TUI hat seine Gewinnprognose für 2026 verengt und bleibt damit unter dem Vorjahr. Den Ausschlag geben Urlauber, die angesichts des Iran-Kriegs immer später buchen. Die eigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffe halten den Konzern dagegen stabil.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie neue TUI-Prognose sieht ein bereinigtes Betriebsergebnis zwischen 1,2 und 1,3 Milliarden Euro vor, nach zuvor 1,1 bis 1,4 Milliarden.[1] Die Mitte der Spanne bleibt unverändert und liegt unter den 1,41 Milliarden Euro des Vorjahres.
Das Wichtigste in Kürze
- TUI erwartet 2026 ein bereinigtes Betriebsergebnis von 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro.
- Im Veranstaltergeschäft liegt der gebuchte Umsatz im Sommer 5 Prozent, im Winter 7 Prozent unter Vorjahr.
- In eigenen Hotels und auf den Kreuzfahrtschiffen setzt TUI trotzdem höhere Preise durch.
- Für den Sommer 2027 hat TUI erst 39 Prozent seines Kerosinbedarfs abgesichert.
Wie schwach läuft das Pauschalreisegeschäft?

Im Segment Markets + Airline, also bei Veranstaltern und Fluggesellschaften, liegt der gebuchte Umsatz für den Sommer 2026 bei minus 5 Prozent. In Großbritannien beträgt der Rückgang 7 Prozent, in Deutschland nur 2 Prozent. Für den Winter 2026/27 fehlen bislang 7 Prozent, hierzulande 4 Prozent.
Warum treffen späte Buchungen einen Veranstalter so hart?
Ein Reiseveranstalter kauft Flugsitze und Hotelkontingente Monate im Voraus ein, TUI nennt diesen Bestand Eigenrisiko-Kapazität. Bucht die Kundschaft spät, weiß der Konzern lange nicht, ob die Sitze voll werden. Unverkaufte Plätze gehen mit Rabatt weg oder bleiben leer. Für den Sommer kürzte TUI diese Kapazität um 5 Prozent, genau so viel, wie der gebuchte Umsatz inzwischen zurückliegt.
Parallel verkauft TUI mehr dynamisch gebündelte Reisen, bei denen der Veranstalter Flug und Hotel erst bei der Buchung zusammenstellt und kein Auslastungsrisiko für vorab eingekaufte Sitze trägt. Die durchschnittlichen Verkaufspreise hielten sich im Sommer wie im Winter stabil.
Die Prognose steht unter Vorbehalt
TUI unterstellt, dass sich die geopolitischen Spannungen nicht wesentlich verschärfen und die Versorgung mit Treibstoff gesichert bleibt.
Wo verdient TUI eigentlich sein Geld?
Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschafteten Hotels, Kreuzfahrten und Ausflüge ein bereinigtes Betriebsergebnis von 1,31 Milliarden Euro, das Veranstalter- und Airline-Geschäft nur 217 Millionen Euro.[2] Unter dem Schlagwort asset-right baut TUI eigene Hotels und Schiffe aus, zuletzt die Mein Schiff Flow mit 4.000 Betten, die im Juni in Dienst ging.
Dieser Teil des Konzerns setzt auch im Krisenjahr höhere Preise durch: Die Tagesrate der eigenen Hotels stieg im Quartal Juli bis September um 4 Prozent, bei den Kreuzfahrten um 2 Prozent. Für den Winter liegt die gebuchte Auslastung der Schiffe 6 Punkte unter Vorjahr, weil TUI die Routen der Mein Schiff Flow nach Kriegsbeginn neu planen musste.
TUI verdient sein Geld längst mit eigenen Betten und Kabinen, der vorab eingekaufte Flugsitz ist das riskanteste Glied im Paket. Für den Sommer 2027 ist erst gut ein Drittel des Kerosins gesichert. Am Treibstoffpreis entscheidet sich deshalb die nächste Prognose.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Trend für Reisende und Unternehmen?
Die offene Flanke liegt beim Kerosin, denn für den Sommer 2027 sind erst 39 Prozent des Bedarfs abgesichert. Während der monatelangen Sperrung der Straße von Hormus stieg der Ölpreis bereits, und der Gewinneinbruch der Lufthansa zeigte, wie schnell teures Kerosin auf das Ergebnis durchschlägt.
Für Urlauber und Firmen mit Gruppen- oder Incentive-Reisen spricht die unsichere Lage für die Pauschalreise. Nach § 651h BGB treten Reisende kostenlos zurück, falls unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände am Zielort die Reise erheblich beeinträchtigen. Bei einzeln gebuchten Flügen und Hotels fehlt dieser Schutz, vor der Buchung lohnt sich deshalb ein Blick auf den Paketstatus.
Am 9. Dezember legt TUI die Jahreszahlen vor. Ab Februar 2027 muss auch der designierte Aufsichtsratschef Johan Lundgren die Strategie mittragen. Als früherer easyJet-Chef kennt Lundgren das Airline-Risiko aus erster Hand.
Quellen
[2] TUI Group: „TUI reports strong results for the full year 2025“ (10. Dezember 2025)
Mehr Newshunger?
- TUI holt Johan Lundgren an die Aufsichtsratsspitze: Ein easyJet-Veteran folgt auf Zetsche
- Lufthansa-Gewinneinbruch: 750 Millionen Euro mehr für Kerosin
- EU-Gericht stoppt Bookings 1,63-Milliarden-Kauf von eTraveli
- Airbnb Experiences: Tripadvisor liefert den Katalog, Airbnb die Kundschaft
- Reisewarnung 2026: Gift für Welthandel und Tourismus
- Hormus-Krise: vier Lektionen, so alt wie der Handel