Die Deutsche Marine soll einen zweiten Hafen an der Nordsee bekommen, und zwar in Emden. Bund, Land Niedersachsen, Stadt und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben unterzeichneten am Montag eine Absichtserklärung für den Rysumer Nacken, eine bis zu 450 Hektar große Fläche an der Ems. Langfristig sollen dort bis zu 2.000 Dienstposten entstehen. Verbindlich wird das Vorhaben erst nach Flächenkauf und Machbarkeitsstudien.

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Der Marinehafen Emden wäre nach Wilhelmshaven der zweite Stützpunkt der Marine an der Nordseeküste. Geplant sind laut taz mehr als 20 Liegeplätze für Fregatten, Minenabwehrboote und Schlepper, dazu Gebäude für Ausbildung und Unterkunft. Eine Kostenschätzung nannte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nicht, laut dpa sprach er von einer Milliardeninvestition.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bund, Land Niedersachsen, Stadt Emden und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben unterzeichneten am 5. Oktober 2026 eine Absichtserklärung für einen Marinehafen auf dem Rysumer Nacken.
  • Auf bis zu 450 Hektar sollen langfristig bis zu 2.000 Dienstposten entstehen, die Fertigstellung ist für Anfang der 2030er Jahre angepeilt.
  • Die Absichtserklärung bindet niemanden rechtlich, offen sind Flächenkauf, Machbarkeitsstudien und Kosten.
  • In Emden arbeiten bei Volkswagen mehr als 7.700 Menschen, laut einem Bericht der Wirtschaftswoche soll die Fahrzeugproduktion dort 2031 enden.

Was haben Bund und Land in Emden unterschrieben?

Ein weißer Poller mit einem orangefarbenen Anhänger und der Aufschrift
Letter of Intent für Marineinfrastruktur unterzeichnet. Keine bindende Bauentscheidung. Grundstück Knock/Rysumer Nacken muss erst vom Bund erworben werden

Unterzeichnet ist ein Letter of Intent, keine Bauentscheidung. Das Verteidigungsministerium beschreibt das Papier als Absichtserklärung ohne rechtliche Bindung.[1] Die Fläche Knock/Rysumer Nacken gehört bislang nicht dem Bund, Land und Stadt müssen das Gelände erst an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verkaufen. Parallel laufen Umsetzungsstudien, erst danach fällt die endgültige Entscheidung.

„Die Marine wächst auf. Neue Schiffe und Boote brauchen Liegeplätze“, sagte Pistorius in Emden.[1] Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) verwies auf die geografische Lage und die maritime Tradition der Stadt. Bis 1997 war Emden schon einmal Marinestandort.

Warum reicht Wilhelmshaven nicht mehr?

Den Ausschlag gibt der Flottenaufwuchs. Nach Angaben des Ministeriums kann Wilhelmshaven den künftigen Bedarf an Liegeplätzen und Pierlängen nicht allein decken.[1] Neue Einheiten sind bestellt, darunter vier Fregatten, für die TKMS 6,3 Milliarden Euro verbucht. Ein zweiter Stützpunkt mache die Marine „im Ernstfall schwerer ausrechenbar“, sagte Pistorius laut dpa.

Im Standortvergleich unterlag Bremerhaven. Die Stadt an der Weser geht trotzdem nicht leer aus: Dort soll eine Nato-Drehscheibe für 1,35 Milliarden Euro aus dem Wehretat entstehen, die Absichtserklärung dafür unterzeichneten Bund, Bremen und BLG am 29. September. Für Emden sprechen nach Ministeriumsangaben viel freie Fläche und der schnelle Zugang zum Atlantik.

Marinehafen Emden: Plan mit offenem Preis
Was die Absichtserklärung für den Rysumer Nacken vorsieht
bis zu 450 ha
Fläche auf dem Rysumer Nacken, die der Bund erst kaufen muss
bis zu 2.000
Dienstposten sollen langfristig am neuen Stützpunkt entstehen
über 20
Liegeplätze für Fregatten, Minenabwehrboote und Schlepper
über 7.700
Beschäftigte zählte das VW-Werk Emden im Dezember 2025
Vom Papier zum Hafen
5. Oktober 2026
Bund, Land, Stadt und BImA unterzeichnen die Absichtserklärung.
Nächster Schritt
Land und Stadt verkaufen die Fläche an die BImA.
Danach
Nach den Umsetzungsstudien entscheidet der Bund endgültig.
Anfang 2030er
Bund und Land peilen die Fertigstellung an.

Für den Rysumer Nacken fragten Investoren einst Flächen für Elektrolyseure an, den Zuschlag bekommt jetzt die Marine. Für Emden zählt, ob der Hafen vor 2031 Gestalt annimmt.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Was bedeutet der Marinehafen für Emden?

Der größte Arbeitgeber der Stadt ist Volkswagen. Im Emder VW-Werk arbeiteten im Dezember 2025 mehr als 7.700 Menschen.[2] Laut einem internen Papier, über das die Wirtschaftswoche berichtete, soll dort 2031 die Produktion enden. Volkswagen kommentiert das Dokument nicht. Die 2.000 Dienstposten entsprächen gut einem Viertel der heutigen VW-Belegschaft.

Der Rysumer Nacken war als Industriefläche gedacht. Hafenbetreiber N-Ports bekam vor rund drei Jahren zahlreiche Anfragen für Wasserstoff-Elektrolyseure, mit dem Einbruch der Wasserstoff-Nachfrage blieben die Interessenten aus. Die IHK für Ostfriesland und Papenburg hatte für Emden geworben. Widerspruch kommt vom Nabu: Elke Dirks nennt das Gebiet laut taz einen „Hotspot der Artenvielfalt“.

Bauunternehmen und Wasserbauer im Nordwesten sollten Flächenkauf und Machbarkeitsstudien im Blick behalten, denn erst danach kann der Bund die Bauaufträge ausschreiben. Für Personalverantwortliche in Ostfriesland kommt der neue Arbeitgeber frühestens in den 2030er Jahren. In der Debatte um den Standort Deutschland steht der Hafen auf der Plus-Seite, bislang allerdings nur als Absichtserklärung.

Quellen

[1] Bundesministerium der Verteidigung: „Bund und Land stellen Weichen für neuen Marinehafen in Emden“ (05.10.2026)

[2] Volkswagen: „Medieninformation Standort Emden“ (Januar 2026)

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