Der Panzergetriebe-Hersteller Renk gibt fünf Werke mit rund 500 Beschäftigten an den oberösterreichischen Zulieferer Miba ab. Für Miba ist der Kauf des Gleitlagergeschäfts mit rund 130 Millionen Euro Jahresumsatz die größte Übernahme der Firmengeschichte. Renks neue Gewinnprognose für 2026 endet bei 255 Millionen Euro, genau dort, wo die alte anfing.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Mit dem Verkauf des Gleitlagergeschäfts setzen wir unsere Sektorenstrategie wie angekündigt um“, sagt Renk-Chef Alexander Sagel.[1] Gemeint ist der Umbau zum Rüstungskonzern: Bis 2030 soll das Rüstungsgeschäft rund 90 Prozent zum Umsatz des Augsburger Konzerns beitragen.[3] Für die Panzergetriebe baut Renk die Werke in Augsburg und Rheine aus, die Gleitlager aus Hannover gehören nicht mehr zum Plan.
Das Wichtigste in Kürze
- Renk verkauft sein Gleitlagergeschäft an die Miba AG aus Laakirchen, den Kaufpreis halten beide Seiten geheim.
- Die Sparte setzt mit rund 500 Beschäftigten in Deutschland, den USA, Brasilien, China und Japan rund 130 Millionen Euro im Jahr um.
- Ohne die Gleitlager erwartet Renk für 2026 rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 240 bis 255 Millionen Euro.
- Die Kartellbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen.
Warum trennt sich Renk von den Gleitlagern?

Die Gleitlager sind die kleinste Sparte des Konzerns, ihre Kunden kommen vor allem aus der Industrie. Im ersten Halbjahr 2026 setzte das Geschäft 59,9 Millionen Euro um, die Fahrzeugsparte mit den Panzergetrieben 418,6 Millionen.[2]
Die Aufträge entwickeln sich gegenläufig. In der Fahrzeugsparte stieg der Auftragseingang im Halbjahr um 42,6 Prozent, bei den Gleitlagern fiel der Wert um 3,2 Prozent auf 64,2 Millionen Euro. Die bereinigte EBIT-Marge der Gleitlager sank von 16,6 auf 12,5 Prozent, Renk nannte dafür die schwache Industriekonjunktur und deutlich höhere US-Zölle.[2]
Die schwächere Marge allein erklärt den Verkauf nicht. Die Sparte Marine & Industry kam im Halbjahr auf nur 9,9 Prozent und bleibt im Konzern,[2] weil ihre Fertigung laut Renk eng mit dem Rüstungsgeschäft verzahnt ist.[1] Zu dieser Sparte gehören Getriebe für Fregatten und für Gasturbinen, mit denen Renk Kraftwerke für KI-Rechenzentren beliefert.
Was ändert sich an der Prognose für 2026?
Bisher hatte Renk für 2026 mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 255 bis 285 Millionen Euro angekündigt.[2] Ab dem vierten Quartal weist der Konzern die Gleitlager nach dem Bilanzstandard IFRS 5 als aufgegebenen Geschäftsbereich aus. Die neue Spanne von 240 bis 255 Millionen Euro gilt deshalb nur noch für die Fahrzeugsparte sowie Marine & Industry.[1]
Im ersten Halbjahr hatten die Gleitlager 7,5 Millionen Euro zum bereinigten EBIT beigesteuert.[2] Die Mitte der neuen Spanne liegt nach Rechnung von Dr. Web rund 22 Millionen Euro unter der alten. Ob Renk zusätzlich für das übrige Geschäft vorsichtiger plant, erklärt der Konzern in der Mitteilung nicht.
Renk sortiert nicht nach Marge, sondern nach Nähe zur Rüstung.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was folgt aus dem Verkauf für Branche und Kunden?
Renk folgt einem Weg, den Rheinmetall mit seiner Zivilsparte Power Systems in größerem Maßstab geht. Der Düsseldorfer Konzern verkauft das Geschäft mit rund 2 Milliarden Euro Umsatz für vorläufig 350 Millionen Euro an die Münchner Industrieholding Aequita, der Abschluss ist für das vierte Quartal geplant.[4] Den umgekehrten Weg ging Deutz mit dem Kauf des Panzerbauers FFG.
Miba will die Gleitlager laut Vorstandschef F. Peter Mitterbauer für die „Energieversorgung von Rechenzentren für die Künstliche Intelligenz“ und für Elektromotoren anbieten.[5] Hersteller von Elektromotoren, Generatoren und Pumpen mit Renk-Lagern bekommen nach dem Abschluss einen neuen Lieferanten.[1] Einkäufer klären am besten jetzt, wer künftig Ersatzteile und Aufarbeitung übernimmt. Ein Blick in die Rahmenverträge zeigt zudem, ob eine Klausel zum Kontrollwechsel greift.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- RenkDie RENK Group setzt strategische Neuausrichtung konsequent um: Verkauf des Gleitlagergeschäfts an Miba AG (Mitteilung vom 22. Oktober 2026)
- RenkH1 2026: RENK erzielt Rekordauftragseingang bei überproportionalem Anstieg des bereinigten EBIT (Mitteilung vom 6. August 2026)
- RenkCapital Markets Day 2025: Fokus auf Defense-Geschäft (Mitteilung vom 20. November 2025)
- RheinmetallDeal finalised: Rheinmetall divests its civilian division (Mitteilung vom 3. Juni 2026, englisch)
- MibaGrößte Akquisition in der Unternehmensgeschichte: Miba kauft Gleitlagergeschäft der RENK Group (Mitteilung vom 22. Oktober 2026)
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