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Ein humanoider Roboter für unter 20.000 Euro klingt nach einem Schnäppchen für die Fertigung. Der erste unabhängige Test zeigt, warum der Preis nicht das einzige Kriterium sein darf.

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Eine Bluetooth-Schwachstelle im meistverkauften China-Humanoiden ließ sich aus der Ferne kapern. Das Fraunhofer IPA in Stuttgart hat den Unitree G1 als ersten Prüfling durch seinen neuen Industrie-Benchmark geschickt und dabei eine kritische Sicherheitslücke dokumentiert. Für Entscheider, die 2026 über Roboter-Pilotprojekte nachdenken, verschiebt der Befund die Prioritäten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Fraunhofer IPA fand im getesteten Unitree G1 eine kritische Bluetooth-Lücke, die eine vollständige Fernsteuerung durch Angreifer erlaubte. Der Hersteller hat die Lücke inzwischen geschlossen.
  • Bei Kollisionen maßen die Forscher Kräfte über 500 Newton, deutlich oberhalb der nach Norm zulässigen Schmerzschwellen für Menschen.
  • Geprüft wurde ein im Mai 2025 ausgelieferter Unitree G1 EDU-4 mit Dex3-1-Dreifingerhand und Firmware 1.04.
  • Cybersicherheit zählt neben Energieeffizienz, Reinraumtauglichkeit und funktionaler Sicherheit zu den sechs Benchmark-Kriterien.

Humanoide Roboter sind auf jeder Messe präsent, doch zwischen Inszenierung und echter Industrietauglichkeit klafft eine Lücke. Genau dort setzt der Benchmark an. Werner Kraus, Forschungsbereichsleiter am Fraunhofer IPA, ordnet die Sicherheitsfrage als zentral ein, weil ein vernetzter Roboter in der Produktion zur Angriffsfläche wird.

Warum eine Bluetooth-Lücke im Werk gefährlich wird

Roboterhand und -unterarm mit Kette und offenem Vorhängeschloss auf weißem Hintergrund
Gekaperter Humanoider-Roboter in Fertigungshalle stellt Risiko dar. Funktions- und IT-Sicherheit müssen integriert werden

Eine Fernsteuerung durch Unbefugte ist in einer Fertigungshalle kein theoretisches Risiko. Ein gekaperter Humanoid mit Kollisionskräften über 500 Newton bewegt sich neben Menschen, hebt Lasten und arbeitet an Maschinen. Funktionssicherheit und IT-Sicherheit gehören damit zusammen, nicht in getrennte Abteilungen. Die Pressemitteilung des Fraunhofer IPA vom 27. Mai 2026 nennt die Lücke als konkretes Ergebnis des Eigentests.

Der modulare Aufbau erlaubt es Herstellern und Anwendern, gezielt die für ihre Anwendung relevanten Module zu beauftragen. Das Institut orientiert sich an etablierten Normen, etwa ISO 14644 für Reinraumtauglichkeit sowie ISO 10218 und ISO/TS 15066 für die kollaborative Sicherheit.

Was Mittelständler vor dem Kauf prüfen sollten

Roboter mit Bluetooth-Logo und Schild
Unabhängige Prüfberichte zeigen Sicherheits- und Wartbarmerkale von Robotern zuverlässiger als Herstellerangaben. Billiger ist nicht besser, wenn Fernzugriffe möglich sind

Der niedrige Anschaffungspreis chinesischer Modelle verschiebt die eigentliche Frage. Entscheidend ist, ob ein Roboter im konkreten Einsatz sicher, wartbar und gegen Angriffe geschützt läuft. Ein unabhängiger Prüfbericht liefert dafür belastbare Zahlen, wo bisher nur Herstellerangaben standen.

Ein Roboter, der sich aus der Ferne kapern lässt, ist kein Schnäppchen, sondern ein Sicherheitsrisiko auf zwei Beinen.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Das Fraunhofer IPA plant, weitere Humanoide zu prüfen und eine Vergleichsdatenbank aufzubauen. Für die Beschaffung bedeutet das eine schlichte Konsequenz: Wer 2026 ein Pilotprojekt startet, sollte den IT-Sicherheitstest in die Anforderungsliste aufnehmen und nicht erst nach dem Vorfall daran denken. Wer die Roboter-Klassen noch sortiert, findet im Überblick der sieben Roboter-Typen die Einordnung und im Robotik-2026-Überblick den strategischen Rahmen.

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