Ruinieren Berufspolitiker den deutschen Mittelstand?
15. April 2026 16. April 2026
Reading Time: 29 minutes

Ruinieren Berufspolitiker den deutschen Mittelstand?

Michael Dobler

Michael Dobler

Autor Dr. Web

81 % Akademiker im Bundestag, 6 % Ingenieure, null Handwerksmeister in der Regierung. Berufspolitiker bestimmen in Deutschland über Steuern, Regulierung und Wirtschaftspolitik. Gleichzeitig haben die meisten Berufspolitiker nie ein Unternehmen geführt, nie eine Gewerbesteuererklärung ausgefüllt und nie einen Mitarbeiter aus eigener Tasche bezahlt. Können Menschen, die den Alltag von Unternehmern nicht kennen, sinnvolle Rahmenbedingungen für genau diese Unternehmer schaffen?

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 65 Milliarden Euro Bürokratiekosten pro Jahr, 24.064 Firmeninsolvenzen allein 2025, 325.000 zusätzliche Stellen nur für die Bewältigung staatlicher Dokumentationspflichten. Dieser Artikel analysiert, welche Qualifikationen im Bundestag sitzen, was das den Mittelstand kostet und warum Deutschlands Wirtschaft trotz kluger Köpfe in der Bevölkerung politisch schlecht geführt wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • 81 % der Bundestagsabgeordneten sind Akademiker, dominiert von Juristen (27 %) und Wirtschaftswissenschaftlern (21 %). Ingenieure, Handwerker und Naturwissenschaftler sind massiv unterrepräsentiert. Berufspolitiker dominieren die Parlamente.
  • Die jährlichen Bürokratiekosten für deutsche Unternehmen betragen 65 Milliarden Euro (Destatis, Stand März 2025). Bei kleinen Unternehmen fressen sie bis zu 6,3 % des Umsatzes.
  • Deutschland belegt im Länderindex Familienunternehmen nur Platz 17 von 21 OECD-Nationen. Nur 55 % der mittelständischen Unternehmer halten den Standort noch für zukunftsfähig.
  • 250.000 Betriebe drohen laut DIHK innerhalb der nächsten zehn Jahre wegzubrechen, weil sich keine Nachfolger finden.
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OCHSENTOUR
KEIN SKILL. KEIN RISK. NUR SITZFLEISCH.
INSERT COIN
LVL: JUSO
XP: 0
SKILL: —
STAGE 1: JUSO AG
STAGE 2: KREISVERBAND
STAGE 3: LANDTAG
FINAL STAGE: BUNDESTAG
Berufserfahrung
JUSO AG
KREISVERBAND
LANDTAG
BUNDESTAG
YEAH!
DIÄTEN: 11.227 €/MONAT
NULL BERUFSERFAHRUNG. VOLLE BEZÜGE.

Wer sitzt eigentlich im Bundestag?

Ledersessel mit Ordner
81 Prozent der Bundestagsabgeordneten haben studiert, während der Akademiker-Anteil in der Bevölkerung nur 20 Prozent beträgt

Der Deutsche Bundestag ist eine der akademischsten Volksvertretungen der Welt. Eine Analyse der University of Europe for Applied Sciences zeigt: 81 Prozent der Abgeordneten haben ein Studium absolviert. In der Gesamtbevölkerung liegt die Akademikerquote bei rund 20 Prozent. Das Parlament bildet die Gesellschaft also nicht annähernd ab.

