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Stihl-Chef Michael Traub sieht derzeit keinen Zwang, Werke in Deutschland zu schließen, ein neues will er hier aber nicht bauen. Akkugeräte lassen sich nach Traubs Worten in Deutschland nicht wirtschaftlich fertigen. Genau diese Geräte sollen bis 2035 rund 80 Prozent des Stihl-Absatzes ausmachen.

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Im westrumänischen Oradea laufen seit Oktober 2025 die Akkupacks vom Band, Stihl hat dort 125 Millionen Euro investiert.[3] Bis 2028 soll das Werk mit rund 700 Beschäftigten jährlich 1,8 Millionen Akkupacks und 1,7 Millionen Akkugeräte liefern. Ein vergleichbares Werk in Deutschland schließt der Vorstandschef des Herstellers aus Waiblingen im Interview mit dem Handelsblatt aus.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Stihl plant keine neuen Werke in Deutschland, will die bestehenden Standorte aber auch nicht schließen.
  • Akkugeräte fertigt Stihl im rumänischen Oradea, laut Traub rechnet sich deren Fertigung in Deutschland nicht.
  • Im deutschen Stammhaus arbeiteten Ende 2025 noch 5.831 Menschen, 233 weniger als ein Jahr zuvor.
  • Für 2026 erwartet Stihl wegen der Trockenheit in Europa einen leichten Umsatzrückgang.

Was hat Traub genau angekündigt?

Ein grauer Behälter mit einem orangefarbenen Anhänger und dem Wort „ORADEA“
Stihl-Chef Traub: Keine Werkschließungen geplant, aber auch kein Wachstum der deutschen Standorte vorgesehen

„Wir sehen derzeit keinen Zwang, Werke zu schließen. Aber es werden auch nicht mehr“, sagte Traub dem Handelsblatt.[1] Die Fertigung benzinbetriebener Profigeräte in Deutschland sieht der Vorstandschef nicht bedroht, einen Stellenabbau hält er derzeit nicht für nötig. Formal beschlossen ist nichts, Traub beschreibt seinen Kurs für die Standorte: Die deutschen Werke bleiben bestehen und wachsen nicht mehr.

Das Stammhaus mit acht deutschen Standorten beschäftigte Ende 2025 noch 5.831 Menschen, 233 oder 3,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.[2] Weltweit wuchs die Belegschaft im selben Zeitraum um 2,6 Prozent auf 20.246. Für 2026 rechnet Traub mit einem leichten Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich, weil Gras und Gebüsch in der Hitze austrocknen und Kunden dann weniger Schneidgeräte kaufen. Warum Stihl zu den 5,48 Milliarden Euro Umsatz von 2025 keinen Gewinn veröffentlicht, zeigt unsere Analyse des Geschäftsmodells.

Warum rechnet sich der Akku nicht in Waiblingen?

Beim Akkugerät fallen Zylinder und Vergaser weg, also Teile des Verbrennungsmotors, die Stihl bisher selbst fertigt. Übrig bleiben Elektromotor und Akkupack samt Elektronik. Für deren Fertigung nennt Traub die hohen Arbeitskosten in Deutschland als Hindernis.[1] Eine Arbeitsstunde kostete 2025 laut Statistischem Bundesamt hierzulande im Schnitt 45,00 Euro, in Rumänien 13,60 Euro.[4] Aufsichtsratschef Nikolas Stihl fordert seit September die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich.

Ende 2025 war gut jedes vierte verkaufte Stihl-Gerät ein Akkugerät, bis 2027 soll der Anteil auf rund 35 Prozent steigen, bis 2035 auf rund 80 Prozent.[3] Mit jedem Prozentpunkt mehr Akkuanteil schrumpft das Segment, für das Traub die deutschen Werke vorsieht. Ganz ohne Elektrik bleibt der Stammsitz nicht: In Waiblingen hat Stihl begonnen, bürstenlose Elektromotoren (EC-Motoren) selbst zu fertigen.[2]

Stihl baut den Akku in Rumänien
Was Traubs Absage an neue Werke für den Standort Deutschland bedeutet
5.831
Beschäftigte im deutschen Stammhaus Ende 2025, 233 weniger als 2024
125 Mio. €
hat Stihl in das Akkuwerk im rumänischen Oradea investiert
45,00 € zu 13,60 €
kostete 2025 eine Arbeitsstunde in Deutschland und in Rumänien
80 %
Anteil der Akkugeräte am Absatz, den Stihl bis 2035 anstrebt (Ende 2025: gut ein Viertel)
So hat sich der Kurs entwickelt
Anfang 2024
Stihl stoppt die Pläne für ein neues Werk in Ludwigsburg und nennt Bau- und Energiekosten.
Oktober 2025
Das Akkuwerk in Oradea nimmt den Betrieb auf.
26. Oktober 2026
Traub schließt neue Werke in Deutschland aus, Schließungen plant er nicht.
2028
Oradea soll mit rund 700 Beschäftigten 1,8 Millionen Akkupacks im Jahr liefern.

Was bedeutet der Kurs für die Region und die Zulieferer?

Roche hat neue Investitionen in Deutschland ausgesetzt, Harting verlagert einzelne Aufgaben seiner Autosparte aus Espelkamp nach Rumänien. Bei Stihl selbst wandert nicht zum ersten Mal Arbeit ins Ausland: Die Entwicklung der Mähroboter hat das Unternehmen bereits nach China verlegt.

Zulieferer im Rems-Murr-Kreis sollten ihre Aufträge danach sortieren, welche am Benzinmotor hängen. Diese Aufträge schrumpfen mit jedem Prozentpunkt Akkuanteil, das Wachstum entsteht in Oradea. Ein Zulieferer, der mitwachsen will, braucht deshalb freie Kapazitäten für Lieferungen nach Oradea. Eine Stellungnahme von Betriebsrat oder IG Metall zu Traubs Aussagen lag bis Mittwochmittag nicht vor.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. HandelsblattStihl-Chef: Neue Fertigung in Deutschland? ‚Da fehlt mir derzeit die Fantasie‘ (Interview mit Michael Traub, 26.10.2026, hinter Bezahlschranke)
  2. StihlSTIHL successfully closes 2025 fiscal year and accelerates battery transformation20.05.2026
  3. StihlSTIHL strengthens its global network with the inauguration of its first battery-exclusive plant in Oradea, Romania16.10.2025
  4. Statistisches BundesamtEine Arbeitsstunde kostete im Jahr 2025 durchschnittlich 45,00 Euro (Pressemitteilung Nr. 148 vom 29.04.2026)

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