Trumps KI-Verordnung: Pflicht? Nein, freiwillig.

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Trumps KI-Verordnung: Pflicht? Nein, freiwillig.

Donald Trump hat am 2. Juni eine Executive Order zur KI-Aufsicht unterzeichnet. Frontier-Modelle sollen 30 Tage vor dem Start an die US-Regierung gehen, allerdings nur freiwillig. Für DACH-Entscheider zählt vor allem der Kontrast zum verbindlichen EU-Ansatz.

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Die neue KI-Verordnung aus Washington verlangt von den führenden Laboren einen Vorabzugang zu ihren stärksten Modellen, und zwar bis zu 30 Tage vor der öffentlichen Freigabe. Zwei Wochen zuvor hatte Trump die Unterzeichnung kurzfristig gestoppt, weil ihm eine frühere Fassung zu weit ging. Die jetzt unterschriebene Version fällt deutlich schlanker aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Trump unterzeichnete die Order „Promoting Advanced Artificial Intelligence Innovation and Security“ am 2. Juni 2026 ohne öffentliche Zeremonie.
  • KI-Anbieter wie Anthropic, OpenAI und Google sollen „covered frontier models“ bis zu 30 Tage vor dem Release zur Prüfung bereitstellen, die Teilnahme bleibt freiwillig.
  • Die NSA legt über einen klassifizierten Benchmark fest, welche Modelle unter die Regel fallen.
  • Ein verpflichtendes Lizenz- oder Genehmigungsverfahren schließt die Order ausdrücklich aus.

Was steht konkret in der Verordnung?

Ein Spion auf einer weißen Tür, daneben ein Klebezettel mit dem Wort „freiwillig“
Entwickler erhalten freiwilligen Vorabzugang zu leistungsstarken KI-Modellen für NSA-Bewertung durch das Weiße Haus

Den Kern bildet ein freiwilliger Vorabzugang, über den Entwickler ihre leistungsfähigsten Modelle der US-Regierung früher zugänglich machen. Das Weiße Haus spricht von „covered frontier models“, die ein vertraulicher Bewertungsprozess der NSA identifiziert. Vorgesehen ist ein Vorlauf von bis zu 30 Tagen, bevor ein Modell breiter ausgerollt wird.

Parallel richtet die Order ein Cybersecurity-Clearinghouse ein, das Software-Schwachstellen im großen Maßstab aufspüren und beheben soll. Bundesbehörden, Länder und Betreiber kritischer Infrastruktur wie ländliche Kliniken, kleine Banken und lokale Versorger sollen Zugang zu KI-gestützten Sicherheitswerkzeugen bekommen. Das Justizministerium soll Straftaten mit KI-Bezug, etwa Hacking und Datendiebstahl, vorrangig verfolgen.

Warum kam erst die Absage, dann die Unterschrift?

Papagei mit Brille und „Freiwillig!“-Fahne sitzt auf einem verwitterten Zylinder im US-Stil
Trump verkürzt AI-Review von 90 auf 30 Tage und betont Freiwilligkeit, um Branchenwiderstand zu reduzieren

Eine frühere Fassung sah einen Review von bis zu 90 statt 30 Tagen vor und brachte Teile der Branche gegen das Vorhaben auf, darunter den früheren KI-Berater des Weißen Hauses, David Sacks. Trump sagte den geplanten Termin am 21. Mai ab und begründete das mit dem Wettlauf gegen China. Die nun unterzeichnete Variante kürzt den Vorlauf und betont an mehreren Stellen die Freiwilligkeit.

Die Order zwingt niemanden zur Teilnahme. Eine staatliche Lizenz-, Vorabprüfungs- oder Genehmigungspflicht für Entwicklung und Veröffentlichung von Modellen schließt der Text ausdrücklich aus. Anthropic begrüßte den Schritt öffentlich und kündigte an, die Umsetzung zu unterstützen.

Was heißt das für DACH-Entscheider?

Metallstempel mit deutschem Text „TRUMPS KI-VERORDNUNG PFLICHT? FREIWILLIG“ und Anhänger
EU zwingt Hochrisiko-KI-Anbieter ab 2027 zu festen Auflagen, während USA auf freiwillige Kooperation setzt. Prüfungen beeinflussen Marktstart neuer Versionen in Europa

Für deutsche und österreichische Entscheider zählt vor allem der Kontrast zur EU. Der EU AI Act verpflichtet Anbieter von Hochrisiko-Anwendungen ab 2027 zu festen Auflagen, während Washington auf freiwillige Kooperation baut. Welche Modelle wie Claude oder GPT künftig durch den 30-Tage-Check laufen, kann zudem den Zeitpunkt beeinflussen, an dem neue Frontier-Versionen in Europa ankommen.

Konkret sollten Mittelständler ihre Beschaffung prüfen, ob ein US-Vorabcheck die Verfügbarkeit oder das Timing neuer Modellversionen verschiebt. Ein systematischer Vergleich der Anbieter hilft bei dieser Einordnung, etwa über den LLM-Ratgeber. Den parallelen europäischen Weg zeigt der Limited-Preview-Zugang, den OpenAI Behörden für sein Sicherheitsmodell GPT-5.5-Cyber eingeräumt hat.

Washington bittet die KI-Labore um Einblick, Brüssel wird sie verpflichten. Eine KI-Strategie für 2026 muss beide Logiken gleichzeitig mitdenken.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Für die nächste Beschaffungsrunde lohnt ein nüchterner Blick: Die US-Order ändert an den Pflichten europäischer Firmen vorerst nichts, sie verschiebt aber das Kräfteverhältnis zwischen Staat und KI-Industrie. Bei laufenden Verträgen mit Anthropic, OpenAI oder Google lohnt der Blick auf Release-Fahrpläne und Sicherheitszusagen.

 

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Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
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