Die britische Wettbewerbsbehörde CMA will Microsoft für Windows, Office, Server, Datenbanken und Sicherheitssoftware einen strategischen Marktstatus zuerkennen. Bei Office-Paketen für Firmen und Behörden entfielen 2025 laut CMA 70 bis 80 Prozent der Umsätze im Land auf den Konzern. Prüfen will die Behörde vor allem Copilot, Teams und die Lizenzregeln für fremde Clouds.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenÜber 70 Prozent Kapitalrendite hat Microsoft in jedem der vergangenen neun Jahre erzielt.[2] Für die Competition and Markets Authority (CMA) ist die Zahl ein Indiz dafür, dass Konkurrenten dem Konzern bei Unternehmenssoftware wenig entgegensetzen. Am 16. Oktober 2026 hat die Behörde vorgeschlagen, Microsoft deshalb unter das britische Digitalmarktgesetz zu stellen.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Die CMA sieht Microsoft in fünf Bereichen stark: PC-Betriebssysteme, Office-Pakete, Sicherheitssoftware, Server-Betriebssysteme und Datenbanken.
- Stellungnahmen sind bis 13. November 2026 möglich, entscheiden muss die Behörde bis Februar 2027.
- Mit dem Status könnte die CMA Microsoft Pflichten zu Copilot, Teams und Cloud-Lizenzen auferlegen.
- In Deutschland unterliegt Microsoft seit September 2024 der erweiterten Missbrauchsaufsicht des Bundeskartellamts.
Worauf stützt die CMA ihren Vorschlag?

Microsofts Unternehmenssoftware nutzen in Großbritannien über eine Million Firmen und Behörden mit monatlich rund 20 Millionen Nutzern.[1] Bei Office-Paketen für Firmen und Behörden kam der Konzern 2025 auf 70 bis 80 Prozent der Umsätze im Land, weltweit auf 60 bis 70 Prozent.[2] Google konkurriert als einziger Anbieter in allen fünf Bereichen mit Microsoft, bleibt aber überall deutlich kleiner.
Ein Fehlverhalten unterstellt die CMA mit der Einstufung nicht.[1] Der Status erlaubt der Behörde aber, Microsoft gezielte Verhaltenspflichten aufzuerlegen. Eingestuft wurden 2025 bereits Google für die Suche sowie Apple und Google für ihre Mobilplattformen.[2] „Unternehmen und Behörden sollten die Produkte wählen können, die am besten zu ihnen passen, und den Anbieter wechseln können, wann sie wollen“, sagt CMA-Chefin Sarah Cardell.[1]
Warum fällt der Wechsel so schwer?
Rund 90 Prozent der britischen Microsoft-Kunden kaufen nur in einem Bereich ein, meist Office. Mehr als 80 Prozent des Umsatzes stammen dagegen von 10.000 bis 20.000 Großkunden, die alle fünf Bereiche beziehen.[2] Bei diesen Kunden hängen Anmeldung, Geräteverwaltung und Schutz vor Angriffen an Entra ID, Intune und Defender, also an derselben Produktfamilie wie Word und Outlook.
Anbieter von Sicherheitssoftware haben der CMA berichtet, dass ihre Schnittstellen zu Microsoft weniger können als die Anbindung von Microsofts eigenen Produkten.[3] In seiner Stellungnahme vom Juni hält Microsoft dagegen, die fünf Bereiche bildeten kein gemeinsames Ökosystem und stünden jeweils in intensivem Wettbewerb.[4] Seine Lizenzbedingungen für den Betrieb von Microsoft-Software in fremden Clouds hat der Konzern laut CMA seit dem Abschluss der Cloud-Marktuntersuchung im Juli 2025 nicht geändert.[3]
Microsoft verdient am Gesamtpaket. Ein Abschied von Word betrifft bei Großkunden auch Anmeldung, Geräte und Sicherheit.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmen in der EU?
Für Teams gelten in der EU seit 2025 Zusagen, die Microsoft der EU-Kommission gegeben hat: Pakete ohne Teams, bessere Schnittstellen für Konkurrenten und die Übertragbarkeit von Daten zu anderen Anbietern. Britische Kunden haben darauf keinen Anspruch, Microsoft bietet Neukunden dort nur einen Teil davon freiwillig an.[2]
Das Bundeskartellamt hat am 30. September 2024 festgestellt, dass Microsoft eine überragende marktübergreifende Bedeutung hat, und kann dem Konzern damit bestimmte Praktiken untersagen.[5] Windows ist unter dem Digital Markets Act der EU bereits als zentraler Plattformdienst des Gatekeepers Microsoft benannt, für die Cloud Azure bereitet die EU-Kommission laut Bloomberg die Einstufung im November vor. Parallel prüft die CMA seit Juli den Copilot-Aufpreis für Privatkunden.
IT-Einkäufer sollten bei Vertragsverlängerungen nach Paketen ohne Teams oder Copilot fragen und die Lizenzbedingungen für fremde Clouds schriftlich festhalten. An der Konsultation dürfen sich auch Kunden mit Geheimhaltungsklauseln beteiligen: Microsoft hat zugesagt, sich in diesem Fall nicht auf die Klauseln zu berufen.[6]
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Competition and Markets AuthorityCMA takes first steps to ensure choice in business software
- Competition and Markets AuthorityProposed decision: SMS investigation into Microsoft’s business software ecosystem
- Competition and Markets AuthorityRoadmap of possible interventions
- MicrosoftMicrosoft response to the CMA’s Invitation to Comment
- BundeskartellamtAuch Microsoft unterliegt erweiterter Missbrauchsaufsicht des § 19a GWB
- Competition and Markets AuthorityMicrosoft’s business software ecosystem (Fallseite, abgerufen am 16. Oktober 2026)
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