Mit der neuen App Cue gibt Manus jedem KI-Agenten eine eigene E-Mail-Adresse, eine Telefonnummer und eine Wallet. Ein Agent nimmt damit Anrufe für seinen Nutzer an und bezahlt im Rahmen eines vorher festgelegten Budgets selbst. Seit August verlangt der EU AI Act, dass Menschen erfahren, wann am anderen Ende eine KI spricht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenManus Cue startete am 28. September zusammen mit Manus 2.0, der ersten großen Version seit der Rückkehr in die Unabhängigkeit. Ende 2025 hatte Meta den Entwickler für umgerechnet mehr als 1,78 Milliarden Euro gekauft, bis Chinas Entwicklungs- und Reformkommission den Kauf rückgängig machte. Heute konkurriert Manus mit dem früheren Käufer, dessen Agent Muse dasselbe Feld besetzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Manus 2.0 reagiert auf Ereignisse wie eine neue E-Mail, das Agentengerüst Cascade senkt die Laufkosten im Test um 32 %.
- Laut TMTPost verhandelt Manus über rund 446 Millionen Euro bei einer Bewertung von etwa 3,57 Milliarden Euro.
- In der EU muss ein Agent, der mit Menschen kommuniziert, seit dem 2. August 2026 als KI erkennbar sein.
Was ändert sich, wenn ein KI-Agent eine eigene Identität hat?

Bisher arbeiten KI-Agenten fast immer im Konto ihres Nutzers. Metas Muse meldet sich mit den Zugangsdaten der Kundschaft bei Shops an, worauf Amazon im September den Agenten von amazon.com aussperrte. Manus Cue setzt auf das Gegenmodell: Jeder Agent erhält eine eigene Identität mit E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Wallet und Rechner, schreibt unter eigenem Absender und zahlt aus einem Budget, das der Nutzer festlegt.[1]
Mehrere Agenten teilen sich in einem Gruppenchat die Arbeit. Jeder Agent nimmt zudem Anrufe entgegen und hinterlässt in Cue eine Zusammenfassung. Vorerst läuft die App in einer geschlossenen Testphase mit Einladungscode.
Warum baut Manus die Technik unter dem Agenten neu?
Mit Manus 2.0 ersetzte das Start-up sein Agentengerüst, also die Steuerschicht zwischen Sprachmodell und Werkzeugen, durch die Eigenentwicklung Cascade. In einer Testkonfiguration brauchte Cascade nach Angaben von Manus 23,2 % weniger Token, war 28,2 % schneller fertig und kostete 32 % weniger als das Vorgängersystem.[1]
Hinter dem Umbau steht die Kostenrechnung eines Agentenanbieters. Jeder Arbeitsschritt löst neue Modellaufrufe aus, die Rechenkosten wachsen also mit jeder Aufgabe, anders als bei klassischer Software. Schon 2025 zahlte Manus laut The Information im Schnitt rund 1,78 Euro pro Aufgabe an Anthropic. Ein Agent, der wie in Manus 2.0 rund um die Uhr auf neue E-Mails oder Slack-Nachrichten wartet, verschärft diese Rechnung.
Auf diese Rechnung schauen auch die Investoren der nächsten Finanzierungsrunde. Laut dem Pekinger Portal TMTPost, das sich auf Medienberichte stützt, verhandelt Manus über rund 446 Millionen Euro bei einer Bewertung von etwa 3,57 Milliarden Euro, dem Doppelten des Meta-Kaufpreises.[2] Der hochgerechnete Jahresumsatz lag Ende Juni bei etwa 357 Millionen Euro und wuchs vor allem in den Monaten, in denen Meta das Werkzeug mehr als zehn Millionen Werbekunden anbot. Ob das Wachstum nach der Rückabwicklung des Meta-Kaufs anhält, muss Manus erst beweisen.
Ein Agent mit eigener Telefonnummer ist für den Anrufer ein Gesprächspartner und muss sich deshalb als KI zu erkennen geben.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
So treten KI-Agenten auf
Was bedeutet das für Unternehmen in Europa?
Ein Agent mit eigener Nummer, der Anrufe annimmt oder Lieferanten anschreibt, fällt in der EU unter die Transparenzpflicht des AI Act. Seit dem 2. August 2026 müssen Anbieter KI-Systeme, die direkt mit Menschen interagieren, so gestalten, dass das Gegenüber davon erfährt.[3] Dieselbe Frist gilt für die Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte.
Bei Zahlungen greift zusätzlich die starke Kundenauthentifizierung der EU-Zahlungsregeln. Visa erfüllt diese Pflicht in Europa über Passkeys und Ausgabengrenzen, die Kunden für ihren KI-Agenten vorab festlegen. Wie die Wallet in Cue solche Freigaben abbildet, beschreibt Manus bislang nicht. Vor einem Test sollten Firmen vier Punkte klären:
- Agenten im Kundenkontakt nur mit KI-Hinweis in Nachricht und Telefonansage einsetzen.
- Budget und erlaubte Händler je Agent festlegen, bevor die Wallet Geld bewegt.
- Firmensitz und Datenstandort des Anbieters vertraglich festhalten, denn Manus wechselte binnen eines Jahres zweimal den Eigentümer.
- Prüfen, welche Shops und Portale fremde Agenten in ihren Nutzungsbedingungen ausschließen.
Quellen
[1] Manus: „Introducing Manus 2.0“
[2] TMTPost: „Manus wieder unabhängig: Der Kampf der Agenten folgt neuen Regeln“ (chinesisch)
[3] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz, Artikel 50
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