Bedroht der Iran-Krieg den KI-Boom? Definitiv.
24. März 2026
Reading Time: 7 minutes

Bedroht der Iran-Krieg den KI-Boom?

Michael Dobler

Michael Dobler

Autor Dr. Web
4.6
(17)

Die Sperrung der Straße von Hormus trifft die globale Chip-Lieferkette an ihrer verwundbarsten Stelle. Taiwans Chipfertigung und Koreas Speicherindustrie hängen am Energienachschub aus dem Nahen Osten. Was das für Ihre IT-Strategie bedeutet.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Die neue GPU ist bestellt, das KI-Projekt steht in den Startlöchern, und dann verzögert sich die Lieferung um Monate. Die Straße von Hormus ist seit Anfang März 2026 faktisch gesperrt, und die Folgen reichen weit über den Ölpreis hinaus. Rund 20 % der weltweiten Öl- und Gasversorgung fließen normalerweise durch diese 34 Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und Oman. Seit dem Beginn der Operation Epic Fury am 28. Februar steht der Schiffsverkehr weitgehend still.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Straße von Hormus ist seit Anfang März 2026 für den internationalen Schiffsverkehr faktisch gesperrt
  • Taiwan importiert 97 % seiner Energie, 37 % des Stroms stammen aus Flüssiggas, das durch die Meerenge transportiert wird
  • Südkorea bezieht 70 % seines Rohöls aus dem Nahen Osten. Samsung und SK Hynix kontrollieren 80 % des HBM- und 70 % des DRAM-Marktes
  • Katar liefert über ein Drittel des weltweiten Heliums, das für die Chip-Lithografie unverzichtbar ist. Ein Ersatz existiert derzeit nicht

Warum trifft ein Seekrieg die Chip-Industrie?

Ein roter Schiffscontainer steht offen, goldene Münzen quellen heraus auf einen weißen Boden

Die Verbindung klingt zunächst überraschend: Ein Konflikt am Persischen Golf bedroht Halbleiterfabriken in Ostasien. Der Grund liegt in der Energieabhängigkeit der größten Chip-Produzenten der Welt. Taiwan, wo TSMC allein 90 % der weltweit modernsten Halbleiter fertigt, importiert 97 % seiner Energie. Südkorea bezieht 70 % seines Rohöls über die Straße von Hormus. Beide Länder betreiben Fabriken, die rund um die Uhr eine stabile Stromversorgung brauchen.

Dazu kommt ein kritischer Rohstoff: Helium. Katar produziert über ein Drittel des globalen Heliums, das für Kühlung und Lithografie in der Chipfertigung unverzichtbar ist. Phil Kornbluth, Präsident von Kornbluth Helium Consulting, warnte gegenüber CNBC, dass eine längere Schließung der Meerenge mehr als 25 % des weltweiten Heliumangebots vom Markt nehmen würde.

„Die Chip-Industrie ist bei stabilen Lieferketten robust, aber bei Helium gibt es keinen Plan B“, sagte Neil Shearing, Chefvolkswirt bei Capital Economics, gegenüber Morningstar.

Wie stark spürt die Branche die Folgen schon?

Industriearmatur mit Manometer und daneben liegendem Mikrochip
Samsung und SK Hynix verlieren über 20 % Börsenwert. DRAM- und HBM-Preise verdoppeln sich im Q1 2026

Samsung und SK Hynix, die zusammen 80 % der High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM) und knapp 70 % des DRAM-Marktes kontrollieren, verloren jeweils über 20 % an Börsenwert. Der südkoreanische KOSPI-Index brach um 18 % ein. DRAM- und HBM-Preise haben sich laut Counterpoint Research im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal nahezu verdoppelt. Rechenzentren beanspruchen bereits rund 50 % der globalen DRAM-Produktion, bis Jahresende sollen es laut Prognosen 70 % werden.

Die Heliumvorräte der großen Chipfertiger reichen für etwa sechs Monate. Sollte die Produktion in Katars Ras-Laffan-Anlage nicht bis Juni wieder anlaufen, droht laut Analysten ein vollständiger Produktionsstopp für KI-Chips.

