Seres führt die Automarke Aito seit dem 15. September wieder selbst, Huawei liefert nur noch Cockpit-Software und Fahrassistenz. Am 24. September begründete Huawei-Manager Yu Chengdong den Schritt erstmals öffentlich. Hinter dem Rollentausch steht ein Halbjahresverlust von 225 Millionen Euro beim Autobauer Seres.

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„Seres hat in den Jahren der Zusammenarbeit stark dazugelernt und von sich aus vorgeschlagen, Aito selbst zu führen. Huawei unterstützt das.“ Mit diesen Worten erklärte Yu Chengdong in einem Laden der Autoallianz HIMA in Hefei, warum Huawei die Führung von Aito abgibt. Aito ist die bislang erfolgreichste Marke der Allianz und erreichte im Januar 2026 ihr millionstes Fahrzeug.[3]

Das Wichtigste in Kürze

  • Seres verantwortet seit dem 15. September Produkt, Marketing, Vertrieb und Service von Aito, Huawei liefert nur noch die Technik.
  • Seres schrieb im ersten Halbjahr 2026 rund 225 Millionen Euro Verlust, nach 385 Millionen Euro Gewinn ein Jahr zuvor.
  • Huawei-Gründer Ren Zhengfei bekräftigte am 24. September bei Dongfeng, dass Huawei keine Autos baut.

Was ändert sich zwischen Huawei und Seres?

Ein weißes Modellauto und zwei Schlüsselanhänger mit den Wörtern „MARKE“ und „TECHNIK“
Seres übernimmt Produktentwicklung, Design, Vertrieb und Service der Automarke Aito. Aito baut eigenständiges Händlernetz auf und nutzt dafür ehemalige HIMA-Läden

Die Rollen kehren sich um. Laut der Mitteilung der Allianz HIMA vom 15. September bestimmt Seres künftig Produkt, Design, Vertrieb und Service von Aito.[1] Aito baut ein eigenes Händlernetz auf und übernimmt dafür einen Teil der bisherigen HIMA-Läden exklusiv.[3]

Vier Marken bleiben unter Huaweis Regie: Luxeed mit Chery, Stelato mit BAIC, Maextro mit JAC und Shangjie mit SAIC. Auf diese vier Marken will sich Huaweis Team laut Yu Chengdong nun konzentrieren.[1] Daneben verkauft Huawei seine Technik als reiner Zulieferer, etwa an Changan für fünf Marken oder an GAC für die neue Marke Qijing.

Warum will Seres die eigene Marke zurück?

Rote Zahlen schreibt Seres seit Jahresbeginn. Der Autobauer verbuchte im ersten Halbjahr 2026 einen Verlust von 1,72 Milliarden Yuan, rund 225 Millionen Euro, nach 2,94 Milliarden Yuan Gewinn im Vorjahr.[2] Der Umsatz sank um 7,9 Prozent auf 57,5 Milliarden Yuan (7,5 Milliarden Euro), obwohl der Absatz um 5,6 Prozent auf 161.000 Fahrzeuge stieg. Pro Auto nahm Seres also deutlich weniger ein. Die Umrechnung folgt dem EZB-Kurs vom 24. September (1 Yuan = 0,131 Euro).

Die Vertriebskosten fallen hoch aus. Laut Caixin flossen 14,7 Prozent des Seres-Umsatzes in den Vertrieb, beim Konkurrenten Li Auto waren es 8,9 Prozent.[2] Im HIMA-Modell steuert Huawei Marketing und Läden, Seres trägt Werk, Kapital und Lagerbestand. Das chinesische Automedium Che Shi Du Ping schätzt Huaweis Anteil auf 50.000 Yuan je verkauftem Aito, etwa 6.550 Euro. Bestätigt haben beide Firmen diese Zahl nicht. Solange Aito wuchs, reichte die Marge für beide Partner. Im August verkaufte Aito aber nur noch 20.600 Autos, 49,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.[4]

Den Ausstieg hat Seres lange vorbereitet. Im Juli 2024 kaufte das Unternehmen Huawei die Aito-Markenrechte für 2,5 Milliarden Yuan ab, rund 328 Millionen Euro. Einen Monat später folgten 11,5 Milliarden Yuan (1,5 Milliarden Euro) für 10 Prozent an Huaweis Autotechnik-Tochter Yinwang.[3]

