Gen Digital, der Konzern hinter Norton und Avast, bietet laut Financial Times für den Webhoster GoDaddy. GoDaddy verwaltet rund 81 Millionen Domains, etwa ein Fünftel aller registrierten Adressen weltweit. Beide Firmen schweigen zu den Gesprächen, an der Börse sprang der GoDaddy-Kurs trotzdem nach oben.

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Um elf Prozent stieg die GoDaddy-Aktie am 24. September, bevor die New York Stock Exchange den Handel kurz wegen der Kursausschläge unterbrach. Die Papiere von Gen Digital gaben laut Marktberichten um mehr als sieben Prozent nach. Anleger zweifeln offenbar eher am Preis als an der Idee: GoDaddy ist an der Börse rund 10,6 Milliarden Euro wert, der Käufer selbst nur rund 13,7 Milliarden Euro.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gen Digital (Norton, Avast, LifeLock) machte GoDaddy laut Financial Times in den vergangenen Wochen ein erstes Übernahmeangebot, Konditionen sind unbekannt.
  • GoDaddy betreut mehr als 20 Millionen Kunden und rund 81 Millionen Domains.
  • Die GoDaddy-Aktie notierte im Juni 58 Prozent unter ihrem Jahreshoch, weil Anleger KI-Baukästen als Konkurrenz fürchten.
  • In Deutschland gehören Host Europe und domainfactory zu GoDaddy.

Was will ein Virenschutz-Konzern mit einem Webhoster?

Weißes Vorhängeschloss mit Cartoon vor Karte mit Aufschrift „meine-firma.de“. Orangener Anhänger links
Gen Digital aus NortonLifeLock und Avast fusioniert, erwirtschaftet 4,4 Milliarden Euro mit Privatkundenabos. GoDaddy bringt über 20 Millionen Klein- und Einzelunternehmer mit

Gen Digital entstand 2022 aus der Fusion von NortonLifeLock und Avast und setzte im jüngsten Geschäftsjahr rund 4,4 Milliarden Euro um, überwiegend mit Abos für Privatkunden.[1] GoDaddy bringt einen anderen Kundenstamm mit: mehr als 20 Millionen Kleinunternehmer, Selbstständige und Kreative, die dort Domain, Website und E-Mail beziehen. Laut FT stehen die Gespräche am Anfang, beide Konzerne lehnten einen Kommentar ab.

Der Reiz liegt im Vertriebsweg. Jede neu registrierte Domain ist ein Kaufmoment, in dem sich ein SSL-Zertifikat oder ein Malware-Scanner für die Website gleich mitverkaufen lässt. Klassischer Virenschutz für Privat-PCs steht dagegen unter Druck, seit Windows mit dem Defender einen kostenlosen Schutz mitliefert.

Warum ist GoDaddy gerade so günstig zu haben?

Im zweiten Quartal steigerte GoDaddy den Umsatz um 7 Prozent auf rund 1,13 Milliarden Euro und erwirtschaftete 386 Millionen Euro freien Cashflow.[2] Trotzdem notierte die Aktie im Juni 58 Prozent unter ihrem Jahreshoch. Anleger fürchten zweierlei: Kunden wählten verstärkt rabattierte .com-Domains mit einem Jahr Laufzeit statt drei, und KI-Baukästen erzeugen eine Website inzwischen aus einer Chat-Beschreibung. Genau das bietet IONOS mit dem KI App & Site Builder, dazu kommen Dutzende Werkzeuge, die der Vergleich der KI-Webdesign-Tools auflistet.

GoDaddy hält mit dem eigenen KI-Assistenten Airo dagegen. Dessen hochgerechnete Jahresbuchungen verfünffachten sich binnen eines Quartals auf rund 43,5 Millionen Euro.[2] Gemessen am Konzernumsatz bleibt das eine kleine Zahl. Für einen Käufer zählt vor allem der stabile Cashflow, der bei gedrücktem Kurs günstig zu haben ist.

GoDaddy und Gen Digital in Zahlen
Ein Webhoster mit viel Cashflow trifft einen Käufer, der kaum größer ist
81 Mio.
Domains verwaltet GoDaddy, etwa ein Fünftel aller registrierten Adressen
20 Mio.+
Kunden, überwiegend Kleinunternehmer, Selbstständige und Kreative
1,13 Mrd. €
GoDaddy-Umsatz im zweiten Quartal 2026, plus 7 Prozent
386 Mio. €
Freier Cashflow von GoDaddy im selben Quartal
43,5 Mio. €
Hochgerechnete Jahresbuchungen des KI-Assistenten Airo
Börsenwert im Vergleich (Stand 24. September 2026)
Gen Digital (Käufer)13,7 Mrd. €
GoDaddy (Ziel)10,6 Mrd. €
Alle Dollarbeträge umgerechnet zum Kurs von 0,87 (Stand 25. September 2026). Konditionen des Angebots sind nicht bekannt.

