Der Abfallzweckverband A.R.T. will die Sortierhalle für Gelbe Säcke im Trierer Hafen nach mehr als 30 Jahren durch eine neue Anlage für rund 70 Millionen Euro ersetzen. Als Grund nennt der Verband die steigenden Anforderungen des Verpackungsrechts: Ab 2030 müssen die dualen Systeme 75 Prozent der Kunststoffverpackungen werkstofflich verwerten, 2024 lag der Wert bei 70,8 Prozent. Wann gebaut wird und wie viele Stellen entstehen, ist noch offen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Sortieranlage im Trierer Hafen trennt seit 1992 Leichtverpackungen aus Gelben Säcken und Tonnen, rund 100.000 Tonnen im Jahr.[2] Für den Neubau bringen der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.) und seine Tochter A.R.T.-VerSo GmbH laut dem Trierer Nachrichtenportal lokalo.de rund 70 Millionen Euro auf.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Der Zweckverband A.R.T. plant rund 70 Millionen Euro für eine neue Sortieranlage im Trierer Hafen.
- Die Verbandsversammlung fasste am 19. August 2026 den Grundsatzbeschluss.
- Bis 2030 steigen die Recyclingquoten für Kunststoff auf 75 und für den Inhalt der Gelben Tonnen auf 60 Prozent.
- Kapazität, Bauzeit und Zahl der Arbeitsplätze stehen noch nicht fest.
Was plant der Zweckverband im Trierer Hafen?

Am 19. August 2026 fasste die Verbandsversammlung des A.R.T. den Grundsatzbeschluss für neue Sortiertechnik im Hafen und stimmte dem Kauf eines Nachbargrundstücks zu.[1] Die Voraussetzungen für die Genehmigung hat der Verband nach eigenen Angaben mit den Behörden abgestimmt. Das Projekt steht damit zwischen Standortentscheidung und Genehmigung.
Bau und Betrieb übernimmt die Tochter VerSo GmbH, die im Hafen schon heute im Auftrag der dualen Systeme sortiert. Die Mengen kommen aus der Region Trier und aus anderen Teilen Deutschlands. In der alten Halle trennt eine Nahinfrarot-Erkennung die Kunststoffe PE, PP, PS und PET.[2]
Warum reicht die alte Halle nicht mehr?
Nach § 42 des Verpackungsrecht-Durchführungsgesetzes (VerpackDG) müssen die dualen Systeme 63 Prozent der bei ihnen beteiligten Kunststoffverpackungen werkstofflich recyceln, ab 2028 mindestens 70 und ab 2030 mindestens 75 Prozent.[3] Die Zentrale Stelle Verpackungsregister zählte für 2024 einen Wert von 70,8 Prozent.[4] Bis 2030 fehlen gut vier Prozentpunkte.
Größer ist die Lücke beim gesamten Inhalt der Gelben Tonnen. Von dieser Sammelmenge gingen 2024 rund 53 Prozent ins Recycling, ab 2030 verlangt das Gesetz 60 Prozent.[3] Rund 30 Prozent der Abfälle in Gelben Säcken und Tonnen gehören nach Angaben der dualen Systeme dort nicht hinein.[4] Jede Tonne, die eine Anlage aus diesem Gemisch zusätzlich als sortenreinen Wertstoff herausholt, zählt für die Quote.
Seit dem 12. August 2026 gilt außerdem die EU-Verpackungsverordnung. Ab 2030 dürfen nur noch Verpackungen in Verkehr kommen, die mindestens 70 Prozent Recyclingfähigkeit erreichen. Lukas Thömmes, Geschäftsführer der Tochtergesellschaft im Hafen, will sich nach eigenen Worten „frühzeitig“ auf die steigenden Anforderungen einstellen.[1]
Eine Quote im Gesetz sortiert keinen einzigen Joghurtbecher. Für die fehlenden Prozentpunkte braucht der Trierer Hafen eine neue Halle für 70 Millionen Euro.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Neubau für Markenhersteller?
Der A.R.T. folgt damit privaten Entsorgern, die ihre Sortierkapazität seit einigen Jahren erneuern. PreZero nahm Anfang 2022 in Eitting bei München eine Anlage für bis zu 120.000 Tonnen im Jahr in Betrieb und bezifferte die Kosten damals auf rund 40 Millionen Euro.
Für Markenhersteller zählt, was die neuen Anlagen erkennen. Schwarze Kunststoffe erkennt herkömmliche Nahinfrarot-Technik schlecht, PreZero rüstete Eitting deshalb mit eigenen Scannern dafür aus. Mars bereitet in Viersen bereits Linien auf Papierverpackungen vor. Ab Mitte 2027 plant der Bund zudem eine Plastiksteuer von 550 Euro je Tonne Kunststoff in Verpackungen. Prüfen Sie Ihre Verpackungen gerne jetzt auf Sortierbarkeit: Ab 2030 entscheidet die Recyclingfähigkeit darüber, ob eine Verpackung überhaupt noch in den Handel darf.
Quellen
[1] lokalo.de: „Trier: A.R.T. investiert 70 Millionen Euro in neue Sortiertechnik im Trierer Hafen“ (8. Oktober 2026)
[2] A.R.T. Verwertungs- und Sortiergesellschaft mbH: „Wissenswertes über die VerSo GmbH“
[3] Bundesministerium der Justiz: „§ 42 VerpackDG, Anforderungen an die Verwertung“
[4] Initiative Mülltrennung wirkt: „Recyclingquoten 2024 zeigen: Verpackungsrecycling in Deutschland funktioniert“ (28. Januar 2026)
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