Google gibt dem neuen Gemini-Agenten auf Wunsch ein eigenes Workspace-Konto mit E-Mail-Adresse, Kalender und Eintrag im Firmenverzeichnis. Kollegen holen den Agenten per @-Erwähnung in Chats und Dokumente, wo der Agent unter eigenem Namen Änderungen vorschlägt. In Betrieben mit Betriebsrat entscheidet die Arbeitnehmervertretung über einen solchen Einsatz mit.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Sie geben ihm Ziele, keine Anweisungen“, sagte Google-Cloud-Chef Thomas Kurian am Donnerstag auf der Konferenz Gemini at Work 2026 über den Gemini-Agenten.[1] Google nennt das Werkzeug einen universellen Agenten für die Arbeit: Aus einem einzigen Eingabefeld heraus beantwortet Gemini Fragen, erledigt Wissensarbeit, erzeugt Bilder und schreibt Code.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Gemini-Agent arbeitet direkt in Gmail, Drive, Docs, Slides, Sheets, Chat und Calendar.
- Unteragenten mit eigener Identität arbeiten in der Cloud über Stunden oder Tage weiter.
- Jede Aktion steht im Prüfprotokoll unter dem Namen des Agenten.
- Preise und einen Starttermin für alle Kunden nannte Google nicht.
Wie arbeitet der Gemini-Agent als Teammitglied?

Als persönlicher Assistent kennt der Agent Kalender, Team und Projekte seines Nutzers. Ein Treffen mit den üblichen Event-Verantwortlichen plant Gemini laut Google ohne Namensliste: Der Agent liest die Teilnehmer aus Chat und Mailverlauf ab, prüft die Kalender und lädt ein.
Für einen Coworker-Agenten beschreibt ein Team die gewünschte Rolle, etwa eine Eventkoordination. Gemini legt dafür ein eigenes Workspace-Konto an. Kollegen erwähnen den Agenten im Chat oder im Dokument, seine Änderungsvorschläge erscheinen unter eigenem Namen im Versionsverlauf. Zugriff hat der Agent nur auf Inhalte, die das Team mit ihm teilt.[1]
Warum arbeitet der Agent unter eigener Identität?
Viele KI-Agenten handeln bisher im Konto ihres Nutzers. Metas Agent Muse meldet sich etwa mit den Zugangsdaten der Kundschaft bei Onlineshops an. Googles Modell trennt Mensch und Maschine im Protokoll: Jeder Agent erhält eine kryptografisch bestätigte Identität mit den nötigsten Rechten, und jede Aktion steht im Prüfpfad unter seinem Namen. Die Firewall Agent Gateway prüft zudem jeden Datenverkehr der Agenten.[1]
Eigene Adressen für Agenten verteilt auch Manus mit der App Cue. Microsoft ergänzte Copilot beim Neustart im September um den Agenten Autopilot. Googles Agent arbeitet allerdings auch in Microsoft 365 und Slack.
Laut Google fielen die Preise pro Token seit 2024 um 98 Prozent, das Volumen in Unternehmen stieg aber stark. Gemini verteilt Aufgaben deshalb auf das jeweils passende Modell, auch auf Claude von Anthropic, und pausiert ein Projekt, sobald eine harte Ausgabengrenze greift. Ohne solche Grenzen sprengen autonome Agenten schnell das Budget, weil jeder Arbeitsschritt neue Modellaufrufe auslöst.
Ein KI-Kollege mit eigenem Firmenkonto braucht in deutschen Betrieben zuerst eine Betriebsvereinbarung und erst danach eine Aufgabe.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was klären deutsche Unternehmen vor dem Einsatz?
Mit Gemini Enterprise verkürzte die Commerzbank nach Angaben von Google die manuelle Qualitätsprüfung von Dokumenten von 20 Stunden auf eine, die Deutsche Bank nutzt bereits die Fassung für Finanzdienstleister.
Ein Agent, der in Chat-Bereichen mitliest, Dokumente bearbeitet und jede Aktion protokolliert, unterliegt in Deutschland der Mitbestimmung. Nach Paragraf 87 des Betriebsverfassungsgesetzes entscheidet der Betriebsrat über technische Einrichtungen mit, die Verhalten oder Leistung von Beschäftigten überwachen.[2] Das Bundesarbeitsgericht lässt dafür schon die objektive Eignung zur Überwachung genügen.
Schreibt der Coworker-Agent externe Teilnehmer an, greift außerdem die KI-Verordnung: Seit dem 2. August 2026 müssen Menschen erkennen können, dass sie mit einer KI kommunizieren.[3] Für einen Pilotbetrieb helfen vier Schritte:
- Eine Betriebsvereinbarung regelt Rollen, Datenzugriff und die Auswertung der Agenten-Protokolle.
- Datenschutzbeauftragte nehmen den Agenten ins Verarbeitungsverzeichnis auf, weil er Postfächer und Kalender liest.
- Die IT-Abteilung erfragt bei Google, in welcher Region die Gedächtnisse des Agenten gespeichert werden.
- Eine Ausgabengrenze je Abteilung begrenzt die Kosten, bevor Google Preise nennt.
FAQ: Googles Gemini-Agent bekommt ein eigenes Konto im Firmenverzeichnis
Was ist der Gemini-Agent von Google?
Der Gemini-Agent ist ein KI-Agent von Google Cloud, der Fragen beantwortet, Wissensarbeit erledigt, Bilder erzeugt und Code schreibt. Google stellte den Agenten am 8. Oktober 2026 vor, nutzbar ist er in Google Workspace, Microsoft 365, Slack und über eine Programmierschnittstelle.
Was ist ein Coworker-Agent bei Gemini?
Ein Coworker-Agent ist ein Gemini-Agent mit fester Rolle im Team und eigenem Workspace-Konto samt E-Mail-Adresse, Kalender und Drive. Kollegen erwähnen den Agenten in Chats oder Dokumenten, der Agent handelt unter eigener Identität und sieht nur geteilte Inhalte.
Muss der Betriebsrat einem KI-Agenten zustimmen?
Eignet sich ein KI-Agent dazu, Verhalten oder Leistung von Beschäftigten zu überwachen, etwa über Protokolle und Zugriff auf Chats, hat der Betriebsrat nach Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 6 Betriebsverfassungsgesetz ein Mitbestimmungsrecht. Üblich ist eine Betriebsvereinbarung vor dem Start.
Was kostet der Gemini-Agent?
Preise und einen allgemeinen Starttermin nannte Google bei der Vorstellung am 8. Oktober 2026 nicht. Unternehmen können für Projekte eine harte Ausgabengrenze in der Cloud-Abrechnung setzen, bei Erreichen pausiert der Agent.
Quellen
[1] Google Cloud Blog, Thomas Kurian: „Welcome to Gemini at Work 2026: Introducing the Gemini agent“
[2] Bundesministerium der Justiz: „Betriebsverfassungsgesetz, § 87 Mitbestimmungsrechte“
[3] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 50“
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