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Peter Thiel wirft Barack Obama und Papst Leo XIV. vor, die Angst vor künstlicher Intelligenz für die eigene Beliebtheit zu nutzen. Dem Papst unterstellte der Palantir-Mitgründer in Vorträgen, deren Mitschnitte Politico vorliegen, mit seiner KI-Enzyklika vom Missbrauchsskandal der Kirche abzulenken. Im Visier hat Thiel jede staatliche KI-Regulierung, den EU AI Act eingeschlossen.

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Peter Thiel sprach am 28. September und am 5. Oktober vor geschlossenem Publikum in Nashville, Tennessee. Das US-Magazin Politico erhielt Aufnahmen beider Abende und zitierte am 8. Oktober daraus.[1] Laut Veranstaltungsseite laufen die vier „Nashville Antichrist Lectures“ noch bis zum 19. Oktober.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Politico-Mitschnitten wirft Thiel Obama und Papst Leo XIV. vor, mit der Angst vor KI um Zustimmung zu werben.
  • Die KI-Enzyklika des Papstes nennt Thiel eine Ablenkung vom Missbrauchsskandal; Vatikan und Thiel ließen Anfragen unbeantwortet.
  • Den Antichristen beschreibt Thiel als Fürsprecher einer weltweiten Regulierung, die den technischen Fortschritt anhält.
  • In der EU gelten die Transparenzpflichten des AI Act seit dem 2. August 2026, unabhängig vom Streit in den USA.

Was wirft Thiel Obama und dem Papst vor?

Weißer Ordner mit Aufschrift „KI-Regeln“ und zwei kleinen roten Hörnern obendrauf
Thiel kritisiert Obama und den Papst, die KI-Skepsis nutzen würden, um ihre Popularität zu steigern

„Viele Menschen wissen, dass KI politisch unbeliebt ist, und wollen das nutzen, um ihre eigene Popularität zu steigern“, sagte Thiel laut den Aufnahmen. „Obama und der Papst fallen beide in diese Kategorie. Obama weiß, dass die Demokraten keine Ideen haben, aber sie können sich wenigstens gegen KI stellen.“ Der frühere US-Präsident hatte seine Partei kurz zuvor aufgefordert, einen umfassenderen KI-Plan vorzulegen.

Über die erste Enzyklika von Leo XIV. urteilte Thiel noch härter: „Er brauchte etwas politisch Populäres, um von den Skandalen um sexuellen Kindesmissbrauch in der Kirche abzulenken, und er fand es in der KI.“ Gegenüber Politico äußerten sich weder Thiels Sprecher noch der Vatikan, ebenso wenig die Büros von Obama und Vizepräsident JD Vance.

Den Antichristen beschreibt Thiel als Figur, die den technischen Fortschritt anhält und eine Weltregierung der Regulierung anstrebt. Einen großen Teil eines Abends widmete Thiel laut Politico dem Effektiven Altruismus. Die Bewegung habe einen erheblichen Teil der KI-Fachleute einer Gehirnwäsche unterzogen.

Was steht tatsächlich in der Enzyklika?

Die Ablenkungsthese verträgt sich schlecht mit dem Kalender. Leo XIV. begründete seine Namenswahl schon am 10. Mai 2025, zwei Tage nach dem Konklave, vor den Kardinälen mit der künstlichen Intelligenz: Die Kirche wolle mit ihrer Soziallehre „auf eine weitere industrielle Revolution und auf die Entwicklungen der künstlichen Intelligenz“ antworten.[2] Die Enzyklika Magnifica Humanitas unterzeichnete der Papst am 15. Mai 2026, dem 135. Jahrestag von Rerum Novarum, und stellte das Lehrschreiben am 25. Mai vor.

In der Sache liegen Thiel und der Papst weit auseinander. Die Enzyklika fordert „angemessene Regulierungsinstrumente“ gegen die verzerrenden Folgen technologischer Macht und verlangt „angemessene rechtliche Rahmenbedingungen, unabhängige Aufsicht“.[3] Nummer 106 hält fest: „Wenn man zur Vorsicht, zu strengen Kontrollen und manchmal auch zu einer Verlangsamung bei der Einführung der KI aufruft, bedeutet das nicht, gegen den Fortschritt zu sein.“ Ende September hatte Leo XIV. bereits Nvidia-Chef Jensen Huang kritisiert, weil Huang staatliche Grenzen für KI ablehne.

Thiel gegen Leo: zwei Haltungen zur KI-Regulierung
Was der Investor in Nashville sagte, was die Enzyklika fordert und was in der EU gilt
Peter Thiel

Mitgründer von PayPal und Palantir, Founders FundThiel sieht in weltweiter KI-Regulierung den Weg zu einer Weltregierung, die den technischen Fortschritt anhält.

Papst Leo XIV.

Enzyklika Magnifica Humanitas, Nummern 5 und 106Der Papst fordert angemessene Regulierungsinstrumente, rechtliche Rahmenbedingungen und unabhängige Aufsicht.