Seres zahlt für Aito
Was die Partnerschaft mit Huawei den Autobauer gekostet hat und wie das erste Halbjahr 2026 lief
−225 Mio. €
Nettoergebnis von Seres im ersten Halbjahr 2026, nach +385 Mio. € im Vorjahr.
7,5 Mrd. €
Halbjahresumsatz, 7,9 % weniger als 2025, bei 5,6 % mehr verkauften Autos.
328 Mio. €
Kaufpreis für die Aito-Markenrechte, gezahlt an Huawei im Juli 2024.
1,5 Mrd. €
Für 10 % an Huaweis Autotechnik-Tochter Yinwang, August 2024.
Vertriebskosten in Prozent des Umsatzes, erstes Halbjahr 2026
Seres (Aito)
14,7 %
Li Auto
8,9 %

Huawei verkauft Autobauern das Gehirn des Fahrzeugs und steuerte bei Aito zusätzlich den Kundenkontakt. Ein Hersteller akzeptiert diese Arbeitsteilung nur, solange die Stückzahlen steigen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Audi und Europas Autobauer?

Ren Zhengfei zog am selben Tag eine klare Linie. Bei einem Treffen mit Dongfeng sagte der Huawei-Gründer, Dongfeng habe die Grundlagen für den Autobau, Huawei baue keine Autos, helfe aber gern bei der Fahrzeugintelligenz.[1]

Die Zuliefererrolle betrifft deutsche Hersteller direkt. Audi verbaut Huaweis Fahrassistenz in China im A5L, im Q6L e-tron und im A6L e-tron, behält aber Marke, Preis und Kundenkontakt. Volkswagen überlässt die Assistenz seiner China-Autos dem Chipentwickler Horizon Robotics. Der Aito-Fall zeigt die Kehrseite des Komplettpakets. Ein Partner, der Vertrieb und Markenauftritt abgibt, verliert mit ihnen die Hebel für seine Marge.

Einkäufer von Softwareplattformen sollten deshalb vertraglich festhalten, wem Kundendaten, Preishoheit und Markenrechte gehören und wie ein späterer Rückkauf abläuft. Seres zahlte für die eigene Marke am Ende 2,5 Milliarden Yuan.

Wem gehört die Automarke Aito?

Die Markenrechte an Aito gehören dem chinesischen Autobauer Seres, der sie im Juli 2024 für 2,5 Milliarden Yuan von Huawei gekauft hat. Seit dem 15. September 2026 führt Seres auch Produktplanung, Design, Marketing, Vertrieb und Service. Huawei liefert weiterhin Cockpit-Software und Fahrassistenz.

Baut Huawei eigene Autos?

Nein. Huawei-Gründer Ren Zhengfei bekräftigte am 24. September 2026, dass Huawei keine Autos baut. Huawei liefert Technik wie HarmonyOS und die Fahrassistenz Qiankun ADS und führt bei vier Marken der Allianz HIMA Produkt, Marketing und Vertrieb, die Fahrzeuge bauen die Partner.

Warum gibt Huawei die Führung von Aito ab?

Laut Huawei hat Seres selbst vorgeschlagen, Aito zu führen. Seres schrieb im ersten Halbjahr 2026 einen Verlust von rund 225 Millionen Euro und gab 14,7 Prozent des Umsatzes für den Vertrieb aus. Mit eigenem Händlernetz will Seres Kosten und Marge selbst steuern.

Nutzen deutsche Autobauer Huawei-Technik?

Ja, in China. Audi verbaut Huaweis Fahrassistenz Qiankun ADS in Modellen wie A5L, Q6L e-tron und A6L e-tron. Anders als bei Aito bleiben Marke, Preisgestaltung und Kundenkontakt bei Audi, Huawei tritt dort als Zulieferer auf.

Quellen

[1] ifanr (爱范儿): „早报|网易云音乐鸿蒙版正式上线/任正非重申「华为不造车」/腾讯QClaw将停运“

[2] Caixin Global: „Seres Takes Full Control of Aito EV Brand From Huawei“

[3] CnEVPost: „Huawei reshapes Aito partnership as Seres takes operational lead“

[4] KrASIA: „Seres takes the lead at Aito as Huawei reshapes its role“

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