Ein Server mit Nvidias neuer Vera-CPU steht seit der vergangenen Woche im Büro des Cloud-Anbieters Modal in San Francisco. In Modals eigenen Tests erledigte der Arm-Prozessor bei voller Auslastung doppelt so viele Aufgaben von KI-Agenten wie ein vergleichbarer Intel-Server. Bisher liefen alle Agenten bei Modal auf Chips von Intel und AMD.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFast drei Milliarden Sandboxen hat Modal nach eigenen Angaben gestartet.[2] In diesen abgeschotteten Umgebungen führen KI-Agenten Code aus. Allein dieses Geschäft setzt aufs Jahr hochgerechnet 300 Millionen US-Dollar um, rund 261 Millionen Euro (0,87 Euro je US-Dollar, Stand 20. Oktober 2026).
Das Wichtigste in Kürze
- Modal will Nvidias Vera-CPU erstmals für seine Sandboxen einsetzen, bisher lief dort nur x86-Technik von Intel und AMD.
- Unter Last verdoppelte Vera in Modals Tests den Durchsatz gegenüber einem Intel-Server mit Granite-Rapids-Prozessor.
- Intel und AMD bleiben: Modal plant einen gemischten Gerätepark.
- Nvidia rechnet laut Reuters im laufenden Geschäftsjahr mit mindestens 17,4 Milliarden Euro Umsatz aus Vera.
Warum bremst ein voller Server die Agenten aus?

Auf einem Server von Modal laufen Hunderte Sandboxen verschiedener Kunden gleichzeitig. Die meiste Zeit warten die Agenten auf die Antwort eines Sprachmodells. Startet dann eine Installation oder eine Dateisuche, springt die Last auf das Zehnfache des Grundwerts.[1] Teilen sich viele Kunden einen Rechner, bremst eine solche Spitze die Sandboxen der übrigen Kunden.
Auf einem leeren Server war Vera bei einzelnen Aufgaben oft schneller als die Prozessoren von Intel, AMD und Amazon, aber nicht immer und nur knapp. Den Unterschied zeigte erst der Test mit vielen gleichzeitigen Containern: Die übrigen Prozessoren erreichten früh ihren Höchstwert, Vera legte mit jedem weiteren Prozessorkern zu.[1] Modal führt das auf die hohe Speicherbandbreite zurück. Nvidia vermarktet die 88-Kern-CPU ausdrücklich für KI-Agenten.
Beim bestärkenden Lernen, also dem Training über Versuch und Belohnung, warten teure Grafikchips, bis die Agenten in den Sandboxen alle Übungsdurchläufe beendet haben.[1] Schnellere Hauptprozessoren verkürzen damit auch den Leerlauf der GPUs.
Was gewinnt Nvidia mit einem einzelnen Start-up?
Modal ist kein Kleinkunde. Der Anbieter sammelte vergangene Woche 750 Millionen US-Dollar ein, rund 653 Millionen Euro, bei einer Bewertung von rund 13,7 Milliarden Euro nach der Finanzierungsrunde.[2] Den hochgerechneten Jahresumsatz beziffert Modal auf über 870 Millionen Euro. Nach Angaben von Reuters wollen auch OpenAI, Anthropic, Oracle und Perplexity die Vera-CPU einsetzen.
Mit den Agenten wächst der Bedarf an Hauptprozessoren. Anthropic bucht bei Akamai für rund 10,1 Milliarden Euro reine CPU-Leistung. Der chinesische Hersteller Hygon sieht das Verhältnis von CPU zu Grafikchip bei Agenten schon bei 1 zu 1. Nvidia beziffert den Markt für solche Prozessoren laut Reuters auf rund 174 Milliarden Euro.
Einen Abschied von Intel und AMD sieht Modal-Chef Erik Bernhardsson im Wechsel nicht. Beide Konkurrenten arbeiten an neueren Prozessoren als den getesteten. „Wir testen sie, sobald es sie gibt“, sagte Bernhardsson laut Reuters. Mit einem gemischten Gerätepark könne Modal „immer die Hardware einsetzen, die am besten abschneidet“.
Auf dem leeren Server war Vera kaum schneller. Den Unterschied zeigt erst der volle Rechner, also der Normalbetrieb jeder Cloud.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was verlangt der Wechsel auf Arm von Unternehmen?
Ganz ohne Umbau gelingt der Wechsel nicht. Modal muss seine Infrastruktur und die Erstellung der Container-Images auf die Arm-Architektur umstellen.[1] Vor derselben Arbeit stehen Unternehmen, die Agenten oder automatische Tests in abgeschotteten Umgebungen betreiben. Arm-Server bietet etwa Amazon mit seinen Graviton-Prozessoren schon länger an.
Zwei Schritte bereiten einen Wechsel vor:
- Die Entwickler bauen jedes Container-Image für x86 und Arm, damit die Sandboxen auf beiden Servertypen starten.
- Vor dem Kauf testet die IT mit ihrer realen Last: viele gleichzeitige Sandboxen statt einer einzelnen Aufgabe auf einem leeren Rechner.
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