Chinas staatliche Prüfstelle hat erstmals eigene Prozessoren mit der höchsten Sicherheitsstufe ausgezeichnet. Die Bewertung Stufe III ging an die Loongson-Modelle 3A6000(C) und 3C3000 sowie an Huaweis Serverchip Kunpeng 950; der KI-Chip Ascend 950 erreichte Stufe II. Für Behörden und Staatskonzerne verschiebt der Schritt die Einkaufsliste, nicht nur die Symbolik.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSeit 2023 vergibt Chinas Informationssicherheits-Prüfzentrum Noten für heimische Hardware. Universelle Prozessoren kamen dabei bislang nur auf die mittlere Stufe. Mit dem Sprung an die Spitze fällt eine der letzten Hürden für den kompletten Austausch westlicher Chips in sensiblen Systemen.
Das Wichtigste in Kürze
- Das China Information Technology Security Evaluation Center vergab am 20. September 2026 erstmals die höchste Stufe III an universelle Prozessoren.
- Stufe III ging an Loongson 3A6000(C), Loongson 3C3000 und Huaweis Kunpeng 950; der KI-Chip Ascend 950 erhielt als einziger Beschleuniger Stufe II.
- Die Bewertung ist Pflichtkriterium für die Beschaffung in Verwaltung und Staatskonzernen und gilt drei Jahre, also bis September 2029.
- Ab 2026 sollen die Kernsysteme der Verwaltung zu mindestens 85 Prozent aus zertifizierter heimischer Technik bestehen, bei Staatskonzernen zu mindestens 65 Prozent.
Was hat Chinas Prüfstelle zertifiziert?

Die Auszeichnung stammt vom China Information Technology Security Evaluation Center, der staatlichen Prüfstelle für Informationssicherheit, und wurde am 20. September 2026 veröffentlicht.[1] Erstmals erreichen universelle CPUs die Stufe III, die zuvor keine allgemeine Recheneinheit erhalten hatte. Loongson steht für die eigene Befehlssatz-Architektur LoongArch, Huaweis Kunpeng auf ARM-Basis für den Servermarkt.
Der Loongson 3A6000 zeigt die Größenordnung: vier Kerne mit acht Threads, 2,5 Gigahertz, gefertigt in einem verbesserten 14-Nanometer-Verfahren, in der Leistung nahe an Intels zehnter Core-Generation.[2] Ein Spitzenprodukt ist der Chip nicht, im Alltag der Verwaltung reicht die Leistung aber aus. Beide Hersteller holen den Rückstand der heimischen Chipbranche seit Jahren auf, deren Aufstieg in die globale Spitzengruppe inzwischen sichtbar wird. Huawei kommt bei seinen Kirin-Chips ohne modernste Belichtungstechnik aus.
Warum ist Stufe III mehr als ein Stempel?
Die Note entscheidet über Aufträge. Ohne bestandene Sicherheits- und Zuverlässigkeitsprüfung darf ein Anbieter in Verwaltung und Staatsbetrieben nicht liefern, und für Prozessoren wie Betriebssysteme ist das Kriterium Pflicht. Hinter der Prüfung steht Chinas Programm der informationstechnischen Eigenständigkeit, im Land unter dem Kürzel Xinchuang bekannt.
Der Markt dahinter wächst entsprechend. Analysten taxieren allein die Xinchuang-Hardware auf rund 28 Milliarden Euro im Jahr 2022 und auf gut 100 Milliarden Euro für 2026 (Schätzung, umgerechnet zum Kurs vom 19. September 2026, 1 Yuan = 0,13 Euro). Die Prüfung wandelt sich zudem von der einmaligen Freigabe zur laufenden Aufsicht: Das Siegel gilt drei Jahre, danach steht die Neubewertung an.
Ein Prüfsiegel aus Peking macht aus Loongson und Kunpeng über Nacht die Pflichtwahl für Behörden und Staatskonzerne. Europa debattiert noch über Souveränität, China kauft sie per Verordnung ein.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Vier zertifizierte Prozessoren
Was hinter dem Siegel steht
Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?
Für europäische Beschaffer zählt zunächst die Kehrseite: Ein Siegel aus Peking hilft im hiesigen Markt nicht, und ein Prozessor, der nur für Chinas Verwaltung freigegeben ist, taucht in europäischen Ausschreibungen nicht auf. Die Standards laufen auseinander, und die Lieferketten spalten sich mit ihnen.
Bekannt ist das Muster hierzulande aus der Gegenrichtung. Deutschland lässt kritische Komponenten seit dem IT-Sicherheitsgesetz staatlich prüfen und schränkt Huawei-Technik in den 5G-Netzen ein; die Debatte um digitale Souveränität dreht sich um genau diese Kontrolle. Wie eng Sicherheitspolitik und Halbleiter zusammenhängen, zeigt auch Europas Ringen um eigene Chip-Fertigung.
Prüfen Sie bei chinesischen Cloud- und Hardware-Angeboten deshalb, welche Komponenten überhaupt europäischen Vorgaben genügen. Betreiber kritischer Infrastruktur ordnen ihre Zulieferer schon wegen NIS2 und der Vorgaben des BSI nach Herkunft und Prüfstatus ein; das aktuelle BKA-Lagebild zur kritischen Infrastruktur zeigt, wie real die Bedrohung ist. Der beste Zeitpunkt, die eigene Lieferkette auf Herkunft und Prüfbarkeit abzuklopfen, ist nicht erst der nächste Ausschreibungstermin.
Quellen
[1] China Information Technology Security Evaluation Center (中国信息安全测评中心): „Ankündigungen der Sicherheits- und Zuverlässigkeitsprüfung“
[2] IT之家 (ITHome): „Loongson 3A6000(C)/3C3000 und Kunpeng 950 erhalten die Sicherheitsstufe III“
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