© 1983 DR. WEB ARCADE
OCHSENTOUR
CHARACTER SELECT
PLAYER 1: DER BERUFSPOLITIKER
MDB
KLASSE: JURIST
Netzwerken
95%
Reden halten
88%
Parteiräson
92%
Medienpräsenz
70%
Wirtschaft
4%
Handwerk
0%
Berufserfahrung
0%
Diäten/Monat
11.227€
INVENTAR
Aktentasche
Inhalt: leer
Visitenkarten
+50 Netzwerk-XP
Redeentwurf
Kopiert von Referent
Diäten-Scheck
Auto-Collect: monatlich
Fraktionsdisziplin
Passiv: Immer aktiv
Steuerrecht
LOCKED: Skill fehlt
DAMAGE REPORT: MITTELSTAND
Bürokratie-Schaden/Jahr
65 Mrd. €
Destatis, Stand März 2025
Bürokratie-Zombies beschwört
325.000
Extra-Stellen in 3 Jahren (IAB)
Unternehmen besiegt (2025)
24.064
Insolvenzen, +10,3 % zum Vorjahr
Betriebe ohne Nachfolger
250.000
Drohen in 10 Jahren wegzubrechen
LEADERBOARD: STANDORT-RANKING
01 Schweiz ★★★★★
02 USA ★★★★☆
03 Dänemark ★★★★☆
17 DEUTSCHLAND ★☆☆☆☆
Quelle: Länderindex Familienunternehmen, ZEW / Stiftung Familienunternehmen, 21 OECD-Nationen
GAME OVER
81 % Akademiker. 6 % Ingenieure. 0 % Handwerksmeister.
Platz 17 von 21. Alle 20 Minuten eine Insolvenz.
Continue? Insert Berufserfahrung.

Die Fächerverteilung verschärft das Bild. 27 Prozent der studierten Abgeordneten haben Rechtswissenschaften studiert, 21 Prozent Wirtschaftswissenschaften, 17 Prozent Politikwissenschaften. Auf Ingenieurwissenschaften entfallen gerade einmal sechs Prozent. Informatiker, Naturwissenschaftler, Handwerksmeister oder Pflegefachkräfte sucht man auf den Regierungsbänken fast vergeblich.

StudienrichtungAnteil im BundestagRelevanz für KMU
Rechtswissenschaften27 %Regulierung, aber wenig operative Praxis
Wirtschaftswissenschaften21 %Theorie ja, Unternehmeralltag selten
Politikwissenschaften17 %Systemkenntnis, null Wirtschaftspraxis
Ingenieurwissenschaften6 %Hoch, aber kaum vertreten
Sozialwissenschaften6 %Gering für Standortpolitik

Besonders alarmierend: 40 Abgeordnete im aktuellen Bundestag geben als Beruf schlicht „Politiker“ an. Sie haben keinen anderen Berufsabschluss oder keine andere Berufserfahrung vorzuweisen. Das sind 6,3 Prozent aller Parlamentarier.

Eine Studie des Berliner Instituts für Parlamentarismusforschung (BIPAR) zeigt am Beispiel der Grünen-Fraktion, wie extrem die Entkopplung sein kann: 74,4 Prozent der grünen Bundestagsabgeordneten haben keinerlei Berufserfahrung außerhalb des Politikbetriebs gesammelt. Von der Jugendorganisation über Parteigremien sind sie direkt als Berufspolitiker ins Parlament gewandert, ohne je in einem Betrieb, einem Labor oder einer Werkstatt gestanden zu haben.

Für Unternehmer stellt sich eine einfache Frage: Würden Sie einen Geschäftsführer einstellen, der nie in der Branche gearbeitet hat? In der Politik geschieht genau das. Täglich.

QUIZ

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OCHSENTOUR TRIVIA
5 Fragen. 3 Optionen. Wie gut kennen Sie den Politikbetrieb?
1 Wie hoch ist der Akademikeranteil im Deutschen Bundestag? Stage 1 ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. 81 Prozent. Laut einer Analyse der University of Europe for Applied Sciences haben 81 Prozent der Abgeordneten ein Studium absolviert. In der Gesamtbevölkerung liegt die Quote bei rund 20 Prozent. Das Parlament bildet die Gesellschaft nicht annähernd ab.
2 Wie viele Extra-Stellen mussten Betriebe in drei Jahren allein für Bürokratie schaffen? Stage 2 ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. 325.000. Eine IAB-Betriebsbefragung aus dem Jahr 2025 zeigt: Deutsche Betriebe haben 325.000 Arbeitskräfte zusätzlich eingestellt, ausschließlich für wachsende Dokumentationspflichten. Nicht für Produktion, Innovation oder Kundenservice.
3 Welchen Platz belegt Deutschland im Länderindex Familienunternehmen unter 21 OECD-Nationen? Stage 3 ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Platz 17. Im Ranking des ZEW Mannheim landet Deutschland auf Platz 17 von 21. Bewertet werden Infrastruktur, Steuern, Energie, Regulierung, Arbeitskosten und Produktivität. Die Schweiz führt das Ranking an.
4 Was beschreibt Nassim Talebs Konzept „Skin in the Game“? Stage 4 ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Taleb argumentiert, dass Systeme versagen, sobald die Entscheider von den Folgen ihrer Beschlüsse entkoppelt sind. Berufspolitiker tragen kein persönliches Risiko für gescheiterte Gesetze. Unternehmer schon.
5 Welches Land setzt auf das Milizprinzip, bei dem Parlamentarier neben einem zivilen Beruf arbeiten? Final Stage ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Die Schweiz. Im Schweizer Milizprinzip üben Parlamentarier ihre Mandate neben einem zivilen Beruf aus. Unternehmer, Handwerker und Landwirte wirken direkt an der Gesetzgebung mit. Das ist der Gegenentwurf zum deutschen Berufspolitiker-Modell.

