Den Gold-Rekord des CERN will das Start-up Marathon Fusion um das Zehnfache übertroffen haben, mit Neutronen aus der Kernfusion und Quecksilber als Rohstoff. Als Beleg dient bislang ein Diagramm auf X. Wie viel Gold entstand und was die Herstellung kostete, verrät das Unternehmen aus San Francisco nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Wir haben die Alchemie auf eine Reihe schwieriger, aber lösbarer technischer Aufgaben reduziert“, schrieb Marathon Fusion am 21. Oktober.[1] Unabhängig bestätigt hat den Versuch bisher niemand, eine begutachtete Veröffentlichung liegt nicht vor. Machbar ist die Umwandlung nach Einschätzung von Karl Lackner vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik.[4]
Das Wichtigste in Kürze
- Marathon Fusion meldet Gold aus Quecksilber und den zehnfachen CERN-Rekord, ohne Bezugsgröße.
- Menge, Reinheit und Kosten legt das Unternehmen nicht offen.
- Ein Kraftwerk mit einem Gigawatt elektrischer Leistung könnte laut Modellrechnung rund fünf Tonnen Gold im Jahr liefern.
- Neu erzeugtes Fusionsgold müsste laut Marathon-Studie bis zu 17,7 Jahre lagern.
Was zeigt das Diagramm von Marathon Fusion?

Das Bild auf X zeigt ein Gammaspektrum bestrahlter Quecksilberproben, gemessen 8 bis 44 Stunden danach.[1] Fast alle beschrifteten Linien gehören zu Quecksilber-197, der Vorstufe des Goldes. Stabiles Gold-197 zerfällt nicht und bleibt im Spektrum unsichtbar. Die einzige Goldlinie bei 279,0 Kiloelektronenvolt liegt laut Beschriftung neben einer Linie von Quecksilber-203 bei 279,2.
Das Diagramm belegt damit die Kernreaktion, nicht die Goldmenge. Für die Menge fehlen Ausbeute und Bestrahlungsdauer. Offen bleibt auch der Maßstab des Rekords: Die ALICE-Kollaboration am CERN wies 2025 rund 86 Milliarden Goldkerne aus den Jahren 2015 bis 2018 nach, zusammen etwa 29 Pikogramm, entstanden bei Beinahe-Zusammenstößen von Bleikernen.[3] Ob Marathon Masse oder Kerne pro Sekunde vergleicht, sagt das Unternehmen nicht.
Warum ausgerechnet Quecksilber?
Trifft ein schnelles Neutron aus der Fusion von Deuterium und Tritium auf Quecksilber-198, schlägt das Neutron ein zweites aus dem Kern heraus. Übrig bleibt Quecksilber-197, das mit einer Halbwertszeit von 64 Stunden zu Gold zerfällt.[2] Im Kraftwerk säße das Quecksilber im Brutmantel um das Plasma, der ohnehin Neutronen vervielfachen und Tritium erbrüten muss.
Der Rohstoff ist knapp. Quecksilber-198 macht ein Zehntel des natürlichen Quecksilbers aus und müsste auf 90 Prozent angereichert werden, nach Lackners Worten ein technisch anspruchsvoller Prozess.[4] In der EU ist Quecksilber weitgehend verboten, gekauft wird das Metall heute vor allem von Goldsuchern im Kleinbergbau.
Für ein Kraftwerk mit einem Gigawatt elektrischer Leistung rechnet Lackner mit rund fünf Tonnen Gold im Jahr, ungefähr so viel wert wie der erzeugte Strom.[4] Die Marathon-Studie nennt zwei Tonnen je Gigawatt Wärmeleistung, bei 40 Prozent Wirkungsgrad dieselbe Größenordnung. Aus Spuren von Quecksilber-196 entsteht allerdings radioaktives Gold-195: Bananen strahlen über ihr natürliches Kalium leicht, unter dieses Niveau fällt eine Feinunze (31,1 Gramm) erst nach rund 17,7 Jahren.[2]
Ein Spektrum ohne Mengenangabe ist eine Ankündigung, noch kein Goldbarren.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
So entsteht das Gold
Belegt
- Gammaspektrum mit Linien von Quecksilber-197
- Physik der Umwandlung, auch laut Max-Planck-Institut für Plasmaphysik
- Gold am CERN, veröffentlicht in Physical Review C
Offen
- erzeugte Goldmenge und Reinheit
- Kosten je Gramm
- Bezugsgröße des Rekords
- unabhängige Prüfung und begutachtete Veröffentlichung
Wird Gold dadurch billiger?
Wertlos würde Gold nicht, sagt Lackner. Selbst alle geschätzten 600.000 Tonnen Quecksilber der Erdkruste ergäben nach seiner Rechnung nur rund 600 Tonnen Gold im Jahr, zunächst kämen eher die 20.000 Tonnen Quecksilberabfall infrage, daraus ließen sich etwa 20 Tonnen gewinnen.[4] Die Goldminen förderten 2025 laut World Gold Council 3.672 Tonnen.[5]
Die Bundesregierung will das erste Fusionskraftwerk der Welt nach Deutschland holen, das Programm „Fusion 2040“ soll rund 1,7 Milliarden Euro erhalten.[6] Das Münchner Start-up Proxima Fusion sammelte im Juli 411 Millionen Euro ein. Der Fall zeigt, womit Fusions-Start-ups zusätzlich Geld verdienen wollen: mit Nebenprodukten, die so viel einbringen könnten wie der Strom.
- Fragen Sie bei Meldungen dieser Art nach Ausbeute, Bestrahlungsdauer und einem unabhängigen Labor.
- Planen Sie physisches Gold als Altersvorsorge nach heutigen Marktdaten, Fusionsgold setzt ein laufendes Fusionskraftwerk voraus.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Marathon FusionBeitrag auf X vom 21. Oktober 2026 und Folgebeitrag mit Gammaspektrum (englisch)
- Adam Rutkowski, Jake Harter, Jason ParisiScalable Chrysopoeia via (n, 2n) Reactions Driven by Deuterium-Tritium Fusion Neutrons (Preprint auf arXiv, nicht begutachtet, Fassung vom 3. August 2025, englisch)
- ALICE-Kollaboration, CERNALICE detects the transformation of lead into gold at the LHC (8. Mai 2025, englisch)
- Max-Planck-GesellschaftFive Questions on Producing Gold via Nuclear Fusion for Karl Lackner (Max Planck Research 3/2025, PDF, englisch)
- World Gold CouncilGold Demand Trends: Q4 and Full Year 2025 (29. Januar 2026, englisch)
- Deutscher BundestagBundesregierung stellt Aktionsplan für Fusionskraftwerk vor (hib 602/2025)
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