Von Oktober 2025 bis Juni 2026 durchsuchten US-Grenzbeamte 52.080 Laptops, Handys und andere Geräte von Einreisenden, 32 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Ausländer, die ihr Gerät nicht entsperren, riskieren die Abweisung. Für Geschäftsreisende aus Deutschland zählt deshalb, was vor dem Abflug auf dem Gerät liegt.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDie Zahlen stammen von der US-Grenzbehörde Customs and Border Protection (CBP), der kanadische Sender CBC hat sie am 23. Oktober veröffentlicht.[1] Im Vorjahreszeitraum lag die Zahl bei 39.251. Den Rekord des gesamten Geschäftsjahres 2025 mit 55.424 Geräten hat die Behörde nach neun Monaten schon fast erreicht.
Das Wichtigste in Kürze
- 47.517 Durchsuchungen waren einfache Kontrollen, für die kein Verdacht nötig ist.
- In 4.564 Fällen schlossen Beamte Geräte an, um Daten zu kopieren und auszuwerten.
- Verweigern Ausländer das Entsperren, darf die CBP das bei der Entscheidung über die Einreise berücksichtigen.
- Daten, die nur in der Cloud liegen, dürfen die Beamten nicht abrufen.
Was dürfen die Beamten mit einem Laptop tun?

Die CBP kennt laut ihrer seit Januar 2026 geltenden Dienstanweisung 3340-049B zwei Stufen.[2] Bei der einfachen Durchsuchung sieht ein Beamter Dateien, Fotos und Nachrichten direkt auf dem Gerät durch, einen Verdacht braucht er dafür nicht. Für die erweiterte Durchsuchung verlangt die Anweisung einen begründeten Verdacht auf einen Rechtsverstoß oder eine Gefahr für die nationale Sicherheit, dazu die Freigabe eines Vorgesetzten.
Reisende müssen ihre Geräte so vorlegen, dass sich die Inhalte prüfen lassen. Die Beamten dürfen Passwörter verlangen und für die Dauer der Kontrolle notieren. Ein gesperrtes Gerät behält die CBP ein, in der Regel bis zu fünf Tage, mit Genehmigung länger.[2] Kopien ohne Bezug zu Einwanderung, Zoll oder Strafverfolgung löscht die Behörde spätestens nach 21 Tagen.
Warum trifft die Regel Ausländer härter?
Einen US-Bürger darf die CBP nach eigenen Angaben nicht abweisen, nur weil er sein Handy nicht entsperrt. Ausländer müssen dagegen belegen, dass sie einreisen dürfen. Ihre Weigerung kann in diese Entscheidung einfließen.[3] Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass Reisende Passwörter auch für einzelne Apps offenlegen oder Apps per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung entsperren müssen.[4]
CBP-Sprecherin Jessica Turner nennt die Kontrollen äußerst selten: Von 419 Millionen Einreisenden im Jahr 2025 seien nur rund 0,01 % betroffen gewesen. Esha Bhandari von der Bürgerrechtsorganisation ACLU hält dagegen, der Staat nutze eine Befugnis, sobald er sie habe, zulasten der Privatsphäre von Reisenden.[1] Wie hart die Behörden durchgreifen, zeigt die Anklage gegen einen US-Bürger, dessen Handy bei der Kontrolle per Notfall-PIN alle Daten löschte. Zugleich machen die USA den Zugriff auf europäische Fingerabdruck-Datenbanken zur Bedingung für visafreies Reisen.
An der US-Grenze schützt kein Passwort die Firmendaten, nur ein Laptop, auf dem nichts liegt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zwei Stufen der Durchsuchung
Was sollten Unternehmen vor einer USA-Reise tun?
Den wichtigsten Hebel liefert die Dienstanweisung selbst: Geprüft wird nur, was auf dem Gerät gespeichert ist. Für die Kontrolle schalten Reisende das Gerät auf Anweisung in den Flugmodus, Inhalte allein in der Cloud bleiben tabu.[2] Europäisches Recht verlangt ohnehin Vorsorge. Artikel 32 der DSGVO fordert geeignete Schutzmaßnahmen für personenbezogene Daten.[5] Das Geschäftsgeheimnisgesetz schützt nur Informationen, die ein Unternehmen mit angemessenen Maßnahmen geheim hält.[6]
- Reisegeräte ausgeben: Laptop und Handy mit leerem Speicher mitnehmen und Dateien erst nach der Einreise über einen Dienst für den sicheren Datenaustausch laden.
- Abmelden: Vor dem Abflug bei Mail, Chat und dem Passwort-Manager abmelden, damit lokal nichts offenliegt.
- Vertraulichkeit geltend machen: Für anwaltliche Unterlagen schreibt die Anweisung ein eigenes Prüfverfahren vor, Geschäftsdaten gelten als vertraulich. Reisende sollten beides bei der Kontrolle ausdrücklich ansprechen.
Ob der Rekord fällt, zeigt die Jahresstatistik der CBP für das Geschäftsjahr 2026, das am 30. September endete.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- CBC NewsSearches of cellphones, laptops by U.S. customs up more than 32% so far this year
- U.S. Customs and Border ProtectionCBP Directive No. 3340-049B, Border Search of Electronic Devices (gültig ab 1. Januar 2026)
- U.S. Customs and Border ProtectionBorder Search of Electronic Devices at Ports of Entry (Stand 4. August 2026)
- Auswärtiges AmtUSA/Vereinigte Staaten: Reise- und Sicherheitshinweise (Stand 24. Oktober 2026)
- Verordnung (EU) 2016/679Datenschutz-Grundverordnung, Artikel 32
- Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen§ 2 Begriffsbestimmungen
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