Das Amtsgericht Leipzig hat am 15. Oktober das Insolvenzverfahren über die LFD Holding eröffnet, die Nachfolgerin des Straathof-Konzerns. Die Geschäftsführung saniert in Eigenverwaltung, die Schweinezucht in Gladau bei Genthin arbeitet vorerst weiter. Nach Geestferkel im Juli steckt damit der zweite große Ferkelerzeuger des Jahres in der Insolvenz.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenRund 1,5 Millionen Ferkel im Jahr erzeugte die Gruppe noch 2020, als der Niederländer Adrianus Straathof sie an die Schweizer Terra Grundwerte AG verkaufte.[2] Als Grund für die Insolvenz nennt ein Unternehmenssprecher gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung „die sich nachhaltig verschlechterten Rahmenbedingungen in Deutschland und die Preisentwicklung“.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Geschäftsführer Ralf-Uwe Stolarski bleibt im Amt, ein Sachwalter überwacht ihn.
- Gläubiger melden ihre Forderungen bis 9. November an, am 17. November tagt die Gläubigerversammlung.
- Die Anlage in Gladau läuft weiter, eine aktuelle Zahl der Beschäftigten nennen die Berichte nicht.
- Ferkel notieren bei 30 Euro, Geestferkel nannte bei diesem Preis mehr als 25 Euro Verlust je Tier.
Was heißt die Eigenverwaltung für Gladau?

Geschäftsführer Ralf-Uwe Stolarski führt das Unternehmen in der Eigenverwaltung weiter und will die Gruppe nach Angaben des Sprechers aus eigener Kraft sanieren.[1] Als Sachwalter überwacht ihn der Leipziger Insolvenzrechtler Rainer Bähr. Am 17. November entscheidet die Gläubigerversammlung, ob das Verfahren weiterläuft und ob ein Insolvenzplan entsteht.[2] Denselben Weg geht gerade der Maschinenbauer Vollmer in Biberach.
Für Gladau, einen Ortsteil von Genthin im Jerichower Land, beginnt laut Volksstimme eine unsichere Zeit. Der Betrieb läuft vorerst weiter, Details zum Standort könnten im November bekannt werden.[3] Wie viele Menschen die Gruppe heute beschäftigt, nennen die bisherigen Berichte nicht.
Wie ist der Straathof-Konzern geschrumpft?
Adrianus Straathof gründete die Holding 2004. Nach wiederholten Verstößen gegen den Tierschutz erhielt er ein bundesweites Verbot der Schweinehaltung, die Gruppe heißt seither LFD, kurz für Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland. Beim Verkauf 2020 gehörten elf Standorte mit rund 55.000 Sauenplätzen und zehn Biogasanlagen dazu.[2]
Danach schrumpfte die Gruppe. Beim Großbrand in Alt Tellin in Vorpommern-Greifswald starben im März 2021 rund 50.000 Sauen und Ferkel, die Betriebsgenehmigung der Anlage ist erloschen. Anfang 2023 trennte sich die Holding von der Schweinezucht Binde, im Mai 2026 zog der Sitz von Genthin nach Leipzig.[2]
Für 2025 weist der Jahresabschluss der Holding einen Verlust von 2,6 Millionen Euro aus. Die Verbindlichkeiten lagen Ende 2025 bei fast 3,9 Millionen Euro, das Eigenkapital war aufgebraucht.[2]
Warum geraten die Ferkelerzeuger in Not?
Die Erlöse decken die Kosten nicht. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) senkte ihren Leitpreis für Schlachtschweine am 14. Oktober um 5 Cent auf 1,40 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Ferkel notieren unverändert bei 30 Euro je Tier. EU-weit erlösten Schlachtschweine in der Woche bis 11. Oktober 16,3 Prozent weniger als vor einem Jahr.[4]
Bei denselben Preisen meldete im Juli die Geestferkel GmbH aus Wildeshausen Insolvenz an, mit 188 Beschäftigten in vier Bundesländern. Geschäftsführer Jörn Ahlers bezifferte den Verlust auf mehr als 25 Euro je Ferkel und mehr als 50 Euro je Mastschwein. Den Umbau seiner Deck- und Ferkelställe nach den Kriterien der Initiative Tierwohl deckten nach seinen Angaben weder Marktpreise noch staatliche Mittel.[5]
Ferkelerzeuger trifft der Preisverfall doppelt. Sauen ferkeln weiter, die Produktion lässt sich nicht kurzfristig drosseln. Zugleich stallen Mäster bei Verlusten zögerlicher ein, laut Bayerischem Bauernverband fällt das Angebot an Ferkeln groß aus.[6] Planungssicherheit für neue Ställe fehlt weiter, die Koalition hat die staatliche Tierhaltungskennzeichnung auf Oktober 2027 verschoben.
Für Futterlieferanten, Tierärzte und andere Gläubiger der LFD Holding endet die Frist zur Anmeldung ihrer Forderungen am 9. November.[2] Mit einer Erholung rechnet der dänische Erzeugerverband Danske Svineproducenter erst 2027, dann im Schnitt mit 53,75 Euro je Ferkel.[7]
Quellen
7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Mitteldeutsche ZeitungLFD Holding insolvent: Was bedeutet das für die Schweinezucht? (21.10.2026, hinter Bezahlschranke)
- land & forstEinst 1,5 Millionen Ferkel – Ex-Straathof-Konzern LFD in Insolvenz
- VolksstimmeLFD Holding insolvent: Was bedeutet das für die Schweinezucht in Sachsen-Anhalt? (21.10.2026, hinter Bezahlschranke)
- raiffeisen.comPreise geraten ins Rutschen
- top agrarAus für einen der größten deutschen Sauenhalter – Geestferkel insolvent
- Bayerischer BauernverbandFerkel (Marktbericht, abgerufen 22.10.2026)
- top agrarFerkelpreise im Tal – Experten sehen Wende ab Herbst
Mehr Newshunger?
- Theo Müller schließt Saucenwerk Rogätz und Käserei in Leppersdorf: 320 Beschäftigte betroffen
- Weber Magdeburg ist insolvent, für den Stammsitz Markdorf fällt die Entscheidung bis Ende Oktober
- Agrarministerium will Nachweispflichten streichen: Betriebe sollen 61 Millionen Euro sparen
- Leipziger Gießerei SHB kommt aus der Insolvenz: 180 von 230 Stellen bleiben
- Solaranbieter EKD aus Leipzig stellt Insolvenzantrag: rund 400 Beschäftigte betroffen