Spannung eines Akkus bei bis zu 800 Volt hält, gleich wie voll oder wie alt die Zellen sind. Die aktuelle Generation der Mikrowandler leistet bis zu 3 Kilowatt.
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Mercedes nennt in der Presseinformation weder ein Modell noch einen Marktstart.[1] electrive berichtete am 4. November darüber und liest aus der Technik mehr heraus, als der Hersteller selbst sagt.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Programmierbare Mikrowandler steuern einzelne Zellen oder Zellgruppen und liefern gemeinsam bis zu 800 Volt, unabhängig von Ladestand und Alterung.
- Die aktuelle Generation leistet bis zu 3 Kilowatt und deckt laut Mercedes AC- und DC-Anwendungen sowie bidirektionales Laden ab.
- Ein Fahrzeug, einen Prototypenstatus oder einen Zeitplan nennt Mercedes nicht.
- Dass der Bordlader entfallen könnte, schreibt electrive, in der Mercedes-Mitteilung steht das nicht.
Wie funktioniert der Power Converter im Akku?

In heutigen Elektroautos hängen die Zellen in Reihe, die Spannung des Akkus ergibt sich aus ihrer Zahl. Eine Zelle liefert etwa 3 bis 4 Volt und fällt beim Entladen von rund 4 auf rund 3 Volt. Für 800 Volt sind deshalb etwa 200 Zellen nötig, beim Entladen sinkt die Spannung rechnerisch auf rund 600 Volt.[3] Die schwächste Zelle der Reihe bestimmt zudem die Leistung des gesamten Akkus.[3]
Der Power Converter setzt an dieser Stelle an. Mehrere parallel geschaltete Wandler regeln die Energieflüsse einzelner Zellen oder Zellgruppen und liefern gemeinsam eine konstante Hochvolt-Spannung von bis zu 800 Volt.[1] Die Spannung hängt damit nicht mehr an der Zahl der Zellen in Reihe, sondern an den Wandlern und ihrer Software. Schwächere Zellen lassen sich gezielt entlasten, was nach Angaben von electrive die Effizienz des Akkus erhöhen soll.[2]
Was ist an der Meldung neu?
Das Konzept selbst ist nicht neu. Auto Motor und Sport beschrieb es am 28. November 2024 als Projekt der Vorentwicklung, das noch in diesem Jahrzehnt in Serie gehen könnte.[3] Neu ist die Leistungsangabe von bis zu 3 Kilowatt für die aktuelle Generation.[1] Den Entwicklungsstand nennt die Mitteilung nicht.
electrive sieht in der Technik Vorteile über die Spannung hinaus. Das separate Bordladegerät könnte entfallen, der Wechselrichter bekäme konstant 800 Volt. Ladeleistung und Rückspeisung ließen sich per Software steuern, was kostenpflichtige Freischaltungen per Over-the-Air-Update denkbar mache.[2] Diese Lesart stammt von electrive, nicht von Mercedes. Ungeklärt bleibt laut electrive, wie aufwendig Reparaturen an einer komplexeren Technik direkt im Akku wären.[2]
Kommt die Spannung aus Software statt aus der Zellzahl, entscheidet künftig auch der Hersteller, wie viel davon beim Kunden ankommt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Käufer und Entscheider im DACH-Raum?
Praktisch berührt die Technik vor allem das bidirektionale Laden. Mercedes verkauft in Deutschland bereits ein Paket mit Gleichstrom-Wallbox für 2.990 Euro, der Bonus liegt bei rund 500 Euro im Jahr, wie der Bericht zum Mercedes-Paket zeigt. Die Bundesnetzagentur hat zuletzt entschieden, dass Rückspeisung auch ohne zweiten Zähler möglich ist. Der Power Converter würde solche Funktionen im Akku bereitstellen, ein Serientermin fehlt aber.
Einen verwandten Weg geht Stellantis mit IBIS. Wechselrichter und Ladefunktion sitzen dort in den Batteriemodulen. Im Peugeot e-3008 auf Basis der STLA-Medium-Plattform läuft ein Prototyp im Praxistest, nach Herstellerangaben mit rund 40 Kilogramm weniger Gewicht, bis zu 17 Litern mehr Platz und bis zu 10 Prozent höherer Energieeffizienz im WLTC. Eine Serienintegration peilt Stellantis bis Ende des Jahrzehnts an.[4] Mehrere Konzerne verlagern Leistungselektronik in den Akku, keiner nennt einen Termin.
Für Flottenentscheider heißt das, bei Bestellungen im Jahr 2026 weiter Ladeleistung, Akkugarantie und Rückspeisefähigkeit des konkreten Modells zu prüfen. Die Ankündigung ersetzt diese Angaben nicht.
Quellen
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- Mercedes-Benz Group MediaMercedes-Benz macht Zukunftstechnologien erlebbar: Innovative Displaylösungen und intelligente Hochvolttechnik im Fokus
- electrive.netMercedes Power Converter entkoppelt Hochvolt-Spannung von Akkuzustand
- auto motor und sportMercedes Power Converter: 800 Volt für alle
- electriveStellantis launches practical tests with IBIS prototype vehicle
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