Was kostet Berufspolitik den Mittelstand?

Großer Holzstempel
Bürokratie trifft kleine Betriebe fünfmal härter als Konzerne. Bis zu 6,3 Prozent des Umsatzes fressen Dokumentationspflichten bei KMU.

Die Gesetze, die Berufspolitiker beschließen, entstehen nicht im luftleeren Raum. Jede neue Verordnung erzeugt Aufwand bei denen, die sie umsetzen müssen. Und dieser Aufwand lässt sich beziffern.

Das Statistische Bundesamt beziffert die laufenden Bürokratiekosten für deutsche Unternehmen auf 65 Milliarden Euro pro Jahr (Stand März 2025). Seit 2012 sind die Vorgaben um 20,5 Prozent gestiegen. Allein 2025 kamen mehr als 500 neue Rechtsvorschriften auf Bundesebene hinzu, die Berufspolitiker auf den Weg gebracht haben. Das Bürokratieentlastungsgesetz IV, das Anfang 2025 in Kraft trat, konnte diesen Zuwachs nicht annähernd kompensieren.

Die Belastung trifft kleine Unternehmen überproportional. Laut dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM Bonn) können Bürokratiekosten bei Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern bis zu 6,3 Prozent des Umsatzes ausmachen. Bei Großkonzernen sind es nur 1,3 Prozent. Bürokratie wirkt wie eine Steuer, die ausschließlich den Mittelstand trifft.

Eine IAB-Betriebsbefragung aus dem Jahr 2025 liefert eine besonders eindrückliche Zahl: Deutsche Betriebe mussten in den vergangenen drei Jahren 325.000 Arbeitskräfte zusätzlich einstellen, ausschließlich um wachsende Dokumentationspflichten zu erfüllen. Nicht für Produktion. Nicht für Innovation. Nicht für Kundenservice. Für Papierkram.

80 Prozent der befragten Betriebe berichten von steigenden Kosten. Mehr als die Hälfte meldet sinkende Produktivität. Innovation und Investitionen leiden ebenfalls. Als besonders belastend nennen die Unternehmen die Datenschutzgrundverordnung, EU-Verordnungen zur IT-Sicherheit und das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.

Eine Umfrage unter 550 Interim Managern bestätigt das Bild: 80 Prozent der Führungskräfte halten die Überbürokratisierung für die mit Abstand größte Belastung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Mehr als die Hälfte der Manager hat Projekte verschoben oder gestrichen, weil behördliche Hürden zu komplex waren.

Wer selbständig ist und die tatsächliche Steuerlast kennt, addiert zu den Bürokratiekosten noch eine Abgabenquote von 55 bis 60 Prozent. Was bleibt, reicht für viele kaum zum Investieren.

Warum behandelt der Staat Unternehmer wie Verdächtige?

Waage mit Schlüssel (links) und Paragraphen (rechts) auf weißem Grund
Nach Einschätzung von Steuerberatern zahlen 70 Prozent des Mittelstands den Höchststeuersatz. Die Waage zwischen Leistung und Regulierung ist längst gekippt.

Die Gewerbesteuer ist die wichtigste Einnahmequelle deutscher Kommunen. Ohne Gewerbetreibende gäbe es keine Schulen, keine Straßen, keine Feuerwehr. Trotzdem behandelt der Staat genau diese Steuerzahler mit systematischem Misstrauen.

