Artikel teilen

Der Kauf von MediaMarkt und Saturn durch JD.com hat die letzte Hürde genommen. Die EU-Kommission hat den Chinesen nach der Drittstaaten-Subventionsverordnung freigegeben, die Vollzugsbedingungen des Angebots sind damit erfüllt. Ceconomy mit rund 50.000 Beschäftigten und mehr als 1.000 Filialen gehört in den kommenden Tagen dem Onlinehändler aus Peking.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen
Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was hat die EU-Kommission geprüft?
  2. Welche Genehmigungen gab es vorher?
  3. Was ändert sich für Kunden und Beschäftigte?
  4. Mehr Newshunger?

Ceconomy hat die Freigabe am Dienstag per Ad-hoc-Mitteilung gemeldet.[1] Nach Angaben beider Unternehmen steht der Vollzug des Kaufs nur noch wenige Tage bevor. Wie die Kommission ihre Entscheidung im Einzelnen begründet, nennen die Unternehmen nicht.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Die EU-Kommission hat den Kauf am 3. November nach der Drittstaaten-Subventionsverordnung freigegeben. Es war die letzte offene Genehmigung.
  • Zuvor hatten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Österreich die Investition geprüft und freigegeben.
  • JD.com hat nach Angaben von Ceconomy verbindliche Zusagen zum Schutz von Beschäftigten, Marken und Filialen gegeben.
  • JD.com bietet 4,60 Euro je Aktie und hält mit Convergenta zusammen 85,2 Prozent. Ein Rückzug von der Börse ist nach dem Vollzug möglich.

Was hat die EU-Kommission geprüft?

Ein weißer Einkaufswagen mit orangefarbenem Anhänger „Freigegeben“ und Haken-Stempel daneben
EU-Kommission untersucht chinesische Subventionen für JD.com. Prüfung auf unfaire Vorteile durch günstige Kredite, Steuervorteile und Zuschüsse seit April

Die Kommission prüfte, ob Geld aus China JD.com einen unfairen Vorteil im Binnenmarkt verschafft, etwa über günstige Kredite, Steuervorteile oder Zuschüsse. Die Prüfung nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen begann mit der Anmeldung am 17. April, im Mai eröffnete die Kommission das Hauptverfahren. Nach Reuters-Angaben legte JD.com im August und September Zusagen vor, unter anderem sollten kleinere Wettbewerber von Ceconomy die Logistik und IT-Systeme von JD.com in Europa zu marktüblichen Preisen nutzen dürfen.

Die Frist verschob sich dadurch von Anfang Oktober auf den 4. November. Die Kommission entschied einen Tag vor Fristende. Es war damit die erste vertiefte Prüfung eines chinesischen Käufers nach dieser Verordnung. Ob die Zusagen unverändert in die Entscheidung eingeflossen sind, geben die Unternehmen nicht bekannt.[1]

Welche Genehmigungen gab es vorher?

Die Investitionsprüfungen liefen länderweise. Deutschland genehmigte am 29. Juni mit Auflagen zum Schutz der Kundendaten und mit Kontroll- und Widerrufsrechten des Bundes. Österreich folgte im Oktober mit Auflagen zu Kundendaten, Lieferketten und Personal in sensiblen Bereichen, deren genauen Inhalt das Wirtschaftsministerium nicht veröffentlicht. Hinzu kamen Frankreich, Italien und Spanien.[1]

Das Angebot selbst war schon im Dezember durch: JD.com sicherte sich nach der weiteren Annahmefrist 59,8 Prozent der Aktien, mit dem Großaktionär Convergenta kommen beide auf 85,2 Prozent.[2] Ein Mindestquorum gab es nicht, es fehlte nur die behördliche Zustimmung.

Ceconomy und JD.com: Die Übernahme im Überblick
Was die EU-Freigabe abschließt und was bleibt
über 1.000
Filialen unter MediaMarkt, Saturn und MediaWorld
rund 50.000
Beschäftigte bei Ceconomy
4,60 €
Angebotspreis je Ceconomy-Aktie in bar
5 + 1
Investitionsprüfungen in fünf Ländern, dazu die EU-Prüfung nach der Subventionsverordnung

Vom Angebot zur Freigabe

2. Dezember 2025
JD.com sichert sich 59,8 Prozent der Aktien, mit Convergenta zusammen 85,2 Prozent
17. April 2026
JD.com meldet den Kauf bei der EU-Kommission an
29. Juni 2026
Deutschland genehmigt mit Auflagen zu Kundendaten und Kontrollrechten
Oktober 2026
Österreich genehmigt mit Auflagen zu Daten, Lieferketten und Personal
3. November 2026
Die EU-Kommission gibt den Kauf frei, alle Vollzugsbedingungen sind erfüllt

Der Kauf ist durch, die Zusagen bleiben. Ob sie im Alltag halten, zeigt erst die Zeit nach dem Vollzug.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Was ändert sich für Kunden und Beschäftigte?

Ceconomy soll nach Angaben von JD.com in Europa eigenständig bleiben, mit eigener IT vor Ort. Änderungen bei Personal, Mitarbeitervereinbarungen und Standorten sind laut dem Angebot vom Dezember nicht geplant.[2] Für die Marken MediaMarkt, Saturn und MediaWorld hat JD.com ebenfalls Zusagen gegeben.[1]

Geschäftlich wächst der Konzern: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres stieg der Umsatz um 5,0 Prozent auf 18,4 Milliarden Euro, das bereinigte EBIT lag mit 342 Millionen Euro um 62 Millionen höher. Der Onlineanteil erreichte 28,2 Prozent. Mit JD.com kommt nun ein Eigentümer, der Logistik und Lieferketten in großem Maßstab betreibt.

Für Lieferanten und Händler, die mit Ceconomy Verträge haben, bleibt der Vertragspartner zunächst derselbe. Ein späterer Rückzug von der Börse ist laut JD.com nach dem Vollzug möglich und würde die Berichtspflichten des Konzerns verändern.

Quellen

2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. CECONOMYCECONOMY and JD.com receive final regulatory clearance, sowie Ad-hoc-Mitteilung „Information on the ongoing public takeover offer – Satisfaction of all closing conditions“03.11.2026
  2. JD.comJD.com successfully secures 59.8% of CECONOMY as final result after end of additional acceptance period02.12.2025

Mehr Newshunger?

4,4 11 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dr. Web Newsletter

Jede Woche ein bisschen klüger.

Der Dr. Web Newsletter: die besten Artikel, Anbieter-Tipps und neue Tools, kompakt zusammengefasst, jeden Donnerstag. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.