„Wer KI-Infrastruktur plant, muss ab sofort Energierouten und Rohstoffquellen mitdenken. Die Cloud hängt nicht in der Luft, sie hängt an der Straße von Hormus.“ — Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Chip-Lieferkette unter Druck
Wie die Straße von Hormus den KI-Boom bedroht
20 %
des globalen Öl- und Gashandels fließen durch die Straße von Hormus
97 %
der Energie importiert Taiwan. TSMC fertigt 90 % aller High-End-Chips
80 %
des HBM-Marktes kontrollieren Samsung und SK Hynix
–18 %
KOSPI-Einbruch. Samsung und SK Hynix verloren je über 20 %
DRAM- und HBM-Preise haben sich in Q1 2026 nahezu verdoppelt
33 %+
des weltweiten Heliums liefert Katar. Kein Ersatzstoff verfügbar
Taiwan
97 %
Südkorea
70 %
Katar Helium
33 %
≈ 6 Monate
Heliumvorräte der großen Chipfertiger.
Ohne Ras-Laffan-Neustart bis Juni droht Produktionsstopp.

Was bedeutet das für Ihre IT-Strategie?

Grünes Blechspielzeugschiff
Trump verschiebt Drohung gegen Iran um fünf Tage, spricht von produktiven Gesprächen. Iran dementiert Verhandlungen. Pentagon schätzt mögliche Blockade der Meerenge auf ein bis sechs Monate

Am 23. März verschob Trump seine Drohung, iranische Kraftwerke anzugreifen, um fünf Tage und sprach von „produktiven Gesprächen“. Iran dementierte jegliche Verhandlungen. Das US-Verteidigungsministerium schätzt, dass Iran die Meerenge zwischen einem und sechs Monaten geschlossen halten kann. Für IT-Entscheider ergeben sich drei konkrete Handlungsfelder: Erstens lohnt sich die Beschaffung von Speicherchips und GPUs jetzt, bevor die Preise weiter steigen. Zweitens gewinnen Anbieter mit inländischer Fertigung wie Intel an Bedeutung. Drittens sollten KI-Projekte mit langen Hardware-Vorlaufzeiten jetzt fixe Lieferverträge prüfen.

Die Dallas Fed modelliert einen Rückgang des globalen BIP-Wachstums um bis zu 2,9 Prozentpunkte pro Quartal bei andauernder Sperrung. Die Chip-Krise von 2021 war ein Vorgeschmack. Diese hier könnte gravierender werden.

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Quellen

Carnegie Endowment for International Peace – The Iran War Is Also Now a Semiconductor Problem – https://carnegieendowment.org/emissary/2026/03/iran-korea-semiconductor-chips-energy-oil-hormuz – besucht am 24.03.2026

Morningstar – Iran War Threatens AI Chip Supply as Critical Minerals at Risk – https://www.morningstar.com/stocks/iran-war-threatens-ai-chip-supply-critical-minerals-risk – besucht am 24.03.2026

Tom’s Hardware – Global chip supply chain under threat as US-Iran conflict enters third week – https://www.tomshardware.com/tech-industry/global-chip-supply-chain-under-threat-as-us-iran-conflict-enters-third-week-strait-of-hormuz-blockade-is-days-away-from-crippling-taiwans-semiconductor-industry – besucht am 24.03.2026

Semafor – Iran war exposes risks to the AI boom – https://www.semafor.com/article/03/23/2026/iran-war-exposes-risks-to-the-ai-boom – besucht am 24.03.2026

CNBC – The Tech Download: Chip supply chains and data center risks – https://www.cnbc.com/2026/03/13/tech-download-iran-problem-supply-chains-ai.html – besucht am 24.03.2026

NPR – Trump says the U.S. is in talks with Iran to end the war – https://www.npr.org/2026/03/23/nx-s1-5757172/iran-defiant-trump-hormuz – besucht am 24.03.2026

Dallas Fed – What the closure of the Strait of Hormuz means for the global economy – https://www.dallasfed.org/research/economics/2026/0320 – besucht am 24.03.2026

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