Betriebsprüfungen, Dokumentationspflichten, Nachweisfristen, Aufbewahrungspflichten von zehn Jahren: Jede Regelung unterstellt, dass Unternehmer ohne lückenlose Kontrolle betrügen würden. Die Realität sieht anders aus. Nach Einschätzung von Steuerberatern zahlen rund 70 Prozent der mittelständischen Unternehmen den Höchststeuersatz, weil ihnen die Ressourcen für legale Steueroptimierung fehlen. Berufspolitiker profitieren von Regulierung, Unternehmer bezahlen sie.

Der libanesische Mathematiker und Bestseller-Autor Nassim Taleb hat für dieses Phänomen einen Begriff geprägt: fehlendes „Skin in the Game“. Berufspolitiker treffen Entscheidungen über wirtschaftliche Rahmenbedingungen, ohne die Konsequenzen selbst zu tragen. Scheitert ein Gesetz, verliert der Unternehmer Geld. Der Abgeordnete behält sein Mandat.

Selbst die unbedeutendsten Hinterbänkler im Bundestag verdienen Diäten, die in der Privatwirtschaft leitenden Angestellten oder erfolgreichen Freiberuflern vorbehalten sind. Ohne Geschäftsrisiko, ohne Haftung, ohne die Angst vor einer leeren Auftragspipeline im nächsten Quartal. Die Anreizstruktur belohnt nicht Problemlösung, sondern Wiederwahl.

Stirbt der Mittelstand leise?

Bonsai-Baum im Herbst in einer Schale mit einem Preisschild davor auf weißem Hintergrund
24.064 Insolvenzen in einem Jahr, 250.000 Betriebe ohne Nachfolger. Der Mittelstand verdorrt, während die Politik anderswo gießt.

Während Berufspolitiker über Wachstumspakete debattieren, sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Exakt 24.064 Unternehmen haben 2025 in Deutschland Insolvenz angemeldet. Das entspricht einem Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und dem höchsten Stand seit 2014. Statistisch betrachtet ging alle 20 Minuten ein Betrieb unter.

Im Länderindex Familienunternehmen des ZEW, der die Standortbedingungen für den Mittelstand in 21 OECD-Nationen vergleicht, belegt Deutschland Platz 17. Bewertet werden Infrastruktur, Steuern, Energie, Regulierung, Arbeitskosten, Bildung und Produktivität. In fast jeder Kategorie fällt Deutschland zurück.

„Berufspolitiker regulieren, was sie nie betrieben haben. Das Ergebnis sind 65 Milliarden Euro Bürokratiekosten pro Jahr und ein Mittelstand, der schneller stirbt, als er nachwachsen kann.“

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Eine Studie von PwC und Strategy& unter 300 Führungskräften energieintensiver Mittelständler zeigt: Nur 55 Prozent halten den Standort Deutschland noch für zukunftsfähig. 30 Prozent planen, ihre Investitionen in den nächsten fünf Jahren ins Ausland zu verlagern. Die Potenziale zur Kostensenkung sind laut den Befragten bereits weitgehend ausgeschöpft.

Die dramatischste Zahl liefert der DIHK-Nachfolgereport 2025. In den IHK-Beratungen stehen 9.600 übergabebereite Unternehmen nur 4.000 potenziellen Nachfolgern gegenüber. Mehr als ein Viertel der Altinhaber zieht eine vollständige Schließung in Betracht. Hochgerechnet könnten innerhalb der nächsten zehn Jahre bis zu 250.000 Betriebe wegbrechen, darunter Tausende wirtschaftlich gesunde Unternehmen.

Die andauernde Rezession, wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Energie- und Personalkosten, Fachkräftemangel und überbordende Bürokratie dämpfen die Bereitschaft, sich langfristig unternehmerisch zu engagieren. Qualifizierte Fachkräfte entscheiden sich gegen die Selbständigkeit. Ein sicheres Angestelltenverhältnis bietet in Zeiten des Personalmangels oft bessere Konditionen als das Risiko einer Firmengründung.

Was müsste ein Wirtschaftsminister eigentlich können?

Geteilter Schreibtisch: links Taschenrechner, Buch, Tasse
Links der Alltag eines Unternehmers, rechts der eines Ministers. Zwischen beiden Welten liegen laut einem Headhunter Galaxien.

