Rund 1.100 Beschäftigte in fünf US-Standorten wechseln von Merck zu Lonza. Der Darmstädter Konzern beliefert Auftragsfertiger wie Lonza weiter mit Verbrauchsmaterial, betreibt aber künftig keine eigene Auftragsfertigung mehr. Der Kaufpreis liegt laut Merck im mittleren dreistelligen Millionenbereich in Euro.
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Merck KGaA hat am 3. November einen Vertrag unterzeichnet, mit dem der Schweizer Auftragsfertiger Lonza das CDMO-Geschäft des Darmstädter Konzerns übernimmt.[1] CDMO steht für Auftragsentwicklung und Auftragsfertigung von Medikamenten für fremde Pharma- und Biotechfirmen. Einen genauen Preis nennen die beiden Unternehmen nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Zum Verkauf gehören Standorte in Carlsbad, Madison, Verona, Indianapolis und St. Louis, alle in den USA.
- Lonza erwartet 2028 rund 265 Millionen Euro (250 Millionen Franken) Umsatz aus dem Geschäft, bei einer Marge unter dem Konzerndurchschnitt.
- Merck behält das Prüfgeschäft BioReliance und bleibt Lieferant für CDMO-Kunden, auch für Lonza.
- Der Abschluss ist für Mitte 2027 geplant, bis dahin bleibt das Geschäft bei Merck.
Warum trennt sich Merck von den Fabriken?

Die Standorte decken Spezialfertigung ab: In Madison und Verona entstehen hochpotente Wirkstoffbausteine für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, Carlsbad stellt Viralvektoren her, Indianapolis fertigt Lipid-Nanopartikel und Liposomen. St. Louis liefert die Verknüpfung von Wirkstoff und Antikörper.[2]
Jean-Charles Wirth, Vorstand und Chef des Life-Science-Sektors, begründet den Schritt mit Konzentration: „Ein stärker gebündeltes Life-Science-Portfolio erlaubt uns, unsere Investitionen zu fokussieren.“[1] Dahinter steckt ein Rollenkonflikt. Merck verkauft Verbrauchsmaterial und Technologie an Auftragsfertiger und hat dort zugleich selbst gefertigt. Der Käufer Lonza ist selbst Kunde des Konzerns.
Rechnerisch ist der Posten klein: Die für 2028 erwarteten rund 265 Millionen Euro Umsatz entsprächen gut einem Prozent des Konzernumsatzes von 21,1 Milliarden Euro im Jahr 2025.[1][2] Merck investiert stattdessen in andere Felder, etwa in ein Werk für Chipmaterial in Südkorea.
Welches Muster steckt hinter dem Verkauf?
Das passt zu einem Muster aus diesem Herbst: Siemens Healthineers trennt sich von seinem indischen Klinikgeschäft, Stratec verkauft die Verlustsparte Diatron. Auf der Käuferseite wächst, wer sich auf Auftragsfertigung spezialisiert: Lonza hat sein Kapselgeschäft an Lone Star Funds abgegeben und versteht sich nun als reiner CDMO.
Zulieferer wie Sartorius verdienen an fremden Medikamenten mit. Fresenius geht den umgekehrten Weg und übernimmt mAbxience komplett, um Biosimilars selbst zu fertigen. Zugleich bucht der Konzern bei WuXi Biologics bis zu 37 Kandidaten. Ob eigene Fabrik oder Lohnfertigung, entscheidet zunehmend die Kapitalfrage.
Fünf Standorte, vier Spezialitäten
Merck liefert künftig die Zutaten und überlässt Lonza die Hallen samt Risiko.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Kunden in Deutschland?
Alle fünf Standorte liegen in den USA, in Deutschland ändert sich an Werken nichts. Pharma- und Biotechfirmen, die Aufträge an diese Standorte vergeben haben, bleiben bis zum Abschluss bei Merck.
Auftraggeber sollten jetzt Verträge prüfen: Gelten Qualitätsvereinbarungen und Preise nach dem Wechsel unverändert? Und welcher Ansprechpartner verantwortet künftig die Audits der Standorte? Lonza rechnet mit einer Marge unter dem eigenen Schnitt, Preise und Auslastung dürften deshalb Thema werden.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Merck KGaA, DarmstadtMerck KGaA, Darmstadt, Germany, to Divest CDMO Business to Lonza (Pressemitteilung)
- LonzaLonza Signs Agreement to Acquire US CDMO Network from Merck KGaA, Darmstadt, Germany, and Significantly Expands its US Presence (Pressemitteilung)
Mehr Newshunger?
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