
Zerstört der 5-Uhr-Wecker Ihre Produktivität?

Markus Seyfferth
Autor Dr. WebSchlafexperten warnen vor dem Frühaufsteher-Hype. Der Trend kann Produktivität und mentale Gesundheit gefährden. Was für Ihre innere Uhr wirklich zählt.
Warum scheitern so viele am Frühaufstehen?
Stellen Sie sich vor: Tim Cook steht um 3:45 Uhr auf. Dwayne Johnson um 4 Uhr. Social Media feiert das frühe Aufstehen als Erfolgsrezept. Doch was für CEOs und Spitzensportler funktioniert, kann für die meisten Führungskräfte zum Burnout-Beschleuniger werden.
„Der Trend, um 5 Uhr aufzustehen, ist das Zweitdümmste, was ich seit langem gehört habe“, sagt Schlafmediziner Michael Breus aus Kalifornien. Das Dümmste? Nachts den Mund zuzukleben. „Wenn Sie eine Nachteule sind und versuchen, um 5 Uhr aufzustehen, halten Sie eine Woche durch. Dann werden Sie frustriert und depressiv.“
Wenn Sie eine Nachteule sind und versuchen, um 5 Uhr aufzustehen, halten Sie eine Woche durch. Dann werden Sie frustriert und depressiv.
Schlafmediziner Michael Breus
Sind Sie Lerche, Bär oder Eule?
Die Wissenschaft kennt drei Schlaftypen: Lerchen, Bären und Eulen. Ihre genetische Veranlagung bestimmt, wann Sie leistungsfähig sind. 55 bis 65 Prozent der Bevölkerung gehören zu den Bären. Deren Leistungshoch liegt zwischen 10 und 14 Uhr. Nur 15 bis 20 Prozent sind echte Frühaufsteher. Und nur ein kleiner Teil davon wacht tatsächlich um 5 Uhr natürlich auf.
Russell Foster, Professor für zirkadiane Neurowissenschaften an der Universität Oxford, bringt es auf den Punkt: „Schlaf wird behandelt wie etwas, das man unterwerfen und besiegen muss. Dabei sollte man ihn umarmen wie einen Teddybären.“
Was kostet Schlafmangel Ihr Business?

Die Zahlen sind alarmierend. In einer Gallup-Umfrage gaben 57 Prozent der Befragten an, dass sie mehr Schlaf bräuchten. 20 Prozent schlafen fünf Stunden oder weniger. Vor zehn Jahren waren es 14 Prozent. 1942 nur 3 Prozent. Schlafentzug führt nachweislich zu Herzproblemen, Immunschwäche, Depressionen und erhöhtem Demenzrisiko.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Unter der Woche um 5 Uhr aufstehen, am Wochenende bis 8 Uhr schlafen? Das erzeugt laut Doug Kirsch, Schlafmediziner und ehemaliger Präsident der American Academy of Sleep Medicine, einen permanenten Jetlag-Effekt.
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Was hilft wirklich beim Aufwachen?
Die Experten empfehlen einen anderen Ansatz. Morgenlicht signalisiert dem Gehirn, die Melatoninproduktion zu stoppen. Das erste Tageslicht startet zudem einen 14-Stunden-Timer für die erneute Melatoninausschüttung. Wer im Winter früh aufstehen muss, kann Lichttherapie-Geräte nutzen. Koffein sollte nach 14 Uhr tabu sein. Alkohol drei Stunden vor dem Schlafengehen. Training am Morgen erhöht die Körpertemperatur und fördert das Wachwerden.
Wie finden Sie Ihren optimalen Rhythmus?
Der Schlüssel liegt nicht im frühen Aufstehen, sondern in der Konsistenz. Wer seinen Chronotyp ignoriert, arbeitet gegen die eigene Biologie. Das kostet Energie, die anderswo fehlt. Bevor Sie den Wecker auf 5 Uhr stellen, lohnt sich die ehrliche Frage: Sind Sie Lerche, Bär oder Eule? Online-Tests wie der von Schlafmediziner Breus können Orientierung bieten.
Quelle: Wall Street Journal
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