Stellen Sie sich vor, ein Headhunter sucht einen Geschäftsführer für ein Unternehmen mit 3,1 Millionen Standorten, 45 Millionen Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 3,9 Billionen Euro. So groß ist die deutsche Wirtschaft. Welches Profil würde der Headhunter verlangen?

AnforderungCEO/GeschäftsführerTypischer Berufspolitiker als Bundesminister
BranchenerfahrungPflicht, mindestens 10 JahreSelten vorhanden
P&L-VerantwortungNachgewiesen, messbarNie getragen
MitarbeiterführungHunderte bis TausendeParlamentarische Mitarbeiter
Haftung bei FehlentscheidungPersönlich, existenzbedrohendKeine
ErfolgsmetrikUmsatz, Gewinn, MarktanteilUmfragewerte, Wiederwahl

Der Wirtschaftsjournalist Heiner Fischer, ein auf Führungskräfte spezialisierter Headhunter, bewertete bereits 2018 das Kabinett Merkel IV und stellte fest: Zwischen Fachleuten, die sich mit Wirtschaftsthemen befassen, und Berufspolitikern liegen „Galaxien“. Vielen Ministern würde er in der freien Wirtschaft keine vergleichbare Position zutrauen.

Das Problem ist strukturell. Die sogenannte Ochsentour, also der Weg von der Jugendorganisation über Kreisverbände und Landeslisten in den Bundestag, selektiert auf ganz bestimmte Fähigkeiten: Netzwerken, Kompromissfindung, mediale Präsenz, Parteiräson. Operative Exzellenz, technisches Verständnis oder unternehmerisches Risikobewusstsein gehören nicht dazu.

Das Ergebnis: Eine politische Klasse, die über ökonomische Grundlagen spricht, ohne sie je praktisch angewandt zu haben.

Welche Länder machen es besser?

3 Töpfe mit DK, CH, SG Flaggen, 1 umgekippter Topf mit DE Flagge & „Nachbestellen“-Schild
Dänemark digitalisiert, die Schweiz lässt Unternehmer mitregieren, Singapur misst Ergebnisse. Deutschland belegt Platz 17 von 21.

Deutschlands Standortprobleme sind nicht naturgesetzlich. Andere Industrienationen zeigen, dass politische Führung und wirtschaftliche Kompetenz vereinbar sind.

Dänemark gilt als Vorreiter der Verwaltungsdigitalisierung. Seit 2014 ist die digitale Kommunikation mit Behörden für Bürger und Unternehmen verpflichtend. Das Ergebnis: erhebliche Effizienzsteigerungen in der Verwaltung bei gleichzeitig sinkenden Bürokratiekosten. In Deutschland diskutieren Berufspolitiker seit Jahren über ein „Once-Only-Prinzip“, bei dem Unternehmen ihre Daten nur einmal an eine Behörde übermitteln müssen. Umgesetzt ist davon fast nichts.

Singapur setzt seit Jahrzehnten auf einen technokratischen Ansatz: Minister werden gezielt aus der Wirtschaft rekrutiert, erhalten leistungsbezogene Vergütungen und werden an messbaren Ergebnissen gemessen. Das Modell ist nicht direkt auf eine Demokratie wie Deutschland übertragbar. Die Grundidee, dass Fachkompetenz keine Nebensache sein sollte, gilt trotzdem.

Die Schweiz kombiniert direkte Demokratie mit einem politischen System, in dem die meisten Parlamentarier ihre Mandate neben einem Beruf ausüben. Das Milizprinzip ist der Gegenentwurf zum deutschen Berufspolitiker-Modell. Unternehmer, Ärzte, Landwirte und Handwerker wirken direkt an der Gesetzgebung mit. Der Effekt: praxisnähere Regulierung und ein deutlich mittelstandsfreundlicheres Steuerklima.

Was können Unternehmer jetzt tun?

Offene Holzbox mit Gravur, Ausweis, USB-Stick, Mini-Ordner und graviertem Stab
Auf die Politik warten bringt nichts. Diese fünf Hebel können Unternehmer sofort selbst umlegen.

Auf Berufspolitiker zu warten löst kein Problem. Unternehmer, die handlungsfähig bleiben wollen, setzen an mehreren Stellen gleichzeitig an.

