Ein deutscher Sicherheitsforscher hat 11.000 Roboter-Rasenmäher von Yarbo komplett übernommen — mit einem einzigen Passwort. Andreas Makris steuerte vom heimischen Rechner aus Geräte in den USA, manövrierte einen 90-Kilo-Mäher fast über einen US-Reporter und las nebenbei GPS-Daten, Wi-Fi-Passwörter und E-Mail-Adressen aus. Hersteller Yarbo hat den Vorfall am 8. Mai 2026 in einer 1.200-Wörter-Stellungnahme bestätigt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenGruselig: ein Stück Hardware in Ihrem Firmenwerk lässt sich aus Übersee fernsteuern, weil alle baugleichen Geräte dasselbe Root-Passwort tragen. Genau das ist bei Yarbo passiert. Der Fall ist ein Lehrstück, weil Robo-Mäher in deutschen Unternehmens-Außenanlagen längst zur Standardausstattung gehören.
Das Wichtigste in Kürze
- Sicherheitsforscher Andreas Makris übernimmt 11.000 Yarbo-Geräte aus der Ferne
- Ursache: hardcoded Root-Passwort, identisch in jeder Auslieferung
- CVE-2026-7414 und CVE-2026-7415 dokumentieren die Lücken
- Yarbo räumt am 8. Mai 2026 alle technischen Befunde ein
Wer ist Yarbo und was ist passiert?

Yarbo verkauft modulare Garten-Roboter für rund 5.000 US-Dollar pro Stück, die als Rasenmäher, Schneefräse, Laubbläser oder Kantenschneider arbeiten. 200 Pfund schwer, mit Kameras, Wi-Fi, 4G und scharfen Klingen ausgestattet — und mit einem Backend, das auf Vertrauen statt Sicherheit gebaut war.
Andreas Makris veröffentlichte am 7. Mai 2026 seinen detaillierten Sicherheitsbericht. The Verge dokumentierte die Demonstration: Makris steuerte von Deutschland aus einen Yarbo-Mäher in den USA über fast 10.000 Kilometer und brachte das Gerät auf einen Reporter zu, der sich für den Test in den Weg gelegt hatte.
Welche Lücken Makris konkret fand

Drei strukturelle Schwächen erlauben die Übernahme. Hardcoded Root-Passwort in der Firmware, identisch in jeder Auslieferung. Damit eröffnet ein einziges geknacktes Gerät den Zugriff auf die gesamte Flotte. Zweitens ein MQTT-Broker ohne Authentifizierung im lokalen Netz, der die Steuerbefehle entgegennimmt. Drittens ein persistenter Backdoor-Zugang für Yarbo-eigenes Personal, den der Eigentümer weder sehen noch deaktivieren konnte.
Über diese Kombination konnte Makris GPS-Koordinaten, E-Mail-Adressen, Wi-Fi-Passwörter und Live-Kameraaufnahmen abgreifen. Besonders heikel: Geräte standen laut seiner Analyse in unmittelbarer Nähe kritischer Infrastruktur, etwa nahe eines Kraftwerks.
Ein Roboter, der GPS-Daten und Wi-Fi-Passwörter ausplaudern kann, gehört nicht ins Firmenwerk. IoT-Beschaffung braucht künftig dieselbe Prüfschärfe wie Server- oder Netzwerk-Einkauf.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Yarbo am 8. Mai zugab

Yarbo-Mitgründer Kenneth Kohlmann veröffentlichte am 8. Mai 2026 im offiziellen Forum eine ausführliche Stellungnahme. Alle technischen Befunde seien zutreffend, die Erstreaktion sei nicht angemessen gewesen. Yarbo deaktivierte den Remote-Zugriff vorläufig, kündigte ein eigenes Security Response Center an und prüft ein Bug-Bounty-Programm.
Ein Over-the-Air-Update soll innerhalb von sieben Tagen ausgerollt werden und das universelle Passwort durch gerätespezifische Credentials ersetzen. Yarbo gehört zur Hanyang Tech aus Shenzhen, eine The-Verge-Recherche zeigte, dass die als Manhattan-HQ angegebene Adresse ein gemeinsam genutztes Bürogebäude ist.
Was Entscheider mit IoT-Flotten daraus lernen

Vier Konsequenzen drängen sich auf. IoT-Beschaffung mit Sicherheits-Checkliste ergänzen: Werden Default-Passwörter pro Gerät individualisiert? Gibt es eine veröffentlichte Vulnerability-Disclosure-Policy? Existiert ein Software-Bill-of-Materials? Parallel dazu IoT-Geräte ins eigene Netzwerksegment legen, getrennt vom produktiven Firmennetz.
Im dritten Schritt Verträge mit Lieferanten um konkrete Reaktionszeiten bei Sicherheitsvorfällen ergänzen. Yarbos abwehrende Erstreaktion zeigt, was passiert, wenn das nicht vertraglich verankert ist. Ein praxisnaher Einstieg in das Thema bietet unser Ratgeber zur WordPress-Sicherheit, dessen Grundprinzipien (Updates, Passwort-Härte, Rechte-Trennung) sich eins zu eins auf IoT übertragen lassen. Wer den Cyber-Druck auf den Mittelstand insgesamt einordnen will, findet im aktuellen KnowBe4-Bericht zu KI-Phishing wichtige Zahlen. Und ein Blick auf die Mechanik moderner Robotik liefert unsere Reportage zum Bionik-Boom in Dresden.
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