Gen Digital kauft hier keine Server, sondern den Moment, in dem ein Gründer seine erste Domain anlegt. Kunden sollten schon heute wissen, wie sie ihre Adresse wieder mitnehmen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Folgt der Deal einem bekannten Muster?

Die Branche der Website-Anbieter sortiert sich seit Jahren neu. Der Finanzinvestor Permira kaufte 2024 den Baukasten-Anbieter Squarespace für umgerechnet rund 6 Milliarden Euro und nahm ihn von der Börse. Gen Digital selbst ist ein Produkt solcher Zukäufe: Nach Avast kam 2025 die Fintech-Firma MoneyLion dazu. GoDaddy wäre gemessen am Börsenwert gut drei Viertel so groß wie der Käufer, ein Kauf ließe sich kaum ohne viel neue Schulden oder neue Aktien bezahlen.

Was sollten Kunden von Host Europe und domainfactory prüfen?

GoDaddy übernahm 2017 die Host Europe Group und damit auch den Münchner Hoster domainfactory. Für Kunden dieser Marken ändert ein Eigentümerwechsel zunächst nichts am Vertrag. Heikler ist die Datenpolitik des möglichen Käufers: Die Avast-Tochter Jumpshot verkaufte bis 2020 Browserdaten von Nutzern. Die tschechische Datenschutzbehörde verhängte dafür 2024 ein Bußgeld von umgerechnet rund 13,9 Millionen Euro, die US-Handelsbehörde FTC verlangte zusätzlich rund 14,4 Millionen Euro.

Unternehmen mit Domains bei GoDaddy oder dessen Töchtern können vier Dinge schon jetzt erledigen:

  • Auth-Codes für geschäftskritische Domains anfordern und sicher ablegen. Damit lässt sich jede Adresse zu einem anderen Registrar umziehen, wie der Ratgeber zum Domainkauf erklärt.
  • Domain und Hosting bei getrennten Anbietern führen, damit ein Wechsel des Hosters die Adresse nicht mitreißt. Alternativen mit Sitz in Deutschland listet der Webhosting-Vergleich, für Blogs und Shops der WordPress-Hosting-Vergleich.
  • Den Auftragsverarbeitungsvertrag prüfen: Nach Artikel 28 DSGVO muss der Hoster neue Unterauftragsverarbeiter ankündigen, Kunden dürfen widersprechen.
  • Bei Preiserhöhungen oder Bündelangeboten mit Sicherheitssoftware die Kündigungsfristen im Blick behalten.

Ob aus dem Angebot ein Kauf wird, bleibt offen. Eine Bestätigung der Unternehmen gibt es bislang nicht. Bis dahin verschaffen die vier Schritte oben den nötigen Vorlauf, um im Ernstfall ohne Zeitdruck den Anbieter zu wechseln. Alle Dollarbeträge sind zum Kurs von 0,87 umgerechnet (Stand 25. September 2026).

FAQ: Gen Digital und die GoDaddy-Übernahme

Was ist Gen Digital?

Gen Digital ist ein US-Konzern aus Tempe in Arizona, der 2022 aus der Fusion von NortonLifeLock und Avast entstand. Zu den Marken gehören Norton, Avast, LifeLock, CCleaner und MoneyLion. Der Jahresumsatz liegt laut Financial Times bei rund 4,4 Milliarden Euro.

Ist die Übernahme von GoDaddy beschlossen?

Nein. Laut Financial Times machte Gen Digital in den vergangenen Wochen ein erstes Angebot, die Gespräche sind in einem frühen Stadium. Konditionen sind nicht bekannt, beide Unternehmen lehnten einen Kommentar ab. Ob ein Vertrag zustande kommt, ist offen.

Welche deutschen Hoster gehören zu GoDaddy?

GoDaddy übernahm 2017 die Host Europe Group. Dazu gehören in Deutschland die Marken Host Europe und domainfactory mit Sitz in München. Für deren Kunden bleibt der Vertragspartner bei einem Eigentümerwechsel zunächst dieselbe Gesellschaft.

Wie ziehe ich eine Domain von GoDaddy zu einem anderen Anbieter um?

Beim bisherigen Anbieter fordern Sie den Auth-Code der Domain an und geben ihn beim neuen Registrar ein. Der Umzug dauert meist wenige Tage. Vorher sollten Sie DNS-Einträge und E-Mail-Postfächer sichern, damit Website und Geschäftspost ohne Unterbrechung weiterlaufen.

Quellen

[1] Financial Times: „GoDaddy receives takeover offer from maker of Norton antivirus software“

[2] GoDaddy: „GoDaddy Inc. Reports Second Quarter 2026 Financial Results“

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