Steuerliche Spielräume nutzen

Nach Einschätzung von Steuerberatern zahlen rund 70 Prozent des Mittelstands den Höchststeuersatz, obwohl legale Optimierungsmöglichkeiten existieren. Investitionsabzugsbeträge, Holdingstrukturen, Stiftungsmodelle: Ein spezialisierter Steuerberater amortisiert sich in der Regel im ersten Jahr. Warten kostet Liquidität.

Bürokratie systematisch reduzieren

Digitale Buchhaltung, automatisierte Meldeverfahren und spezialisierte Software senken den internen Aufwand messbar. Betriebe, die ihre Prozesse frühzeitig digitalisieren, gewinnen genau die Stunden zurück, die der Staat ihnen mit jeder neuen Vorschrift nimmt.

Politisch sichtbar werden

IHK-Gremien, Wirtschaftsverbände, kommunale Beiräte: Unternehmer, die dort fehlen, überlassen die Agenda den Berufspolitikern. Besonders auf kommunaler Ebene lässt sich direkt Einfluss nehmen, etwa bei Gewerbesteuerhebesätzen, Bebauungsplänen oder digitaler Infrastruktur.

Nachfolge früh planen

Angesichts der DIHK-Zahlen (9.600 übergabebereite Betriebe, 4.000 Interessenten) sollte die Nachfolgeplanung fünf bis zehn Jahre vor dem geplanten Ausstieg beginnen. Steuerliche Begünstigungen bei der Unternehmensnachfolge nutzen sich nicht von selbst.

Netzwerke stärken

Unternehmerverbände, Branchencluster und lokale Mittelstandsallianzen schaffen Gegengewichte zur politischen Blase. Gemeinsam lässt sich Gehör verschaffen, allein bleibt man Bittsteller.

Quellen

University of Europe for Applied Sciences | Akademikeranteil im Bundestag: Analyse der beruflichen Qualifikationen | https://www.ue-germany.com/de/news-center/presse/akademikeranteil-im-bundestag | besucht am 15.04.2026

Statistisches Bundesamt | Bürokratiekostenindex (BKI), Stand 31.03.2025 | https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Buerokratiekosten/Erfuellungsaufwand/buerokratiekostenindex.html | besucht am 15.04.2026

IAB-Forum | Die Betriebe mussten in den letzten drei Jahren 325.000 Arbeitskräfte zusätzlich einstellen | https://iab-forum.de/die-betriebe-mussten-in-den-letzten-drei-jahren-325-000-arbeitskraefte-zusaetzlich-einstellen-um-die-gewachsene-buerokratie-zu-bewaeltigen/ | besucht am 15.04.2026

Institut für Mittelstandsforschung (IfM Bonn) | Bürokratiekosten bei kleinen Unternehmen bis zu 6,3 Prozent des Umsatzes | via DIHK-Gründungsumfrage 2025 | besucht am 15.04.2026

DIHK | Nachfolgereport 2025: Mittelstand schlägt Alarm | https://www.iww.de/pu/schwerpunktthema/unternehmensnachfolge-2025-dihk-nachfolgereport-2025-mittelstand-schlaegt-alarm-n168455 | besucht am 15.04.2026

ZEW Mannheim / Stiftung Familienunternehmen | Länderindex Familienunternehmen 2025: Deutschland Platz 17 von 21 | besucht am 15.04.2026

PwC / Strategy& | Studie: Energieintensiver Mittelstand in Deutschland, 2024 | https://www.pwc.de/de/energiewirtschaft/energieintensiver-mittelstand-in-deutschland.html | besucht am 15.04.2026

United Interim | Wirtschaftsreport 2025/2026: Umfrage unter 550 Interim Managern | https://www.presseportal.de/pm/178324/6175472 | besucht am 15.04.2026

Statistisches Bundesamt | Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025: +10,3 % zum Vorjahr | https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_085_52411.html | besucht am 15.04.2026

BIPAR / Fuchsbriefe | Grüne Blase: Berufspolitiker ohne Berufserfahrung | https://www.fuchsbriefe.de/politik/deutschland/gruene-blase-berufspolitiker-ohne-berufserfahrung- | besucht am 15.04.2026

Sachverständigenrat Wirtschaft | Jahresgutachten 2025/26, Kapitel 7: Bürokratiekosten senken | https://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/dateiablage/gutachten/jg202526/JG202526_Kapitel_7.pdf | besucht am 15.04.2026

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