Evonik hat in Essen eine neue Anlage für Spezialsilikone und ein Tanklager vorgestellt, zusammen mit einem Volumen von rund 52 Millionen Euro. Die Investition soll Transporte zwischen den Silikonwerken des Konzerns sparen und Lieferengpässe vermeiden. Eine Zahl neuer Arbeitsplätze nennt Evonik nicht.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenInhalt 4 Abschnitte
Der Chemiekonzern Evonik hat am 3. November in Essen eine neue Produktionsanlage für Spezialsilikone und ein neues Tanklager vorgestellt. Rund 52 Millionen Euro flossen in beides, am Standort Goldschmidtstraße.[1] Die Anlage erweitert die Kapazität für organomodifizierte Silikone, die als Zusatzstoffe in Polyurethanschäumen, Klebstoffen, Lacken und Kosmetika dienen.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Evonik investierte rund 52 Millionen Euro in eine Silikonanlage und ein Tanklager in Essen.
- Das Tanklager hat fünf Edelstahltanks, eine 150 Meter lange Rohrbrücke verbindet es mit vier Betrieben.
- Die Standortfläche wurde von 32 auf 35 Hektar erweitert, gebaut wurde im laufenden Betrieb.
- Zu neuen Stellen und zum Datum der Inbetriebnahme macht Evonik keine Angaben.
Was hat Evonik in Essen gebaut?

Essen ist laut Evonik der zentrale Produktionsstandort für Silikone. Die neue Anlage erweitert dort die Kapazität für organomodifizierte Silikone, also Silikone, deren Grundgerüst mit organischen Gruppen verändert wird. Eingesetzt werden sie unter anderem in Dämmstoffen, Matratzen und Autositzen.[1][2] Neben der Produktionsanlage entstand ein Tanklager mit fünf Edelstahltanks, der höchste ist 24 Meter hoch. Eine 150 Meter lange Rohrbrücke verbindet das Lager mit vier Betrieben und 15 Produktionsanlagen.[2]
Dafür wurde die Fläche des Standorts von 32 auf 35 Hektar erweitert. Gebaut wurde auf engem Raum bei laufender Produktion. Nach Angaben von Evonik arbeiteten rund 80 Beschäftigte des Konzerns und mehr als 230 Fachkräfte von 25 Partnerfirmen an dem Projekt, so das Fachmedium Chemical Industry Digest.[3] Am Standort Goldschmidtstraße beschäftigt Evonik laut eigener Standortseite rund 2.000 Menschen.[4]
Warum investiert Evonik in den Silikonverbund?
Evonik stellt Silikone außer in Essen an den deutschen Standorten Geesthacht, Obernburg und Wittenburg her, dazu in Pandino in Italien, Shanghai und Hopewell in den USA.[2] Zwischen diesen Werken werden bisher Zwischen- und Endprodukte hin und her transportiert. Die Anlage in Essen soll den Produktionsverbund entlasten, weil weniger davon transportiert werden muss, und Lieferengpässe bei wichtigen Silikonen vermeiden.[1] Das Tanklager erlaubt zudem, zentrale Rohstoffe in großen Mengen vorzuhalten.[2]
Lauren Kjeldsen, im Vorstand für das Segment Custom Solutions zuständig, sieht darin die Grundlage für „profitables Wachstum“.[2] Roberto Vila-Keller, der Leiter der Geschäftslinie Interface und Polyurethane Additives, sagt nach Angaben des Fachmediums, die Investition erhöhe die Liefersicherheit für Kunden weltweit. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen begrüßt das Vorhaben, weil es die regionale Wirtschaft stärke und hochwertige Arbeitsplätze sichere.[3] Von Fördergeld ist in den Meldungen nicht die Rede.
Was feststeht und was offen ist
Eine Anlage für 52 Millionen Euro ist eine Standortentscheidung, aber noch keine Zusage für neue Arbeitsplätze. Für Essen zählt, ob der Ausbau auch Stellen schafft.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Investition für den Konzern und für Essen?
Die Meldung kam am Tag der Quartalszahlen und mitten in der Diskussion über ein Übernahmeangebot von BASF. Finanzvorstand Michael Rauch sagte laut dpa, Evonik sei groß und stark genug, um eigenständig zu bleiben.[1] Der Konzern verhandelt nach eigener Mitteilung nicht über eine Übernahme, steht aber zu vertraulichen Gesprächen mit BASF bereit. Evonik will Essen als „Kompetenzzentrum für maßgeschneiderte chemische Rezepturen“ positionieren.[1]
Für den Konzern gehört die Anlage zu einem Umbau, der in zwei Richtungen geht. Im September hat Evonik angekündigt, weitere 3.200 Stellen zu streichen, davon rund 2.150 in Deutschland, bis Ende 2029. Schon zuvor stand fest, dass Evonik die Kosmetikproduktion in Hamburg bis Mitte 2027 nach Essen verlagert. Im Ausland baut der Konzern ebenfalls: In der Slowakei entsteht ein Biotech-Werk für 80 Millionen Euro. Auch andere Silikonhersteller stehen unter Druck: Wacker Chemie muss sich gegen die Preise chinesischer Anbieter behaupten.
Der Ausbau stärkt damit einen Standort, der durch die Hamburger Verlagerung weitere Aufgaben übernimmt. Offen bleibt, ob die Anlage zusätzliche Arbeitsplätze bringt oder nur die bestehenden Werke besser ausgelastet werden. Dazu müsste Evonik sagen, wann die Anlage anläuft und wie viele Beschäftigte sie betreiben.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- dpa via ProcessEvonik baut Silikonanlage in Essen für 52 Mio. Euro (3. November 2026), ergänzend dpa via Neue Westfälische: Neue Silikonanlage soll Evonik-Standort Essen stärken
- ChemietechnikEvonik investiert 52 Mio. Euro in Silikone-Plattform in Essen
- Chemical Industry DigestEvonik Announces €52 Million Investment to Expand Silicone Operations in Essen
- EvonikEssen Goldschmidtstrasse (Standortseite)
Mehr Newshunger?
- Evonik lehnt Verhandlungen über das höhere Übernahmeangebot von BASF ab
- Evonik streicht 3.200 weitere Stellen und beendet das Polyestergeschäft
- Evonik schließt Bitterfeld und Hamburg: Asiens Preisdruck trifft die deutsche Spezialchemie
- Evonik baut in der Slowakei ein Biotech-Werk für 80 Millionen Euro
- BASF hebt die Ergebnisprognose für 2026 auf 7,4 bis 7,8 Mrd. Euro an