Chronik der beiden Linien
  • 10. Mai 2025Leo XIV. begründet seinen Papstnamen mit der künstlichen Intelligenz
  • September 2025Thiel hält vier Vorträge über den Antichristen in San Francisco
  • März 2026Thiel wiederholt die Reihe in Rom
  • 15. und 25. Mai 2026Der Papst unterzeichnet die KI-Enzyklika und stellt sie zehn Tage später vor
  • 28. September und 5. Oktober 2026Thiel greift in Nashville Obama und den Papst an, laut Mitschnitten bei Politico
  • 19. Oktober 2026Die Reihe in Nashville endet
EU AI Act, Artikel 50
2. Aug. 2026
Kennzeichnung von KI-Interaktionen und erzeugten Inhalten gilt
EU AI Act, Anhang III
Dez. 2027
Hochrisiko-Pflichten, etwa für Polizeianwendungen, nach dem Digital Omnibus

Thiel macht aus einem Streit über Haftung und Aufsicht eine Glaubensfrage. Über Software für deutsche Behörden entscheidet trotzdem der AI Act.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Warum greift Thiel den Papst gerade jetzt an?

Nashville ist die dritte Station einer Vortragsreihe. Im September 2025 sprach Thiel in San Francisco viermal über den Antichristen, im März 2026 wiederholte er die Reihe in Rom. In zwei Essays für die US-Zeitschrift First Things beschrieb Thiel die Figur als Technokraten, der mit Sicherheit, Ethik und weltweiter Abstimmung um Vertrauen wirbt. In Nashville richtet Thiel die These gegen konkrete Personen.

Thiels Geschäften schadet die Haltung nicht. Palantir verkauft KI-Software an Behörden und Armeen, über den Founders Fund investiert Thiel in KI-Start-ups. Politico nennt die Ablehnung von Regulierung eine verbreitete Haltung im Wagniskapital, die religiöse Zuspitzung und der Angriff auf das Oberhaupt der katholischen Kirche gehen darüber hinaus. Anfang Oktober hatte Thiel in einem Podcast bereits jede KI-Pause abgelehnt.

Politisch berührt der Streit JD Vance: Thiel förderte den Wechsel des heutigen Vizepräsidenten aus dem Wagniskapital in die Politik, Vance ist zum Katholizismus konvertiert. Laut Politico nehmen einzelne Demokraten mit Blick auf die Wahl 2028 Vances Nähe zu Thiel bereits ins Visier.

Was bedeutet das für Unternehmen und Behörden in der EU?

An den Pflichten in Europa ändert Thiels Theologie nichts. Der EU AI Act trat am 1. August 2024 in Kraft,[4] seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50, dass Nutzer KI-Interaktionen und erzeugte Inhalte erkennen können. Bestimmte Polizeianwendungen, etwa zur Risikobewertung von Personen, zählen nach Anhang III zu den Hochrisiko-Systemen. Deren Pflichten hat der Digital Omnibus auf Dezember 2027 verschoben.

Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg setzen bei der Polizei Analysesoftware von Palantir ein, der Rüstungselektronikkonzern Hensoldt arbeitet an einer europäischen Alternative. Für Einkäufer in Unternehmen und Verwaltung folgt daraus:

  • Lassen Sie sich von US-Anbietern für KI und Datenanalyse vertraglich zusichern, dass die Produkte die Pflichten des AI Act erfüllen, unabhängig davon, wie die Gründer öffentlich über Regulierung sprechen.
  • Prüfen Sie Chatbots und KI-generierte Inhalte auf die Kennzeichnung nach Artikel 50, denn diese Pflicht gilt bereits seit dem 2. August 2026.

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FAQ: Peter Thiel, der Papst und die KI-Regulierung

Wer ist Peter Thiel?

Peter Thiel ist ein Investor, der 1967 in Frankfurt am Main geboren wurde und in den USA aufwuchs. Thiel gründete PayPal und die Datenanalysefirma Palantir mit, investierte früh in Facebook und rief 2005 den Wagniskapitalgeber Founders Fund ins Leben. Politisch unterstützte Thiel früh Donald Trump und JD Vance.

Was ist Magnifica Humanitas?

Magnifica Humanitas ist die erste Enzyklika von Papst Leo XIV. Der Papst unterzeichnete das Lehrschreiben am 15. Mai 2026 und stellte das Schreiben am 25. Mai vor. Der Text behandelt die Menschenwürde im Zeitalter der KI und verlangt Regeln, unabhängige Aufsicht und Grenzen für KI im Krieg.

Was meint Thiel mit dem Antichristen?

Thiel beschreibt den Antichristen nicht als Monster, sondern als Technokraten, der mit Sicherheit und weltweiter Abstimmung wirbt. Aus seiner Sicht führt eine globale Regulierung von KI oder Klima zu einer Weltregierung, die den technischen Fortschritt anhält. Seit 2025 vertritt Thiel die These in Vorträgen und Essays.

Welche Pflichten aus dem EU AI Act gelten seit August 2026?

Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des AI Act. Nutzer müssen erkennen können, dass sie mit einer KI sprechen, und KI-generierte Inhalte brauchen eine Kennzeichnung. Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III greifen nach dem Digital Omnibus ab Dezember 2027.

Quellen

[1] Politico, Calder McHugh: „Peter Thiel slams Obama, Pope Leo in new ‘Antichrist’ lectures“, 8. Oktober 2026

[2] Heiliger Stuhl: Ansprache von Papst Leo XIV. an das Kardinalskollegium, 10. Mai 2025

[3] Heiliger Stuhl: Enzyklika „Magnifica Humanitas“ von Papst Leo XIV., 15. Mai 2026, Nummern 5 und 106

[4] Amtsblatt der EU: Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz, 12. Juli 2024

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