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Die Sperrung der Straße von Hormus hat die Weltwirtschaft weit weniger erschüttert als befürchtet. Die Gründe dafür sind keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Vier Prinzipien der Versorgungssicherheit sind so alt wie der Fernhandel und entscheiden auch heute über die Folgen eines Schocks.

Versorgungssicherheit galt jahrzehntelang als Thema für Geografen und Generäle, nicht für Controller. Die monatelange Sperrung der Straße von Hormus hat das geändert. Der Ölpreis stieg, die Inflation zog an, doch der große Crash blieb aus, und das hat handfeste Gründe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Hormus-Krise traf die Weltwirtschaft milder als die Ölschocks der 1970er oder der Ukraine-Krieg 2022.
  • Strategische Reserven, alternative Exportrouten und flexible Nachfrage haben den Schlag abgefedert.
  • Laut IEA fällt die globale Ölnachfrage im zweiten Quartal um rund fünf Millionen Barrel pro Tag, der erste Quartalsrückgang seit 2020.

Die Internationale Energieagentur rechnet für das zweite Quartal mit einem Rückgang der globalen Ölnachfrage um rund fünf Millionen Barrel pro Tag, dem ersten Quartalsminus seit dem Pandemiejahr 2020. Trotzdem fiel der Schaden geringer aus als beim Ölembargo von 1973 oder nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Vier Lektionen erklären das, und alle vier kannten schon vorindustrielle Handelsreiche.

Reserven schlagen Prognosen

Schon die Verwalter im alten Ägypten füllten Kornspeicher für die mageren Jahre, und Rom sicherte seine Hauptstadt über die staatliche Getreidezuteilung. Vor der Hormus-Krise hielten die großen Importeure in Europa und Asien gut gefüllte strategische Reserven, ergänzt durch koordinierte Notfallfreigaben der Energieagentur. Dieser Puffer verschaffte den Industrieländern Zeit. Reserven wirken wie totes Kapital, bis zu dem Tag, an dem sie eine Volkswirtschaft durch den Engpass tragen.

Eine Route ist keine Route

Die Seidenstraße verlief nie über einen einzigen Pass. Fiel ein Gebirgsübergang aus, wichen die Karawanen auf Nebenrouten aus, und die Hanse verteilte ihre Fracht über viele Häfen zugleich. Genau das wiederholte sich am Golf: Saudi-Arabien lenkte Öl über den Rotmeer-Hafen Yanbu, die Emirate exportierten per Pipeline nach Fujairah am Golf von Oman. Wie teuer fehlende Alternativrouten werden, zeigt auch die europäische Debatte um drei Pflichtlieferanten für Seltene Erden.

Nachfrage lässt sich drosseln

Belagerte Städte rationierten Brot, lange bevor Ökonomen den Begriff Nachfrageelastizität prägten. China zog im Frühjahr genau dieses Register: Peking drosselte die Importe, fuhr Raffinerien zurück und griff auf eigene Reserven zu, während Länder wie Bangladesch und Sri Lanka den Kraftstoff rationierten. Der weltweite Nachfragerückgang um fünf Millionen Barrel pro Tag im zweiten Quartal ist zu einem guten Teil bewusst gesteuerte Drosselung.

Volle Lager und mehr als eine Handelsroute haben Reiche schon vor dreitausend Jahren durch Engpässe getragen. Heute entscheiden dieselben Hebel über die Bilanz eines Mittelständlers.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Sparsamkeit ist eine Form von Souveränität

Effizienz klingt nach Betriebswirtschaft, ist aber pure Geopolitik. Seit dem Jahr 2000 ist die Energieintensität der Industrieländer um rund ein Drittel gesunken, jeder erwirtschaftete Euro braucht also deutlich weniger Energie als früher. Dazu kommt der Umstieg auf Wind und Sonne. In den USA hat Solarstrom erstmals die Kohle überholt, und Millionen Elektroautos senken den Benzinbedarf. Eine Volkswirtschaft, die mit weniger Öl auskommt, ist schwerer zu erpressen.

Die vernetzte Wirtschaft verschärft beide Seiten der Rechnung. Eine Störung an einer 34 Kilometer breiten Meerenge erreicht die Tankstelle in Freiburg binnen Tagen, doch über dieselben Netze verteilt sich auch die Anpassung in Rekordzeit, vom umgeleiteten Tanker bis zum asiatischen Chip-Boom, der die Energielast teilweise ausgleicht. Für deutsche Betriebe, die Energie- und Rohstoffpreise inzwischen als größtes Risiko nennen, übersetzen sich die vier Lektionen in konkrete Hausaufgaben: einen Lagerpuffer einplanen, jede kritische Bezugsquelle doppeln, den Verbrauch flexibel halten und Effizienz als Versicherung begreifen.

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