Zeiss übernimmt den schottischen Hologramm-Spezialisten Ceres Holographics. Die Firma aus Livingston stellt hauchdünne Folien her, über die ein kleiner Projektor Fahrdaten in die Windschutzscheibe lenkt. Den Kaufpreis halten beide Seiten unter Verschluss.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMit Ceres Holographics holt sich Zeiss eine eigene Hologrammfertigung ins Haus. Ceres wird Teil der Geschäftseinheit Zeiss Microoptics in Jena, wie der Konzern am 8. Oktober mitteilte.[1] Für Autohersteller rückt damit eine Anzeige näher, die ohne die Spiegel- und Linsenoptik klassischer Head-up-Displays auskommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Zeiss kauft Ceres Holographics aus Livingston in Schottland.
- Ceres fertigt seit 2009 holografische Folien für transparente Displays und Augmented Reality.
- Hauptanwendung sind Anzeigen, die Fahrdaten in der Windschutzscheibe zeigen.
Was kauft Zeiss in Schottland?

Ceres entwirft, mastert und vervielfältigt seit 2009 dünne holografische optische Elemente, kurz HOE. Der Schwerpunkt liegt auf Displays in der Windschutzscheibe, mit Autoherstellern arbeitet Ceres laut Zeiss eng zusammen.[1]
Zeiss bündelt die Holografie in der Einheit Microoptics. Die Einheit gehört zum Geschäftsbereich Photonics & Optics und deckt nach eigenen Angaben die ganze Kette ab, vom optischen Design über das Mastering bis zu Replikationsanlagen für die Serie.
„Gemeinsam schreiben wir ein neues Kapitel in der Kommerzialisierung der Holografie“, sagt Roman Kleindienst, Leiter von Zeiss Microoptics. Ceres-Chef Andy Travers ergänzt: „Der Zusammenschluss mit Zeiss gibt uns die Chance, auf diesem Erfolg aufzubauen und größer zu werden.“[1]
Warum braucht die Frontscheibe keinen Spiegel mehr?
Ein klassisches Head-up-Display wirft sein Bild über Spiegel und Linsen aus dem Armaturenbrett auf die Scheibe. Je größer das Bild, desto mehr Bauraum braucht diese Optik. Eine Hologrammfolie in der Scheibe lenkt das Licht dagegen per Beugung zum Auge des Fahrers, dafür genügt ein kleiner Projektor.
Hyundai Mobis und Zeiss hatten im Oktober 2024 vereinbart, eine solche Anzeige gemeinsam zu entwickeln. Zeiss liefert die Folie, laut Branchenberichten dünner als 0,1 mm, Mobis den Projektor. Den Serienstart peilten beide frühestens für 2027 an.
Euro NCAP prüft seit Januar 2026, ob Tempo, Tempolimit und Assistenzstatus in einer Zone von 30 Grad zur Seite und nach unten erscheinen, gemessen vom Auge des Fahrers.[2] BMW setzt im neuen 3er passend dazu auf ein Anzeigeband am Fuß der Frontscheibe. Eine holografische Scheibe kann dagegen die ganze Fläche bespielen.
Zeiss kauft mit Ceres vor allem Fertigungserfahrung, denn Holografie bringt erst in der Serie Geld.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Kauf für Cockpit-Zulieferer und Entwickler?
Im Cockpit-Geschäft liefert Zeiss damit Folie, Mastering und Replikationsanlagen aus einer Hand. Als weitere Anwendungen nennt Zeiss Kameras, die sich in transparente Flächen einbauen lassen, sowie Datenbrillen, Handel und öffentlichen Verkehr.[1] Bedarf an Innenraumkameras gibt es bereits: Seit Juli 2026 braucht jeder Neuwagen in der EU eine Kamera, die den Fahrer beobachtet.
Bei Datenbrillen fehlt dagegen noch die Masse: Fielmann führt Smartglasses in nur 200 von 1.300 Filialen. Wie viele Beschäftigte Ceres in Livingston hat und was aus dem Standort wird, teilte Zeiss nicht mit.
Entwicklerteams für Fahrzeug-Apps und Bordsoftware planen Oberflächen am besten schon jetzt für die 30-Grad-Zone: wenige große Elemente, Tempo und Warnungen zuerst.
Quellen
[1] Zeiss: „ZEISS Acquires Ceres Holographics to Advance Holography“ (08.10.2026)
[2] Euro NCAP: „Safe Driving Driver Engagement Protocol, Version 1.1“
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